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Benedikt Höwedes (r., mit Toni Kroos) bestritt für das U-21-Team bereits 22 Spiele © getty

Mit Reus und Höwedes stoßen weitere junge Talente zum DFB-Team. Der Bundestrainer prophezeit den beiden einen "langen Weg".

Vom DFB-Team berichtet Julian Meißner

Frankfurt/Köln - Der Vergleich war hoch gegriffen.

Man brauche im internationalen Geschäft Spieler, die dank ihres individuellen Könnens auch mal einen gegnerischen Verteidiger einfach stehen lassen, erklärte Bundestrainer Joachim Löw am Freitag.

Wie Lionel Messi. Oder Marco Reus.

Die beiden in einem Atemzug zu nennen, wirkt zwar auf den ersten Blick, gelinde gesagt, mutig, im Kern ist der Vergleich aber korrekt: Beide Spieler suchen den Zweikampf auf dem Weg zum gegnerischen Tor, beide sind in der Lage, auch mit dem Ball am Fuß höchstes Tempo aufzunehmen.

Löw warnt vor überzogener Euphorie

Nur, dass das Ganze bei Barcelonas Ausnahmespieler auf ungleich höherem Niveau passiert, und seit langen Jahren in steter Regelmäßigkeit.

Löw blickt jedenfalls ? auch ohne einen Messi in seinem Team ? optimistisch in die Zukunft. "Es gab Phasen, wo wir solche Spieler nicht hatten und ausschließlich über Kombinationen zum Erfolg kommen mussten", so der DFB-Coach, und Tempodribbler Reus sei da mit seiner großen Dynamik eine "gute Option".

Doch Löw warnte zugleich vor überzogener Euphorie. "Meine Messlatte, die liegt hoch, auch für die jungen Spieler", sagte er über die Anforderungen an einen Profi, der es auf lange Sicht in die deutsche Mannschaft schaffen soll.

Löw wird experimentieren

"Wir hatten noch nie eine Auswahl von zehn, zwölf überdurchschnittlich begabten jungen Spielern", so Löw, der momentan aus dem Vollen schöpft. Die Frage sei: Wer aus diesem Kreis schafft es in die internationale Spitze?

"Dieser Weg ist lang", sagte Löw, der auch im Test gegen Uruguay am Sonntag (So., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) seiner Linie treu bleiben und die Gelegenheit für personelle Experimente nutzen wird.

Höwedes ist "absolut motiviert"

Neben Reus machte Deutschlands oberster Fußballlehrer dem Verteidiger Benedikt Höwedes (23) Hoffnungen auf seinen ersten Länderspieleinsatz, der Schalker freute sich schon alleine über seine Nominierung.

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"Motiviert bin ich absolut", meinte der frisch gebackene Pokalsieger, der eilig seinen Urlaub absagen musste: "Ich kann nur versuchen, positiv auf mich aufmerksam zu machen."

Allein die Berufung jedoch bedeutet noch lange nicht, dass die beiden, die die Debütanten Nummer 46 und 47 in der Ära Löw darstellen, bereits oben angekommen sind.

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Vergleich mit Kroos

Es habe viele Talente gegeben, die dann aber in ihrer Entwicklung stagnierten und "den ganz großen Sprung nicht geschafft haben", hatte Löw schon vergangenes Wochenende in der "BamS" gesagt und vor einem Hype um Jungstars wie den Dortmunder Mario Götze gewarnt.

"Ein Toni Kroos etwa wurde wie auch Götze als Ausnahmetalent gehandelt. Aber seine Leistungen waren zuletzt nicht mehr so herausragend wie noch vor einem Jahr in Leverkusen", so Löw.

Es reiche eben nicht, eine gute Saison zu absolvieren, man müsse die Leistungen über einen langen Zeitraum bestätigen.

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Es kann schnell gehen

Reus, der wie die anderen DFB-Spieler am Freitagmittag in Frankfurt eintraf, dachte soweit noch nicht. Neben den Nachwirkungen der Gladbacher Feierlichkeiten hat der 21-Jährige weiter mit muskulären Problemen zum kämpfen. "Ich muss erstmal zum Doc und schauen, wie es aussieht", meinte er.

Wie schnell es aufs höchste Niveau gehen kann, hat man vergangenes Jahr in Südafrika gesehen.

Mesut Özil, Sami Khedira, Thomas Müller und Manuel Neuer nutzten die WM als Bühne, um den angesprochenen Sprung vom einem guten Spieler zu einem der Spitzenklasse zu vollziehen.

Reus sei Schürrle nicht unnähnlich

Und ob nun gleich Lionel Messi die Messlatte für die Neulinge in der Nationalmannschaft sein muss, ist fraglich.

Löw griff, bevor er den Argentinier erwähnte, zunächst auch zu einem anderen Vergleich, als er Reus' Qualitäten beschreiben sollte.

Andre Schürrle sei nicht unähnlich, fand der Bundestrainer.

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