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Bundestrainer Joachim Löw (r.) findet warme Worte, aber keinen Platz mehr für Ballack. Dessen Karriere auf internationalem Parkett bleibt damit unvollendet - oft scheiterte "der ewige Zweite" nur ganz knapp vor dem großen Ziel
Der Vertrag von Jogi Löw (r.) beim DFB läuft bis zur WM 2014 © Imago

Die leidige Thematik um den Kapitän steht vor dem Abschluss. "Zeitnah" will Löw ein Gespräch und ihn endgültig verabschieden.

München - Zurzeit genießt Joachim Löw ein paar freie Tage in seiner Heimat Freiburg, nächste Woche will er gemeinsam mit seiner Frau Daniela in die Sonne düsen.

Zuvor soll und muss aber noch die Personalie Michael Ballack geklärt werden, die den deutschen Fußball seit einem Jahr in Atem hält.

"Wir haben bislang noch nicht miteinander gesprochen. Aber das Gespräch wird zeitnah stattfinden", sagte der Bundestrainer der "Bild":

"Es ist in unser aller Interesse, dass es jetzt bald eine Klärung gibt."

Abschiedsspiel gegen Brasilien?

Mit großer Wahrscheinlichkeit bietet Löw Ballack an, dass der 34-Jährige beim Länderspiel gegen Brasilien am 10. August in Stuttgart ein inoffizielles Abschiedsspiel bestreiten darf.

Ob Ballack, der sein 98. und bislang letztes Länderspiel am 3. März 2010 gegen Argentinien (0:1) absolviert hat, dieses Angebot annimmt, ist aber fraglich.

Dass er selbst in der Nationalelf keine Rolle spielt, wird Ballack aber allerspätestens zu Beginn des Monats gemerkt haben, als Löw in der EM-Qualifikation gegen Österreich und Aserbaidschan trotz großen Personalmangels im defensiven Mittelfeld auf Ballack verzichtete.

Und stattdessen Benedikt Höwedes oder Sebastian Rudy bevorzugte. (DATENCENTER: EM-Qualifikation Gruppe A)

Ballack in Miami

Ballack hatte von diesen Spielen nicht viel mitbekommen, da er im Urlaub mit Freunden in Miami weilte.

"Es war so abgesprochen zwischen uns, dass er nach einer für ihn nicht leichten Saison erst einmal Abstand bekommt", sagte Löw, der sich ein Jahr vor der EURO in Polen und der Ukraine ansonsten nicht verrückt machen lassen will.

Im Hinblick auf die EM will er sich bei seiner Kaderplanung genug Zeit lassen.

"Ich werde das nächste halbe Jahr nutzen, um weiter zu probieren und zu experimentieren. Natürlich gibt es einen festen Kern. Spieler wie Mertesacker, Lahm, Schweinsteiger, Podolski und Klose sind seit vielen Jahren feste Größen", erklärte er.

"Dazu kommen seit einem Jahr Özil, Khedira, Neuer, Müller und jetzt natürlich auch Gomez. Grundsätzlich glaube ich jedoch, dass im nächsten Jahr noch viel Bewegung in die Nationalmannschaft kommt."

[kaltura id="0_6h32xt84" class="full_size" title="L w begr t Kloses Wechsel"]

EM-Kader erst kurz vor dem Turnier fix

Deshalb wird der endgültige Kader erst kurz vor dem Turnier feststehen, stellte Löw klar.

"Ich bin weg von der Meinung, dass ich schon ein halbes Jahr vor der EM die Stammelf gefunden haben muss", sagte der Badener.

"Im Gegenteil, es ist sogar wahrscheinlich, dass im November gegen Holland im letzten Testspiel des Jahres eine andere Mannschaft aufläuft als später bei der EM. Ich weiß, dass die vier Wochen vor der EM die entscheidende Phase sind im Kampf um die Stammplätze."

Klose oder Gomez

Unter anderem beschäftigt den 51-Jährigen die Situation im Sturm, wo Bundesliga-Torschützenkönig Mario Gomez dem noch vor wenigen Wochen gesetzten Miroslav Klose den Platz streitig macht.

Klose, der schon bei Bayern München hinter Gomez ins zweite Glied gerückt war, will nach der Sommerpause bei Lazio Rom neu angreifen und seinen Stammplatz bei der DFB-Auswahl erfolgreich verteidigen.

"Mario Gomez ist bei Bayern nach der starken Saison gesetzt. Und für Miro ist es jetzt im Hinblick auf die EM wichtig, dass er spielt", kommentierte Löw den Wechsel des WM-Torschützenkönigs von 2006.

Systemwechsel möglich

Der Bundestrainer schloss nicht aus, dass die beiden Konkurrenten künftig zusammen auf Torejagd gehen:

"Es ist für mich eine Überlegung für die Zukunft, auch mit Mario und Miro zu spielen und ihnen gemeinsam in einem anderen System eine Chance zu geben."

Ferner machte sich Löw auch Gedanken über die künftige Rolle seines Kapitäns Philipp Lahm, der bei den Bayern wieder von der rechten auf die linke Seite der Viererkette wechseln könnte:

"Ich werde demnächst mit Jupp Heynckes sprechen, auf welcher Position er künftig mit Philipp plant. Es ist denkbar, dass ich mich an seine Entscheidung anpasse."

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