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Marcel Schmelzer kommt gegen Australien zu seinem dritten Länderspiel © getty

Im Kampf um den Stammplatz als linker Außenverteidiger bahnt sich ein Zweikampf an. Gegen Australien testet Löw einen Dortmunder.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Düsseldorf/Mönchengladbach ? Ja, es gab ihn, den klassischen linken Außenverteidiger.

Karl-Heinz Schnellinger in den Sechzigern und bei der WM 1970, Paul Breitner, der - wenn auch als Rechtsfuß -1974 im WM-Finale den Elfmeter zum 2:1-Finalsieg gegen die Niederlande verwandelte.

Hans-Peter Briegel, die "Walz aus der Pfalz" in den Achtzigern und nicht zuletzt Andreas Brehme, der Deutschland 1990 mit seinem Elfmetertor gegen Argentinien zum WM-Titel schoss.

Doch nach Brehme fand sich, vielleicht abgesehen von Christian Ziege, keiner mehr, der die Position über einen längeren Zeitraum prägte.

Schmelzer statt Aogo

"Es gibt wenige Fußballer, die einen guten linken Fuß haben und defensiv spielen", sagt Marcel Schmelzer, der den Platz auf der linken Abwehrseite im Testspiel gegen Australien (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) einnimmt.

"Wir haben viele gute Leute, es hat bisher nur nicht kontinuierlich geklappt", erklärt der Dortmunder, der in der Bundesliga wohl der momentan beste Mann auf seiner Position ist.

In der Nationalelf durften sich dort seit Brehmes Rücktritt viele versuchen:

Jörg Heinrich, Tobias Rau, Michael Hartmann - sogar Torsten Frings musste einst auf der linken Seite aushelfen.

Als Philipp Lahm bei der WM 2006 unter Jürgen Klinsmann als Coach von rechts auf links wechselte und weltklasse spielte, schien die Ideallösung gefunden.

Doch Lahm wollte lieber rechts spielen, und der Münchner bekam seinen Willen.

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Große Fluktuation

Bei der WM in Südafrika probierte es Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw mit Holger Badstuber.

Das Experiment scheiterte und Jerome Boateng ersetzte den Münchner.

Nach der WM kamen Marcell Jansen und Heiko Westermann und auch Sascha Riether in der EM-Qualifikation zum Einsatz, gegen Kasachstan und Australien stehen die beiden Hamburger und der Wolfsburger jedoch nicht in Löws Aufgebot.

Vor dem Australien-Spiel verletzte sich Boateng am rechten Knie, wäre aber ohnehin nicht als Linksverteidiger in Frage gekommen.

Fast-Lob für Schmelzer

Und so sind mit Schmelzer und Dennis Aogo nur noch zwei Kandidaten übrig.

"Dennis Aogo ist ein Spieler mit großen technischen Fähigkeiten, Marcel Schmelzer ist auch auf einem sehr guten Weg, er lebt von seiner Dynamik", charakterisierte der Bundestrainer die beiden.

"Mit seinen Flankenläufen kommt Marcel der modernen Prägung eines Außenverteidigers schon sehr nahe", ließ sich Löws-Co-Trainer Hansi Flick am Montag sogar fast schon zu einem Lob hinreißen.

[kaltura id="0_afufi6tg" class="full_size" title="Mit B Elf gegen die Socceroos "]

Träsch ersetzt Lahm

Aogo, der vorher schon beim 1:1 gegen Italien zum Einsatz gekommen war, stand beim 4:0-Sieg gegen Kasachstan auf dem Platz.

"Ich habe jetzt das zweite Mal in Folge gespielt. Von daher sehe ich meine Chancen nicht so schlecht", sagte Aogo nach dem Sieg in Kaiserslautern.

Gegen Australien darf in Mönchengladbach nun Schmelzer ran, Christian Träsch ersetzt auf rechts Lahm, der eine Verschnaufpause bekommt.

Experimente in der Kette

Zusammen mit Routinier Arne Friedrich und Mats Hummels bilden Träsch und Schmelzer eine Abwehrkette, die in dieser Formation noch nie zusammengespielt hat ? und es wohl auch nie wieder tun wird.

"Wir sind alle gute Fußballer. Ich denke, dass wir uns für das eine Spiel so verständigen können, dass wir eine gute Leistung zeigen können", gibt sich Schmelzer trotz drohender Abstimmungsprobleme zuversichtlich.

Für die jungen Leute wie ihn oder seinen Dortmunder Vereinskollegen Hummels sei das Spiel gegen die "Socceroos" "eine Möglichkeit zu zeigen, was wir können und auch ein bisschen Druck auszuüben".

"Das ist normaler Konkurrenzkampf"

Druck auf die Konkurrenz, und die heißt momentan für Schmelzer Aogo.

"Ich habe mit Dennis bei der U21 gespielt, es gibt keine Probleme oder Differenzen", betonte der BVB-Profi auf SPORT1-Nachfrage.

"Das ist ein normaler Konkurrenzkampf, wie man ihn kennt", findet auch Aogo. "Wir versuchen uns beide im Training anzubieten, und der Bundestrainer muss dann entscheiden."

Er sehe seine Chancen "nicht so schlecht", ergänzte der Hamburger:

"Ich werde versuchen, mich weiterzuentwickeln. Mein Prozess ist lange nicht zu Ende und ich denke, dann kann ich auch eine längerfristige Lösung auf dieser Position sein."

Volle Zufriedenheit mit Lahm

Auf die immer wiederkehrende Frage, warum Lahm nicht auf der linken Seite spiele, antwortete Co-Trainer Flick: "Man hat keine zwei Philipp Lahms."

Er und Löw seien zufrieden, wie Lahm derzeit seine Position ausfüllt.

"Es ist wichtig, dass du einen Linksfuß hast", erklärte Flick. "Dennis Aogo und Marcel Schmelzer sind junge Spieler, die herangeführt werden müssen. Wir sind überzeugt, dass beide die Qualität haben."

Wenn sie das im DFB-Team beweisen können, hat Deutschland vielleicht auch in einer nicht ganz so fernen Zukunft wieder einen echten Linksverteidiger.

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