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Andre Schürrle (M.) erzielte in Aserbaidschan sein 2. Länderspieltor © getty

Die deutschen Youngster beenden die Saison mit dem 7. Sieg in der EM-Quali. Der Bundestrainer lobt, der Kapitän spricht vom Titel.

Aus Baku berichtet Gregor Derichs

Baku - Mats Hummels stand im Schummerlicht des alten Tofiq-Bahramov-Stadion, das wie ein Märchenschloss von außen komplett mit Efeu überwuchert ist.

Seine Augen glänzten, der Dortmunder war endlich zu einem ernst genommen Bestandteil dieser deutschen Nationalmannschaft geworden.

"Das hat mich stark an unsere U21 vor zwei Jahren erinnert", sagte der Junioren-Europameister von 2009.

"Als Andre, Lewis und Mario kamen, waren extrem viel Junge auf dem Platz", erklärte der 22-Jährige und meinte die Einwechselspieler Schürrle, Holtby und Götze.

Es war kein Glanzstück, das die deutsche Nationalelf beim 3:1 (2:0) (Spielbericht) in Aserbaidschan bot, aber in Baku spielte die Zukunft des deutschen Fußballs auf.

Jagd auf Spanien beginnt

Sie soll bald Titel holen, darin sind sich alle, von Bundestrainer Joachim Löw bis zum letzten Ersatzspieler, völlig einig.

Möglichst schon in einem Jahr, wenn am 8. Juni die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine beginnt, will man Europameister Spanien vom Thron stoßen.

Aber spätestens bei der WM 2014 soll der Weltmeister von der iberischen Halbinsel gestürzt werden.

Löw stolz auf seine Mannschaft

"Die Mannschaft hat Großartiges geleistet", sagte Löw, als die letzte Dienstreise 24 lange Tage nach Abschluss der Bundesliga-Saison mit der Landung auf dem Rhein-Main-Airport der Lufthansa-Maschine beendet war (REAKTIONEN: Stimmen zum Spiel).

"Ich bin wirklich stolz auf sie und bedanke mich bei den Spielern, dass sie ein Jahr so gut mitgezogen haben."

Mit dem dritten Sieg im dritten Spiel innerhalb von elf Tagen hatte sie einen optimalen Schlussstrich unter eine beeindruckende Saison gezogen.

Acht Siege, drei Unentschieden und nur eine Niederlage (im Test gegen Australien) lautet die Bilanz im Jahr nach der WM 2010.

"Keine Power mehr da"

Es war ein letzter Kraftakt, den die müden Krieger gegen Aserbaidschaner vollzogen (415526DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Ich habe früh gemerkt, dass doch nicht mehr viel im Tank war. Ich hatte gedacht, es wäre mehr Power da", sagte Hummels, dem in seinem zweiten Pflichtspiel zunächst einige krasse Fehler unterlaufen waren (415527EINZELKRITIK: Aserbaidschan - Deutschland).

Holger Badstuber war der stabilere Innenverteidiger. Mesut Özil war lange nur ein lascher Mitläufer, aber wenigstens mit einigen Geniestreichen und seinem Treffer zum wichtigen 1:0 setzte er Zeichen.

[kaltura id="0_jjp21fd5" class="full_size" title="Ab in den Urlaub"]

Fast jeder hatte hart zu kämpfen, aber dabei taten sie wenigstens ihr Bestes.

DFB-Team stellt Rekorde auf

Es reichte aus, damit die deutsche Auswahl, ihres Zeichens Vize-Europameister und WM-Dritter, neue Rekorde aufstellte:

Sieben Erfolge in sieben Qualifikationsspielen hintereinander haben selbst die Welt- und Europameister-Generationen des DFB vorher nie erreichen können.

Zudem stand in Baku mit einem Durchschnittsalter von 23,45 Jahre die jüngste A-Nationalmannschaft auf dem Platz, mit der der DFB jemals ein Länderspiel begonnen hatte.

Manuel Neuer (25), Benedikt Höwedes (23), Dennis Aogo (24), Özil (22) und Hummels spielten vor zwei Jahren zur gleichen Zeit noch bei den DFB-Junioren in Schweden mit.

Badstuber (22), Schürrle (20), Holtby (20 und Götze (19) waren dafür noch zu jung.

"Es war ein komisches Gefühl, als Ältester auf dem Platz zu stehen, aber das zeigt wie viel Qualität wir in Deutschland haben", sagte der 27 Jahre alte Kapitän Philipp Lahm.

Vogts schwärmt und steht selber in der Kritik

Auch Berti Vogts schwärmte über die "Boy-Group": "Deutschland hatte noch nie so viele junge gute Topspieler."

Seine Tage als Nationaltrainer Aserbaidschans dürften bald zu Ende sein. Entweder geht es ganz schnell oder sein Vertrag zum Jahresende wird nicht verlängert.

Der ehemalige deutsche Bundestrainer hat sich total unbeliebt gemacht.

Und in Deutschland wird der ehemaligen DFB-Chefcoach in der Verbandschronik klar von Löw in den Schatten gestellt.

Vogts legte zwar in den 1990er Jahren großen Wert auf die Nachwuchsarbeit und schuf einige der heute greifenden Strukturen, doch als konsequenter Talentförderer ist Löw um einiges besser.

Nur noch der Titel zählt

Er besitzt einfach den Mut, neuen Leuten echte Chancen zu geben. Und damit soll der nächste Angriff folgen.

"Es ist völlig klar, dass es unser Ziel ist, Titel zu gewinnen", sagte Lahm.

Nur er und Lukas Podolski waren gegen Aserbaidschan aus dem Kader übrig geblieben, der an WM 2006 teilnahm.

Ab sofort beginnt das Projekt "Titel-Eroberung".

"Zu 98 Prozent qualifiziert"

"Wir sind zu 98 Prozent für die Europameisterschaft qualifiziert", sagte Löw.

Bereits gegen Österreich am 2. September in Gelsenkirchen könnte sein Team als erstes unter den 51 Qualifikanten die Endrunde erreicht haben. (DATENCENTER: Gruppe A)

Die Türkei müsste, um noch auf Platz eins zu kommen, ihre vier ausstehenden Partien alle gewinnen, die DFB-Elf ihre Partien gegen Österreich, Belgien und die Türkei durchweg verlieren.

Zeitnahes Gespräch mit Ballack

Und auch die Hängepartie um Michael Ballack könnte bald ein Ende haben.

"Es ist vereinbart, dass wir nach den Länderspielen ein Gespräch führen. Das wird jetzt zeitnah auch passieren", sagte Löw zur anstehenden Aussprache mit dem ehemaligen Kapitän.

Angeblich ging es bei den in den vorigen Monaten geführten Diskussionen zwischen Löw und Ballack darum, dass Ballack noch ein inoffizielles Abschiedsspiel erhalten könne, wenn er dies auch wirklich als Abschluss ansieht.

Als Termin wäre das Testspiel gegen Brasilien am 10. August zur Eröffnung des neuen Stuttgarter Stadions denkbar.

Ballack, so heißt es aus seinem Umfeld, sträubt sich. Er möchte noch die EM 2012 spielen und hält sich stark genug dafür.

Doch Löw nervt das dauernde Hickhack. Er will sich von seinem Titel-Projekt nicht mehr ablenken lassen.

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