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Franz Beckenbauer (r.) war von 1984 bis 1990 DFB-Teamchef © getty

Franz Beckenbauer reagiert entsetzt auf Ballacks Bekräftigung seiner Löw Kritik, der Bundestrainer findet klare Worte.

München - Franz Beckenbauer ist entsetzt, Bundestrainer Joachim Löw rasselt mit dem Säbel.

Der "Kaiser" und der Bundestrainer richten deutliche Worte an Michael Ballack.

Zuvor hatte der Nationalmannschaftskapitän (Spielerporträt) auch vier Wochen nach dem Friedensgipfel mit Löw noch keine Reue gezeigt und seine öffentliche Kritik weiter verteidigt.

"Michael hat ein Recht, seine Meinung zu sagen und Kritik zu äußern", sagte der 48-jährige Löw der "Bild".

"Aber nach außen wird er die nicht kundtun. Da können Sie ganz sicher sein. Weil er weiß, was dann die Konsequenzen sind."

Aktuell drohen Ballack keine Sanktionen, da seine neuen Aussagen vom DFB offiziell nicht als Kritik aufgefasst werden - intern ist die Verärgerung dennoch groß.

Beckenbauer ohne Verständnis

Auch DFB-Präsidiumsmitglied Beckenbauer reagierte mit Unverständnis auf den neuerlichen Vorstoß von Ballack, der seine gegen Löw Mitte Oktober erhobenen Angriffe ganz offentlichtlich nicht bereut (Chronik des Konflikts).

"Ich bin sprachlos. Dazu fällt mir jetzt gar nichts mehr ein", erklärte er.

"Ich dachte eigentlich, die Sache wäre erledigt. Es wäre furchtbar, wenn aus diesem Thema eine unendliche Geschichte werden sollte."

Beckenbauer ist der Überzeugung, dass Ballack seine sportliche Situation derzeit nicht verkraftet. "Ich glaube, bei Ballack sitzt der Frust immer noch sehr tief. Das rührt von der letzten Europameisterschaft her, als er einige Versäumnisse festgestellt und auch reklamiert hat."

Man habe ihm nicht zugehört "und das langweilt ihn langsam, denn er wird möglicherweise der ewige Zweite bleiben. Deshalb ist er vielleicht noch ein bisschen sauer", sagte Beckenbauer bei "Premiere".

Den Mund nicht verbieten lassen

Ballack hatte am Dienstag seine öffentlich geäußerte Kritik am Führungsstil des Bundestrainers erstmals verteidigt und damit bei der Nationalmannschaft erneut für Unruhe gesorgt.

Auch in Zukunft will sich der 89-malige Nationalspieler den Mund offenbar nicht verbieten lassen.

"Manchmal will man eben auch bewusst an die Öffentlichkeit gehen, um ein bisschen wachzurütteln. Man kann eben nicht immer nur alles intern ansprechen", hatte der 32-Jährige gesagt.

Entschuldigung auf drei Wegen

Ballack hatte Löw wenige Tage nach den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) scharf angegriffen und unter anderem mehr Respekt und Ehrlichkeit im Umgang mit den erfahrenen Nationalspielern eingefordert.

Hauptgrund für Ballacks Attacken war, dass sein "Spezi" Torsten Frings gegen Russland und Wales nicht mehr über die Rolle des Ergänzungsspielers hinausgekommen war.

Nach seiner Entschuldigung, die der Mittelfeldspieler Löw erst per Pressemitteilung, dann via Telefon und anschließend in einem persönlichen Vier-Augen-Gespräch in Frankfurt übermittelt hatte, waren die Dissonanzen angeblich ausgeräumt.

"Habe niemanden attackiert"

Vor dem Spiel gegen England hatte Löw zudem vor versammelter Mannschaft extra noch einmal erklärt, warum Ballack trotz seiner über die Medien verbreiteten Kritik am Bundestrainer ungeschoren davongekommen war.

Doch Ballack lässt im Machtkampf mit Löw nicht locker. Von den Inhalten seiner Entschuldigung will der England-Legionär knapp einen Monat nach dem Friedensgipfel nicht mehr viel wissen. Er bereue seine kritischen Aussagen nicht, erklärte er.

Zwanziger gibt sich gelassen

Dass Ballack nach seiner öffentlichen Kritik an Löw überhaupt weiter zum Kader der DFB-Auswahl gehört, hat er wohl alleine seinem sportlichen Stellenwert zu verdanken. Auch beim 1:2 gegen England wurde der DFB-Kapitän schmerzlich vermisst.

Zumindest offiziell relativ gelassen reagierte DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Ich werte die neuen Aussagen von Michael nicht als verbales Kräftemessen. Für mich ist das Thema mit dem Friedensgipfel erledigt", sagte Zwanziger der "Bild".

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