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Mario Gomez (links) hat in 43 Länderspielen für Deutschland 15 Tore erzielt © getty

Mario Gomez vermisst die Streicheleinheiten und holt zum Rundumschlag aus. Und bittet darum, einen Patzer endlich zu vergessen.

Von Andreas Berten und Thorsten Mesch

München/Mönchengladbach - Mario Gomez ist nicht gerade dafür bekannt, nach Partien wie ein Irrwisch durch die Mixed Zonen der Stadien zu schnellen, in denen Reporter den Spielern an den Lippen hängen und jeden Satz mit dem Diktiergerät aufnehmen.

Meist nimmt sich der 25-Jährige die Zeit, bleibt stehen und wählt dann mit Bedacht seine Worte.

Eine wilde Schlagzeile kommt dabei selten herum.

In Mönchengladbach war das diesmal anders.

Der Nationalspieler, dem immerhin der sehenswerte Führungstreffer bei der 1:2-Testspielniederlage gegen Australien gelungen war, machte es Bastian Schweinsteiger nach und holte zum Rundumschlag gegen die eigenen Anhänger aus.

"Mein größter Konkurrent ist im Moment ein Teil der Fans, der mir das Leben nicht einfach macht", sagt der sensible Stürmer, dem wie schon seinem Bayern-Kollegen angesichts der Pfiffe des Lauterer Publikums im EM-Quali-Spiel gegen Kasachstan aber nun die Hutschnur hochging.

Tiefer Graben zwischen Spielern und Zuschauern

Dem eigenen Verständnis nach sollten sie die Lieblinge der Nation sein, die Auswahlspieler des Deutschen Fußball-Bundes.

Doch spätestens seit dem Auftritt ist Kaiserslautern hat sich ein tiefer Graben zwischen ihnen und dem Anhang aufgetan.

"Ich komme zur Nationalmannschaft in einer Top-Verfassung, die vielleicht so gut ist wie noch nie, aber dann werde ich von den eigenen Fans ausgepfiffen", klagt Gomez, der beim 4:0 in der 65. Minute für Lukas Podolski eingewechselt worden war.

Der Stürmer bezeichnet die Situation als "komisch":

"In der Nationalmannschaft, speziell in den Heimspielen, ist es für mich schwierig, Topleistungen abzurufen. Die Stimmung war mir gegenüber nicht sehr positiv, nicht von allen Fans, aber doch von einigen."

[kaltura id="0_02hyvkl0" class="full_size" title="Der DFB wehrt sich"]

"Ich war einfach nicht voll da"

Schweinsteiger hatte gegen Kasachstan in Kaiserslautern eine schwache Partie abgeliefert und sich über die Pfiffe bei seiner Auswechslung echauffiert.

Dagegen war das Publikum in Gladbach sehr ruhig, ja verhältnismäßig emotionslos.

"Okay, ich habe das Tor gemacht", sagte Gomez. "Aber man hat in einigen Szenen gesehen, dass ich trotz meiner guten körperlichen Verfassung Schwierigkeiten hatte, weil ich einfach nicht voll da war." (372195DIASHOW: Einzelkritik)

Immerhin war der Bundestrainer mit ihm äußerst zufrieden.

"Er hatte eine Phase in der Nationalmannschaft, da ist vieles nicht gelaufen", sagte Joachim Löw. "Aber jetzt befindet er sich auf dem Weg, dass er in der Nationalmannschaft regelmäßig trifft."

"Es muss auch mal gut sein"

Trotzdem rätselt der Münchner, warum die eigenen Fans gegen ihn sind.

"Ich weiß nicht, ob das noch mit meinem Fehlschuss 2008 zusammenhängt. Aber das ist heute schon drei Jahre her und sehr frustrierend für mich."

Bei der EM hatte es Gomez damals im Spiel gegen den Co-Gastgeber Österreich fertig gebracht, den Ball aus einem Meter Entfernung zur Torlinie noch über die Latte zu bugsieren.

Zwar schicke ihn Löw jedes Mal mit einem "Zeig es den Fans" auf den Platz, aber:

"Ich weiß nicht, was ich zeigen muss. Ich spiele eine sehr, sehr gute Saison. Nichtsdestotrotz finde ich, dass es ein paar Jahre nach diesem Fehlschuss auch mal gut sein sollte."

Rollentausch mit Klose

Deshalb findet der Gescholtene auch, dass Miroslav Klose sein Hauptkonkurrent sein sollte und nicht die eigenen Fans.

Doch schon am Samstag vollziehen die beiden Torjäger des Rekordmeisters wieder ihren gewohnten Rollentausch.

In der Nationalelf erste Wahl, drückt Klose bei den Bayern wohl auch gegen Mönchengladbach wieder die Bank.

Dass der 32-Jährige, der gegen Australien mit seinem 108. Einsatz im DFB-Trikot mit Jürgen Klinsmann gleichzog, bei Joachim Löw gesetzt ist, hat Gomez auch inzwischen akzeptiert:

"Es ist natürlich so, dass Miro ganz klar die Nummer eins war im Sturm, aber nichtsdestotrotz versuche ich auch, mein Bestes zu geben."

Was Mario Gomez auch in Zukunft unter Beweis stellen will: "Ich weiß, dass ich die Form habe, dass ich die Fans zurückgewinnen kann."

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