vergrößernverkleinern
Michael Ballack (l. mit Löw) wurde nach der EM 2004 in Portugal Kapitän der DFB-Elf © getty

Bundestrainer Löw deutet klarer denn je das Nationalelf-Aus von Michael Ballack an - und drückt ihm sein Mitgefühl aus.

München - Die Anzeichen auf das Ende von Michael Ballacks Länderspielkarriere werden deutlicher denn je.

Joachim Löw kündigt in der "Bild am Sonntag" ein "abschließendes Gespräch" mit dem DFB-Kapitän nach den noch ausstehenden Länderspielen vor der Sommerpause an.

"Wir haben uns intensiv ausgetauscht und Michael kennt meine Meinung", so Löw, der zugleich seinen Respekt für Ballacks Leistungen ausdrückte - und sein Mitgefühl für die jüngsten Entwicklungen:

Vor allem dafür, dass Ballack "zur WM nach Südafrika zur Mannschaft gereist war und dort "plötzlich das Gefühl" hatte, "dass er nicht mehr dazugehört". Es habe "lange gedauert, bis Ballack die Einsicht gewonnen hat, dass sich die Nationalmannschaft ohne ihn so gut entwickelt hat".

Völler hofft auf "versöhnliches Ende"

Ballack habe gespürt, "dass er in dem Moment kein Teil der Mannschaft war. Gerade für Michael war das nicht leicht, er war ja schon bei so vielen Turnieren dabei und der Mittelpunkt", erklärte Löw.

Der Bundestrainer hatte Ballack nicht für die DFB-Spiele gegen Uruguay (29.5.), Österreich (3.6.) und Aserbaidschan (7.6.) nominiert. Seit längerem hält sich das Gerücht, dass das Freundschaftsspiel am 10. August in Stuttgart gegen Brasiliens Ballacks Abschiedsauftritt werden soll.

Im SPORT1-Doppelpass äußerte sich Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nur sehr schmallippig zur Ballack-Personalie.

"Ich will dem Gespräch nicht vorgeifen", erklärte der ehemalige Teamchef. Er hoffe einfach "auf ein versöhnliches Ende" der Angelegenheit.

Löw warnt vor Euphorie

Löw dämpft derweil ein wenig Euphorie um Jungstars wie Mario Götze (Borussia Dortmund), Marco Reus (Borussia Mönchengladbach) oder Andre Schürrle (FSV Mainz 05).

"Götze ist ein Ausnahmetalent, die anderen Dortmunder, Schürrle, Reus, das sind alles gute Spieler. Aber die Frage ist: Wer schafft es bis an die Spitze? Es gab immer wieder große Talente, die aber den ganz großen Sprung nicht geschafft haben", warnte der 51-Jährige.

Der Maßstab seien Thomas Müller, Sami Khedira, Manuel Neuer und Mesut Özil, die im vergangenen Jahr bei der WM in Südafrika den internationalen Durchbruch geschafft hätten.

Löw: "Natürlich haben wir auch jetzt gute, junge Spieler. Aber ein gutes Bundesliga-Jahr reicht nicht, um internationalen Anforderungen gerecht zu werden. Ich sehe sie noch nicht auf dem europäischen Top-Niveau."

Kroos stagniert

Kritik übte Löw an Münchner Toni Kroos, der in der vergangenen Saison bei den Bayern seinen Entwicklungsprozess nicht wie erhofft fortgesetzt habe:

"Sie müssen jetzt Kontinuität beweisen und dabei zeigen, ob sie auf allerhöchstem Niveau mithalten können. Ein Toni Kroos etwa wurde wie auch Götze als Ausnahmetalent gehandelt. Aber seine Leistungen waren zuletzt nicht mehr so herausragend wie noch vor einem Jahr in Leverkusen."

DFB-Team zum Confed-Cup?

Löw kündigte an, dass Deutschland im Jahr 2013 am Confed Cup in Brasilien, der WM-Generalprobe, teilnehmen wolle.

Auch wenn eigentlich nur der Europameister von 2012 starten darf. Ein Winter-Trainingslager sei vorerst nicht geplant.

Nach Ende seines Vertrages als Nationalcoach (Laufzeit bis 2014) könnte sich Löw "einen Job als Vereins-Trainer gut vorstellen".

Im Hinblick auf das Lösen der EM-Tickets meinte der Nationalcoach: "Wenn wir jetzt die beiden Spiele in Österreich und Aserbaidschan gewinnen, haben wir die Tür zur EM sehr, sehr weit geöffnet. Dann müsste schon viel schieflaufen, damit wir uns nicht qualifizieren."

Löw will EM-Titel

Bei der EURO 2012 will Löw mit seinen Schützlingen den Titel holen. "Sicher gehen wir 2012 schon von Anfang an mit dem Ziel zur EM, den Titel zu gewinnen. Und ich habe im Moment ein sehr gutes Bauchgefühl", äußerte der Bundestrainer:

"Wer kommt momentan denn in unseren Bereich? Spanien, Niederlande? Ja! England, Frankreich, Italien, Portugal? Vielleicht! Aber wenn wir so spielen wie bei der WM und sogar noch ein Stückchen besser, dann wird es sehr schwer, uns zu schlagen. Das habe ich der Mannschaft auch so gesagt. Es muss in die Köpfe der Spieler, dass wir jetzt einen Titel gewinnen wollen."

Klose hat Chancen bei Heynckes

Löw kann sich im Übrigen vorstellen, dass Torjäger Miroslav Klose auch in der kommenden Saison beim FC Bayern bleibt:

"Jupp Heynckes plant, auch mal wieder mit einem 4-4-2-System zu spielen, also erhöhen sich Miros Chancen."

Er selbst habe zu Klose gesagt: "Geh nach deinem Gefühl, du bist jetzt lange genug dabei. Rede mit dem Trainer, frage, was er will. Und dann entscheide dich. Vielleicht auch nur für ein Jahr. Denn wenn du wirklich gut bist, wird dich keiner bei Bayern wegschicken."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel