Ballacks Reaktion auf seine Entmachtung hätte stilvoller ausfallen können. Menschlich ist sie aber wenig verwunderlich.

Man kann es eine Retourkutsche nennen, vielleicht auch ein plumpes Nachtreten oder ein Revanchefoul:

Und natürlich mag mancher auf seinen Rauswurf aus der Nationalmannschaft auch anders reagieren als Michael Ballack, der dazu nun seinen Berater in die Spur schickte. (BERICHT: Ballack wütet gegen Löw)

Aber ist diese Reaktion rein menschlich nicht absolut verständlich?

Ist der Vorwurf der Scheinheiligkeit an die Adresse des Bundestrainers wirklich so schwer nachvollziehbar, wenn man als 98-facher Nationalspieler über ein noch hastig anberaumtes Abschiedsspiel endgelagert werden soll? (BERICHT: Diskretes Ende für den ehemaligen Leitwolf)

Eigentlich ist es das nicht.

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Ballack nun vorzuwerfen, er hätte als "Capitano" doch eine souveränere Reaktion zeigen müssen, er solle seine Entmachtung gefälligst mit Größe akzeptieren - all das greift zu kurz.

Selbst wenn man Ballack ankreiden kann, offenbar noch immer nicht ganz einzusehen, dass seine Zeit abgelaufen ist angesichts einer neuen und jüngeren Spieler-Generation, die ihn im Vorjahr bei einer furiosen WM keineswegs vermissen ließ:

Angesichts seiner großen Verdienste für den deutschen Fußball hätte er eine stilvollere, vor allem ehrlichere und nicht in Form einer monatelangen Hängepartie daherkommende Verabschiedung verdient gehabt. 29125(DIASHOW: Abschied des Unvollendeten)

Seine hochemotionale Reaktion auf das von Löw nun praktizierte Gegenteil hat deshalb nur bedingt zu tun mit Uneinsichtigkeit und Starrsinn eines alternden Stars, der die Zeichen der Zeit noch immer nicht erkannt hat.

Sie ist vielmehr Zeichen tiefster Verletztheit auf das unrühmliche Ende einer großen Karriere, in der Ballack immer alles für Schwarz-Rot-Gold gegeben hat.

Und Ballack wäre nie zu einem derart erfolgreichen Profi-Sportler geworden, hätte er sich gefügt und die Ellbogen angelehnt gelassen.

Genauso wenig hätte es zu Ballack gepasst, spätestens nach der neuerlichen Verletzung bei Bayer Leverkusen die Brocken doch bitte hinzuschmeißen, wie es viele seiner Kritiker gefordert hatten.

Nicht Ballack selbst hätte die Posse um seine Situation im DFB-Team beenden müssen, sondern Löw - nur eben viel früher als jetzt erst. (EINWURF: Richtig, aber zu spät)

Und auch ohne den Verweis darauf, Ballacks Ausbootung fuße quasi auf ein beiderseitiges Einvernehmen mit einem lange verabredeten Freundschaftsspiel.

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