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Mario Gomez absolvierte gegen Österreich sein 45. Länderspiel © imago

Mit seinen Treffern gegen Österreich besiegt Mario Gomez ein Trauma. Im Interview blickt er zurück auf eine schwere Zeit.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Wien - Vom "Deppen der Nation" zum Helden, oder zumindest zum Matchwinner.

Der Fußball schreibt verrückte Geschichten, und die neueste ist die von Mario Gomez.

Vor drei Jahren brachte er im EM-Gruppenspiel in Wien den Ball aus kürzester Distanz nicht im Tor unter und wurde von den Fans über Jahre verhöhnt.

Am Freitagabend fiel ihm der Ball im selben Stadion auf den Fuß und er stocherte ihn ins Tor.

Und nach dem Motto "wenn es läuft, dann läuft?s" köpfte Gomez in der 90. Minute auch noch den Siegtreffer zum 2:1 gegen Österreich und sorgte mit seinen Länderspieltreffern 17 und 18 dafür, dass die deutsche Nationalmannschaft die Teilnahme an der EM-Endrunde im kommenden Jahr so gut wie sicher hat. (Spielbericht: Gomez rettet DFB-Team)

Im Interview schildert Mario Gomez seinen entscheidenden Treffer zum 2:1, spricht über seine große Erleichterung und blickt voraus auf das Spiel in Aserbaidschan.

Frage: Herr Gomez, schildern Sie doch bitte kurz Ihren Treffer zum 2:1.

Mario Gomez: Ich hatte spekuliert, auf den zweiten Pfosten zu gehen. Als der Ball in der Luft war, dachte ich schon: Geil! Fußball ist verrückt. Ich bin wirklich froh. Ich wollte das Ruder herumreißen und ich habe es geschafft.

Frage: Fanden Sie es erstaunlich, wie stark Österreich war?

Gomez: Nein, nicht erstaunlich. Sie wollten ihre letzte Chance nutzen und waren besonders motiviert. Dass sie gute Fußballer haben, wussten wir. Ich kenne ja David Alaba vom FC Bayern und weiß, dass er ein ganz toller Spieler ist. Es war sicherlich nicht alles gut heute. Am Ende müssen wir froh sein. Der Trainer wird das Spiel aufarbeiten, wir werden es analysieren.

Frage: Haben Sie an die Szene aus dem Spiel bei der EM 2008 gedacht oder hat Sie es gar belastet, nach Wien zurückzukehren?

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Gomez: Ich hatte keine Angst, auch nicht in diesem Stadion. Ich habe nicht so sehr oder eigentlich zu keiner Zeit an das Spiel damals gedacht, einmal, als der Ball über der Linie war, dann schon. Wenn der Ball über die Linie rollt, genau in dem Tor, wo vor drei Jahren dieses Missgeschick in der Nationalmannschaft passiert ist, dann wird man natürlich etwas emotional. Dann hört man schon ein paar Steine fallen.

Frage: Hatten Sie nach vergebenen Chancen manchmal Zweifel?

Gomez: Ich bin Stürmer und schieße pro Spiel wahrscheinlich am häufigsten aufs Tor, und dann schießt man auch am häufigsten daneben. Da werden immer Spiele kommen, wo einer sagt, den muss er doch rein machen. Aber ich weiß, dass die Chancen immer wieder kommen. Ich habe immer weiter gemacht und heute wurde ich dafür belohnt.

Frage: Wie sehen Sie Ihre Zeit in der Nationalmannschaft seit 2008 und wie sehen Sie Ihre Chancen, Stürmer Nummer eins zu sein?

Gomez: Es war eine schwere Zeit für mich. Es ist auch nicht so, dass ich es schon komplett rumgerissen habe. Ich weiß, dass es erst zwei Spiele waren. Es muss weitergehen, dann hat der Trainer die Qual der Wahl. Ich möchte nicht durch eine Verletzung reinkommen.

Frage: Aber sie wollen Miroslav Klose verdrängen, oder nicht?

Gomez: Es gibt keine Kampfansage an Miroslav Klose. Das ist ein fairer Wettkampf, den wir uns schon seit Jahren im Verein und in der Nationalmannschaft liefern. Es ist doch schön, wenn der Trainer die Qual der Wahl hat.

Frage: Wie gehen Sie nach der langen Saison in das letzte Spiel?

Mario Gomez: Wir wollen das Spiel in Aserbaidschan gewinnen und das werden wir auch, wenn wir konzentriert sein werden. Danach können wir uns auf den Urlaub freuen.

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