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Joachim Löw (l.) und Michael Ballack arbeiten seit 2004 im DFB-Team zusammen © imago

Der DFB-Kapitän hat in der Diskussion über seine öffentlichen Attacken gegen den Bundestrainer neues Öl ins Feuer gegossen.

Von Martin Volkmar

München - Michael Ballack bleibt bei seiner Kritik an Joachim Löw.

Dies sagte der Kapitän der Nationalmannschaft in seinem ersten Interview nach dem Streit mit dem Bundestrainer.

Bei "Premiere" antwortetet Ballack auf die Frage, ob er seine damaligen Aussagen rückgängig machen würde:

"Nein, denn ich habe lediglich in einem vernünftigen Ton meine Meinung gesagt. Ich habe auch niemanden attackiert, das wollte ich ja auch gar nicht."

Er sei ja auch kaum für den Inhalt seiner Aussagen, sondern vor allem den Gang an die Öffentlichkeit kritisiert worden.

"Manchmal will man bewust an die Öffentlichkeit gehen"

"Bisweilen muss man halt auch ein paar kritische Töne in der Öffentlichkeit sagen. Man kann eben nicht immer nur alles intern ansprechen. Manchmal will man eben auch bewusst an die Öffentlichkeit gehen, um ein bisschen wachzurütteln", rechtfertigte sich der 32-Jährige.

"Es hat während und nach der Europameisterschaft ein paar Irritationen gegeben. Ich finde das aber gar nicht schlimm im Fußball, wenn man mal anderer Meinung ist."

Ballack hatte Löw in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nach den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) im Oktober hart attackiert und unter anderem mehr Respekt und Ehrlichkeit gefordert.

Die hohen Wellen, die diese Aussagen geschlagen haben, kann der 89-malige Nationalspieler (Spielerporträt) auch im Rückblick nicht nachvollziehen: "Das hat Ausmaße angenommen, die diesem Interview gar nicht würdig waren. Denn eigentlich hat das Interview gar nicht so viel hergegeben."

Löw will öffentliche Kritik nicht mehr tolerieren

Auch beim DFB sah man das freilich anders. Löw hatte seinem Spielführer in einem Vier-Augen-Gespräch deutlich zu verstehen gegeben, dass er solche Aussagen in Zukunft nicht mehr tolerieren werde.

Diesen "Ehrenkodex" hatte der Bundestrainer vor dem Länderspiel gegen England (1:2) noch einmal vor der versammelten Mannschaft wiederholt, inklusive Ballack und des ebenfalls ausfällig gewordenen Torsten Frings.

Zwischenzeitlich hatte beiden sogar der Rauswurf aus der DFB-Auswahl gedroht. Löw hatte davon aber nach Entschuldigungen von Ballack und Frings abgesehen.

"Nachdem ich das Gefühl hatte, dass er sich einsichtig zeigt und sein Verhalten vollumfänglich bedauert, war die Entscheidung unter sportlichen Aspekten einfach", hatte Löw danach im Gespräch mit Sport1.de zum Fall Ballack gesagt.

"Wollen beide den Erfolg"

Eine Einschätzung, der der Kapitän nun aber widersprochen und damit neues Öl ins Feuer gegossen hat. Dennoch glaubt Ballack, dass wieder alles in bester Ordnung ist:

"An unserem guten Verhältnis hat das Interview nichts geändert. Entscheidend ist, dass wir beide den Erfolg wollen und uns gegenseitig respektieren - und das ist der Fall."

Der wenig selbstkritische Ton Ballacks in dem Interview dürfte ihm aber auch die schwache Vorstellung des deutschen Teams gegen England leicht gemacht haben, denn dort war der verletzte Routinier schmerzlich vermisst worden.

Noch möglichst viele Titel gewinnen

Nun aber blickt der Chelsea-Star nach vorne und hofft nach den Enttäuschungen der vergangenen Saison mit Platz zwei bei der Europameisterschaft, in der Champions League und in der englischen Meisterschaft auf weitere Titel in den nächsten Jahren.

"Ich verfüge über viel Erfahrung und fühle mich in guter Verfassung. Ich will mit Chelsea noch große Titel gewinnen", sagte Ballack, der seinen Vertrag in London vermutlich Anfang nächsten Jahres bis 2011 verlängern wird.

Neben der WM 2010 ist vor allem die Königsklasse, in der er zweimal im Finale scheiterte, das großes Ziel mit den Blues (Kader).

"Natürlich wäre es ein Traum, im Herbst meiner Karriere den Champions-League-Titel zu holen", sagte er.

"Unsere Mannschaft hat ja mit Deco und Bosingwa noch zwei Topspieler dazubekommen, die den Kader qualitativ verstärken. Insofern ist das Team ja sogar noch stärker geworden."

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