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Das U-17-Team beim Besuch eines Waisenhauses in Mexiko © getty

Nach der Vize-Europameisterschaft steht für die DFB-Junioren nun die WM in Mexiko an. Minimalziel ist das Achtelfinale.

Von Christian Stüwe

München - Als das DFB-Team 1996 den letzten Titel einfuhr, spielte die Mannschaft um den überragenden Libero Matthias Sammer rustikalen, aber erfolgreichen Fußball.

Dass die Mannschaft von Trainer Berti Vogts damals in England Europameister werden konnte, lag vor allem an den Qualitäten der einzelnen Spieler.

Taktisch war die Mannschaft nicht mehr ganz auf der Höhe des Zeitgeistes, auch spielerisch konnte die Elf nicht immer überzeugen.

In den folgenden Jahren konnten diese Defizite nicht mehr durch herausragende Einzelakteure überdeckt werden, das DFB-Team erlebte den einen oder anderen Tiefpunkt.

Auch die Vize-Weltmeisterschaft 2002 konnte die Probleme des dreifachen Weltmeisters nicht überdecken.

Großer Aufschwung im Juniorenbereich

Doch die Verantwortlichen blieben nicht tatenlos. Die Jugendarbeit wurde intensiviert, moderne Trainingsmethoden und umfassendes Scouting im U-Bereich wurden eingeführt.

Entscheidenden Anteil daran hat der einstige Libero Sammer, der längst das Trikot gegen den Anzug getauscht hat und als Sportdirektor des DFB den Juniorenbereich koordiniert.

Mit Erfolg, in den vergangenen Jahren fuhren die DFB-Junioren mehrere Titel ein, als Highlight wurde die U-21-Europameisterschaft 2009 gewonnen.

Als Vize-Europameister nach Mexiko

Nun steht wieder ein Nachwuchs-Turnier an. Die U 17 tritt bei der Weltmeisterschaft in Mexiko zwischen dem 18. Juni und 10. Juli an, erster Gegner ist am Montag (22 Uhr) Ecuador.

Und der Mannschaft ist durchaus Einiges zuzutrauen, nachdem sie im Mai bei Europameisterschaft nach anfänglichen Schwierigkeiten durchstartete und sich erst im Finale den Niederlanden geschlagen geben musste.

Der Trainer der U-17-Junioren ist Steffen Freund, wie Sammer Teil der 1996er-EM-Truppe. (418786DIASHOW: Das ist die U 17)

"Dann werden wir sehen, was möglich ist"

"Es ist verständlich, wenn man den Vize-Europameister zu den WM-Favoriten zählt", sagt Freund im SPORT1-Interview (Zum Interview).

Aufgrund der Erfahrungen bei der EM, als die favorisierten Deutschen das Auftaktspiel verloren, im zweiten Spiel zurücklagen und auszuscheiden drohten, ist es für Freund aber ganz wichtig "am Boden zu bleiben".

Mit Ekuador, Panama und Afrikameister Burkina Faso hat das DFB-Team keine leichte, aber eine lösbare Vorrundengruppe erwischt, die Achtelfinalteilnahme ist das Minimalziel.

Sollten die DFB-Junioren dort bestehen, würde die Finalspiele immer näher rücken.

Eine Teilnahme daran wäre ein einzigartiges Erlebnis, denn das Spiel um Platz drei und das Endspiel finden im gigantischen und geschichtsträchtigen Azteken-Stadion in Mexico City statt.

Spielfreudig und kombinationsstark

Die Mannschaft hat dabei wenig gemein mit der kampfstarken Truppe von Freund und Sammer aus dem Jahre 1996.

Die aktuelle U 17 gilt als äußerst spielfreudig und kombinationsstark. Vielleicht sogar schon einen Tick zu viel.

"Manchmal sind unsere U-Teams fast zu verspielt, sie verschießen ständig Elfmeter, sie vergeben viel zu viele Chancen", sagte Sammer.

Torjäger Yesil: 13 Tore in 14 Spielen

Aber keine Frage: Die Mannschaft, in der die Spieler des Jahrgangs 1994 auflaufen, verfügt über einige große Talente.

Etwa Torjäger Samed Yesil von Bayer Leverkusen, der in 14 Länderspielen 13 Tore erzielte, oder Kapitän Emre Can, der in der kommenden Saison in der zweiten Mannschaft des FC Bayern München auflaufen wird.

Robin Yalcin vom VfB Stuttgart ist genauso zu nennen wie sein Vereinskollege, Torwart Odisseas Vlachodimos, für den Arsenal schon eine siebenstellige Summe geboten haben soll.

Der bekannteste Name läuft allerdings im defensiven Mittelfeld auf. Rani Khedira ist der jüngere Bruder des Real-Madrid-Stars Sami.

Viele Spieler mit Migrationshintergrund

Viele der Spieler haben einen Migrationshintergrund und setzen damit den Trend fort, den Spieler Cacau, Sami Khedira, Mesut Özil oder Jerome Boateng in der A-Mannschaft etabliert haben.

Bei der WM 2010 begeisterte das deutsche Team mit seinen temperamentvollen Auftritten die Welt, die Zeiten des "Rumpelfußballs" gehören längst der Vergangenheit an.

"Diese neue Spielkultur verdanken wir den Spielern mit Migrationshintergrund", gibt Sammer zu. (ZUM BERICHT: U 17 - Gelebte Integration)

Auch die U 17 soll in Mexiko wieder diese neue Spielkultur präsentieren: Hohe Laufbereitschaft, schnelle Kombinationen, aggressive Verteidigung.

Und wenn es Freund und Sammer gelingt, den Junioren auch ein wenig von der Siegermentalität der Europameistermannschaft von 1996 zu vermitteln, darf in der Tat Großes erwartet werden.

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