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Andre Schürrle (2.v.l.) absolvierte gegen Australien sein zweites Länderspiel © getty

Bundestrainer Löw glaubt, dass die Australien-Pleite die jungen Spieler weiterbringt. Die DFB-Jungspunde sind frustriert.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Mönchengladbach - Für die unerfahrenen Nationalspieler sollte es ein Härtetest werden, doch der ging mächtig in die Hose.

Dementsprechend angefressen waren die deutschen Youngster nach dem 1:2 (1:0) im Testspiel gegen Australien.

"Ganz klar bin ich traurig über die Niederlage, wie jeder hier", sagte Andre Schürrle nach seinem ersten Länderspiel von Beginn an zu SPORT1.

"Wir haben völlig verdient geführt und hatten das Spiel dominiert. Dann kriegt man zwei so dumme Tore und kommt nicht mehr zurück. Das ist natürlich sehr schade."

Zum zweiten Mal in der Startelf stand Mats Hummels.

"Ich sitze nicht gerne auf der Bank und schon gar nicht auf der Tribüne. Deshalb war es für mich wichtig, dass ich von Anfang an spielen durfte", erklärte der Dortmunder.

Allerdings hatte der 22-Jährige keinen guten Abend erwischt und sah besonders beim 1:1 der Australier durch David Carney (61.) alt aus.

Hummels: "Keine katastrophale Leistung"

Von einem Rückschlag wollte Hummels jedoch nicht reden.

"Nein, denn keiner von uns hat gegen Australien eine katastrophale Leistung abgeliefert. Es hätte natürlich besser laufen müssen, es war sicherlich nicht das beste Spiel von jedem Einzelnen", fand der BVB-Verteidiger.

Besonders Christian Träsch, der Philipp Lahm rechts in der Abwehrkette ersetzte, hatte große Probleme (372195DIASHOW: Einzelkritik).

"Ich spiele lieber im Zentrum, aber ich fühle mich auch auf der rechten Seite wohl", erklärte der 23-Jährige.

Dennoch ließ sich der Stuttgarter beim Ausgleich, wie auch Hummels, ausspielen und verursachte den Strafstoß, der zum Siegtreffer der Australier durch Luke Wilshire (64.) führte.

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"Beim Elfmeter sehe ich kein Foul von Christian", nahm Bundestrainer Joachim Löw Träsch in Schutz.

"Junge Spieler können lernen"

Löw, der seine Startelf gegenüber dem 4:0-Sieg gegen Kasachstan in der EM-Qualifikation auf acht Positionen verändert hatte, zog zumindest einen positiven Aspekt aus der zehnten Niederlage in seinem 66. Spiel als Bundestrainer.

"Testspiele sind immer gut für die Trainer, um Schlüsse zu ziehen. Junge Spieler können in so einem Spiel lernen. Das bringt sie weiter", antwortete Löw auf die massive Kritik von Uli Hoeneß an der Sinnhaftigjkeit der Partie.

Und er fügte hinzu: "Selbstverständlich hätten wir das Spiel gerne gewonnen. Schlussendlich ist diese Niederlage aber nicht allzu dramatisch, denn es ging nicht um die Qualifikation."

[kaltura id="0_02hyvkl0" class="full_size" title="Der DFB wehrt sich"]

Löw stichelt in Richtung Bayern

Der Bundestrainer war indes weiterhin verärgert über die Kritik von Bayern-Präsident Uli Hoeneß an dem Testspiel.

"Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wir haben mit der Nationalmannschaft auch schon Spiele für die Bayern absolviert - bei der Stadioneinweihung und beim Abschiedsspiel für Oliver Kahn", sagte Löw.

"Zudem werden die Bayern im kommenden Jahr in der EM-Vorbereitung ein Testspiel gegen die Niederlande austragen. Da werde ich dann vielleicht auch mal fragen, ob das Sinn macht."

Klose: "Die Jungs brauchen die Erfahrung"

Ob ein Test wie am Dienstagabend mit einer völlig umgekrempelten B-Elf die Spieler weiterbringt, darf jedoch zumindest hinterfragt werden.

Zumal es für das Image des WM-Dritten eher schädlich ist, wenn sich Fans und TV-Zuschauer bei solch einem müden Test-Kick wie in Mönchengladvach mit Grausen abwenden.

"Die Jungs haben ordentlich gespielt. Sie brauchen letztendlich diese Erfahrung", fand jedoch Miroslav Klose.

Der Routinier, der in der zweiten Halbzeit für Torschütze Mario Gomez eingewechselt wurde und so zu seinem 108. Länderspiel kam und in der DFB-Rekordspielerliste mit Jürgen Klinsmann gleichzog:

"Wir haben uns bemüht und ordentlich gespielt, aber das Ergebnis stimmt nicht."

"Natürlich fehlen irgendwo die Mechanismen, die ineinander greifen. Aber in der ersten Halbzeit konnte man sehen, dass wir viel Qualität auf dem Platz hatten und gut kombiniert haben. In der zweiten Halbzeit haben die Durchschlagskraft und der letzte Pass gefehlt", analysierte Startelf-Debütant Schürrle.

Schürrle empfiehlt sich

Er bereitete das 1:0 durch Mario Gomez vor und darf durchaus auf weitere Einsätze hoffen.

"Ich versuche weiter, meine Leistung zu bringen. Den Rest muss der Bundestrainer entscheiden", sagte der Mainzer.

VfB-Profi Träsch glaubt nicht, dass die insgesamt schwache Leistung der deutschen Mannschaft etwas mit der anstehenden wichtigen Partien in der Bundesliga zu tun hatte.

"Man will sich in solchen Spielen zeigen und hat die Spiele im Verein nicht im Hinterkopf", sagte der VfB-Profi zu SPORT1.

Friedrich bittet um Geduld

Ähnlich sah es Hummels:

"Ich bin froh über jedes Länderspiel, dass stattfindet und bei dem ich dabei sein kann", sagte der Dortmunder, der am Samstag mit der Borussia gegen Hannover 96 eine richtungweisende Partie auf dem Weg zur Meisterschaft bestreitet.

Arne Friedrich, der neben Hummels in der Innenverteidigung spielte und nach achtmonatiger Pause sein Comeback in der DFB-Elf gab, meinte: "Ich war lange verletzt und weiß, dass ich Geduld haben muss. Fakt ist, dass solche Spiele stattfinden und wir das Beste daraus machen müssen."

Gegen Australien war das von Löw bunt zusammen gewürfelte deutsche Team allerdings nicht gut genug.

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