vergrößernverkleinern
Friedrich, Lahm, Podolski und Klose (v.l.) sorgten auch nach der Heim-WM für Furore © getty

Beim EM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan sind Lahm, Friedrich und Podolski die letzten Verbliebenen der WM 2006.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Wien/Baku - Joachim Löw redete nicht um den heißen Brei herum.

"Stand heute spielt er keine Rolle", sagte der Bundestrainer.(DATENCENTER: EM-Qualifikation).

Gemeint war nicht Michael Ballack, sondern Robert Huth.

Der Abwehrspieler, der sein Geld bei Stoke City verdient und mit dem Premier-League-Klub im Mai im englischen FA-Cup-Finale stand, habe zwar "eine gute Saison gespielt", sagte Löw, machte dem 26-Jährigen aber zugleich keine Hoffnung auf eine Rückkehr in die Nationalmannschaft.

Abwehrduo bekommt Druck

Mit Holger Badstuber, Mats Hummels und Benedikt Höwedes verfügt der Bundestrainer über drei Alternativen für das Abwehrzentrum, in dem Per Mertesacker und Arne Friedrich bei der WM in Südafrika noch gesetzt waren, nun aber durch die Jungen Druck bekommen.

"Badstuber, Hummels und Höwedes werden noch einen Schritt nach vorn machen und sind Klasse-Innenverteidiger", meinte Löw.

"Wenn nichts passiert, spielt Huth daher keine Rolle mehr."

Umbruch nach Klinsmann

Genau betrachtet hat Huth beim Bundestrainer noch nie eine große Rolle gespielt.

Nur zweimal kam der England-Legionär in der Ära Löw zum Einsatz, zuletzt am 2. Juni 2009 beim 7:2 in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate.

[image id="b0070f5a-6476-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Unter Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann brachte es der Defensivmann auf 17 Länderspiele, das letzte war das 3:0 im Gruppenspiel der WM 2006 gegen Ecuador.

Doch das oft zitierte Sommermärchen liegt fast fünf Jahre zurück, der damalige Co-Trainer Löw hat seitdem die Mannschaft umgebaut und nicht nur Huth gehört mittlerweile nicht mehr zum DFB-Team.

71 Spieler kamen unter ihm seit 2006 zum Einsatz, 46 feierten ihr Debüt. "Die Auswahl an guten Spielern ist viel größer als bei meinem Amtsantritt", sagt er.

Daher kann er auf die Helden des Sommermärchens größtenteils verzichten.

Gespräch mit Ballack

Ballack, Torsten Frings, Jens Lehmann, Christoph Metzelder, Oliver Kahn und Bernd Schneider sind die prominentesten Vertreter der WM-Mannschaft von 2006, deren Zeit im Nationalteam abgelaufen ist.

Bei Ballack geht es allem Anschein nach nur noch darum, ob und wann er sein Abschiedsspiel im Trikot der Nationalmannschaft bekommt.

Frings, Lehmann und Metzelder werden definitiv nicht zurückkehren. Kahn und Schneider haben ihre aktive Karriere bereits beendet.

Ultimatum für Jansen

Aus dem Abwehrverbund von damals stehen nur Philipp Lahm und Friedrich im aktuellen Kader.

Mertesacker fehlt verletzungsbedingt, Marcell Jansen muss sich strecken, um die Rückkehr zu schaffen. Der Hamburger war zuletzt immer wieder von Blessuren geplagt.

"Genau das ist das Problem", sagte Löw.

Deshalb soll Jansen in der Sommerpause an seiner Fitness arbeiten "und dann eine Saison in Hamburg professionell durchziehen ? oder wir müssen auf ihn verzichten", stellte der Bundestrainer dem Linksfuß ein Ultimatum.

Marcel Schmelzer, Dennis Aogo und nicht zuletzt Lahm, falls dieser zurück auf die linke Seite wechseln sollte, sind Jansens Konkurrenten.

Schürrle macht Druck auf Podolski

Vom 2006er Mittelfeld ist, abgesehen vom verletzten Bastian Schweinsteiger, aktuell nur Lukas Podolski dabei.

Der Kölner spürt aber bereits den heißen Atem von Andre Schürrle, der einer der Shootingstars der abgelaufenen Bundesligasaison war.

Die damaligen Mitstreiter wie Sebastian Kehl, Tim Borowski oder Thomas Hitzlsperger haben gegen Youngster wie Sven Bender oder Christian Träsch keine Chance mehr.

Aus dem Sommermärchen-Sturm ist nur noch Miroslav Klose dabei.

Der fast 33-Jährige zog sich im Test gegen Uruguay eine Rippenprellung zu und musste tatenlos zusehen, wie Mario Gomez gegen Österreich mit zwei Toren der große Matchwinner war. (413635DIASHOW: Die Einzelkritik).

Klose bleibt gesetzt

Klose, der in der vergangenen Saison beim FC Bayern klar in Gomez' Schatten stand, verlässt die Münchner und wird wohl ins Ausland wechseln.

Im Gegensatz zu Robert Huth spielt der Angreifer, der am Mittwoch seinen 33. Geburtstag feiert, aber sehr wohl noch eine wichtige Rolle in Löws Planungen.

"Eigentlich hätte ich gegen Österreich gern in einem 4-4-2-System gespielt, weil ich das Gefühl hatte, mit Klose und Gomez wäre die Abwehr viel mehr zu beschäftigen gewesen", sagte der Bundestrainer in Wien.

In Baku waren am Dienstag Lahm und Podolski die letzten Verbliebenen der 2006er-Generation.

Friedrich saß nur auf der Bank.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel