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Joachim Löw ist Rekordtorschütze und Ehrenspielführer des SC Freiburg © getty

Michael Ballack hat keine Zukunft unter Löw. Phillipp Lahm könnte die Seite wechseln, Marco Reus und Benedikt Höwedes debütieren.

Vom DFB-Team berichtet Julian Meißner

Frankfurt - Bundestrainer Joachim Löw hat vor dem Warmup für die EM-Quali gegen Uruguay am Sonntag durchblicken lassen, dass es für Michael Ballack wohl tatsächlich keine Zukunft im DFB-Team mehr gibt und Kapitäns-Nachfolger Philipp Lahm ein Rollentausch blüht.

Das "abschließende Gespräch" mit Ballack, welches Löw erneut ankündigte, wird sich wohl allein um Form und Zeitpunkt des Abschieds des "Capitano" aus dem DFB-Team drehen.

Löw erklärte am Freitag in Frankfurt am Main, wo am Mittag auch die Nationalspieler eintrafen: "Wenn es etwas mitzuteilen gibt, und das wird so sein, dann werden wir das mitteilen." Dies wird wohl nach den anstehenden drei Partien geschehen.

Vor den beiden EM-Qualifikationsspielen in Wien gegen Österreich (3. 6.) und in Baku gegen Aserbaidschan (9. 6.) testet das DFB-Team in Sinsheim gegen Uruguay (So., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Lahm vor Seitenwechsel?

"Uruguay gehört zur absoluten Weltspitze", so Löw, der dem Siebten des FIFA-Rankings aus Südamerika "mit die besten Zweikampfwerte in der Welt" und eine "glänzende Offensive" bescheinigt.

Lahm, der vor der WM 2010 in Südafrika die Kapitänsbinde vom verletzten Ballack übernommen hatte, könnte in Zukunft wieder vermehrt auf der linken Abwehrseite auflaufen.

"Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich mich den Bayern anpasse, wenn Philipp Lahm wieder auf die linke Seite rückt", sagte Löw angesichts der Planungen des FCB, den Ex-Schalker Rafinha vom FC Genua als Rechtsverteidiger zu verpflichten.

"Mit Blick auf die EM im kommenden Jahr wäre es nicht ideal, wenn er dann alle drei oder vier Spiele wieder die Seite wechseln müsste", so Löw weiter.

Experimente zu erwarten

Lahm habe in der Vergangenheit zwar defensiv auf der rechten Seite besser gespielt, auf links aber offensiv "etwas spektakulärer" agiert.

Zunächst ist die Rochade des Münchners jedoch kein Thema. "Es geht nun darum, wieder Fahrt aufzunehmen und in die Gänge zu kommen", erklärte Löw.

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Die Neuauflage des Spiels um Platz drei bei der WM 2010 in Südafrika soll gemäß Löws Philosophie dazu dienen, neue Varianten zu auszuprobieren, aber vor allem auf die Qualifikation für das kontinentale Kräftemessen 2012 in Polen und der Ukraine einzustimmen.

Der dreimalige Europameister Deutschland führt die Quali-Gruppe A nach fünf Spielen verlustpunktfrei an und könnte schon jetzt einen weiteren Riesenschritt in Sachen EM-Ticket machen.

"Perfekter Abschluss"

"Wir können die Tür ganz weit aufstoßen", sagte Löw: "Mit zwei Siegen könnte man zufrieden in die Sommerpause gehen, das wäre der perfekte Abschluss einer langen Saison."

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Auch wenn Löw von drei Gegnern mit "unterschiedlicher Charakteristik" sprach, kündigte er für das "Aufwärmprogramm" gegen Uruguay an: "Wir wollen nicht auf Sand trainieren, wenn wir auf Rasen spielen."

Große Hoffnungen für die Zukunft setzt der Nationalcoach in Mönchengladbachs Offensivallrounder Marco Reus, der nach zwei verletzungsbedingten Absagen vor seinem Debüt im DFB-Dress steht.

Der 21-jährige Shootingstar hatte seine Borussia mit dem Treffer zum 1:1 im Relegationsspiel beim VfL Bochum am Mittwoch vor dem Abstieg gerettet.

Reus: Messi als Vorbild

"Marco hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Gladbach in der Liga bleibt", erklärte Löw und charakterisierte Reus als "frech, zielstrebig, dribbelstark und kaltschnäuzig vor dem Tor".

Es sei im Fußball der Gegenwart wichtig, Spieler in den eigenen Reihen zu haben, die im Eins gegen Eins die Entscheidung suchen, meinte Löw und nannte Barcelonas Superstar Lionel Messi als Beispiel.

Reus darf sich laut Löw ebenso Hoffnungen auf einen Einsatz am Sonntag gegen Uruguay machen wie Schalkes Benedikt Höwedes.

Auch Höwedes vor Debüt

"Er ist körperlich stark, schnell, hat gute Zweikampfwerte und ein gutes Kopfballspiel", erklärte Löw die Vorzüge des Neulings im DFB-Team, der von Löws Anruf überrascht war und kurzfristig seinen Urlaub absagen musste.

Nach den verletzungsbedingten Absagen von Bastian Schweinsteiger (Zehenbruch) und Sven Bender (Knie-OP) hatte Löw den Verteidiger des Pokalsiegers für den kompletten Länderspieltrip nachnominiert.

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Christian Träsch und Toni Kroos dürften für Schweinsteiger und den angeschlagenen Sami Khedira das defensive Mittelfeld - einst Ballacks Revier - gegen die "Urus" um Atletico Madrids Superstar Diego Forlan bilden.

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