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Thomas Müller (l.) und Toni Kroos blieben gegen Österreich unter ihren Möglichkeiten © imago

Beim DFB-Team überwiegt nach dem glücklichen Sieg in Österreich die Zufriedenheit. Löw vergibt trotz der schwachen Leistung Komplimente.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Wien - 47.500 Zuschauer, über die Lautsprecher hallte der Radetzkymarsch von Johann Strauss und ein rot-weiß-rotes Fahnenmehr wurde zackig im hin und her geschwenkt.

Die Atmosphäre im Wiener Ernst-Happel-Stadion hätte vor dem EM-Qualifikationsspiel zwischen Österreich und Deutschland kaum besser sein können. (413635DIASHOW: Die Einzelkritik)

Das Spiel allerdings schon - allerdings in erster Linie aus deutscher Sicht.(DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Obwohl die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw beim Außenseiter 2:1 (1:0) (Spielbericht und 413577Bilder) gewann, blieb der WM-Dritte gegen den 74. der Weltrangliste sehr viel schuldig.

"Das war ein glücklicher Sieg"

"Wir brauchen nicht lange diskutieren. Das war für uns ein glücklicher Sieg", gab Löw ohne Umschweife zu und sprach dem Gegner ein Lob aus: "Österreich war gut, hochmotiviert und gefährlich."

Während die Gastgeber den Takt des Armee-Marschs aufnahmen und mit viel Tempo Attacken in Richtung des deutschen Tores starteten, wirkte das deutsche Team über weite Strecken phlegmatisch und müde.

Kein Tempo, viele Fehler

"Tempospiel war heute nicht möglich", erklärte Löw. "Man spürt, dass die Spieler am Limit ihrer Kräfte sind nach der WM, Champions League und einer langen Saison. Doch man muss auch solche Spiele gewinnen."

Dass die deutsche Mannschaft am Ende als Sieger vom Platz ging, hatte sie in erster Linie Mario Gomez zu verdanken.

Der Stürmer vom FC Bayern knüpfte an seine starke Saison in der Liga an und erzielte kurz vor der Pause und in der 90. Minute die Treffer.

Ausgerechnet Gomez

Ausgerechnet Gomez, der seit seinem spektakulären Fehlschuss an gleicher Stelle im letzten Gruppenspiel der EM 2008 gegen Österreich einen der spektakulärsten Fehlschüsse der deutschen Fußballgeschichte abgegeben hatte und der seitdem im DFB-Team nie richtig in Tritt gekommen war.(INTERVIEW: Gomez: "Da hört man schon ein paar Steine fallen")

"Ich bin wirklich froh. Ich wollte das Ruder herumreißen und ich habe es geschafft", sagte Gomez, der aber dennoch nicht den Blick für die Realität verlor und feststellte: "Es war sicherlich nicht alles gut heute."

Österreich nutzt Chancen nicht

Nicht nur das fehlende Tempo, sondern auch die hohe Fehlerquote sorgte dafür, dass Österreich immer besser ins Spiel fand.

Die Gastgeber erkannten ihre Chance, wuchsen mit den enthusiastischen Fans im Rücken über sich hinaus, vergaßen dabei allerdings - und zum Glück für die deutsche Mannschaft - das Toreschießen.

"Wir wollten Österreich kommen lassen, weil wir wussten, dass sie im Aufbau Probleme haben", sagte Kapitän Philipp Lahm. "Wenn man dann aber zu weit weg von den Gegenspielern ist und nicht in die Zweikämpfe kommt, kriegt man Probleme."

Ein erfahrenerer und abgeklärterer Gegner hätte dem DFB-Team wohl mindestens zwei oder drei Tore eingeschenkt. So blieb es beim Eigentor durch Arne Friedrich in der 49. Minute.

Kompliment trotz schwacher Leistung

"Wir hatten diesmal nicht die spielerische Klasse und haben auch Fehler gemacht mit dem Ball, kein zielstrebiges Spiel, viele Fehlpässe", analysierte Löw, der während des Spiels wild gestikulierend seinem Ärger Luft gemacht hatte, nach dem Spiel aber keineswegs sauer wirkte.

"Letztendlich muss ich der Mannschaft noch ein Kompliment machen", lobte der Bundestrainer aber die mentale Stärke und Effizienz seines Teams.

"Wir haben fünf gute Spiele gemacht und klar gewonnen. Jetzt haben wir ein bisschen Glück benötigt. Wir haben 18 Punkte, das ist heute mal entscheidend."

Mit Sieg in Aserbaidschan fast sicher bei der EM

Mit einem Sieg am 7. Juni in Aserbaidschan kann die DFB-Auswahl die Teilnahme an der Europameisterschafts-Endrunde so gut wie perfekt machen.

"Unser Ziel ist in Aserbaidschan zu gewinnen", sagte Lahm. "Dann haben wir einen gewaltigen Vorsprung für die letzten Spiele und dann wird uns sicher keiner mehr aufhalten." (DATENCENTER: Gruppe A)

EM-Chancen wohl dahin

Österreichs Mannschaft, aus der Bundesliga-Legionäre David Alaba von 1899 Hoffenheim herausragte, hat hingegen trotz eines engagierten Auftritts kaum noch eine Chance auf Platz zwei, der zur Teilnahme an den EM-Playoffs berechtigen würde.

"Ich will nicht lesen, dass wir das bessere Team waren, sondern dass wir durch unnötige Tore verloren haben", meinte Stuttgart-Stürmer Martin Harnik.(PRESSESTIMMEN: "Am Ende jubeln die Deutschen")

"Wenn man die Chancen nicht nutzt, kann man eben nicht als Sieger vom Platz gehen", gab sich Kaiserslauterns Angreifer Erwin Hoffer, der eine Großchance ausließ, selbstkritisch.

"Am Ende siegen immer die Deutschen"

"Unverdient", anders könne man die Niederlage nicht bezeichnen, fand Kapitän Christian Fuchs von Mainz 05 und schloss. "Jetzt muss ich es auch einmal sagen: 'Am Ende siegen immer die Deutschen.'"

Die ÖFB-Kicker mussten sich damit begnügen, eins ihrer besten Spiele der letzten drei Jahre gemacht zu haben, ihren Fans blieb am Ende nur der Trost, einen äußerst stimmungsvollen Fußballabend erlebt zu haben.

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