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Theo Zwanziger ist seit Sommer 2006 alleiniger DFB-Präsident © getty

Sollte er den Rechtsstreit mit einem Journalisten endgültig verlieren, erwägt DFB-Präsident Theo Zwanziger sein Amt abzugeben.

Frankfurt/Main - Theo Zwanziger denkt über einen Rücktritt als DFB-Präsident nach.

Hintergrund ist der Rechtsstreit mit dem Journalisten Jens Weinreich.

Dieser hatte Zwanziger im Juli in einem Blog zur Vermarktung der TV-Rechte als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet.

Daraufhin hatte der DFB auf einstweilige Verfügung geklagt, war damit aber zweimal gescheitert.

Sowohl das Berliner Landgericht als auch das Kammergericht hatten die Aussage als "zulässige Meinungsäußerung" gewertet.

"Ernsthafte Erwägungen" bei Niederlage

Nun will Zwanziger Klage einreichen und im Falle einer Niederlage über persönliche Schritte nachdenken.

"Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses Amt weiterführe", sagte der 63-Jährige auf seiner Jahresbilanz-Pressekonferenz am Montag.

"Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Es wird ein Urteil geben. Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern."

Er sei aber sicher, "dass ich den Prozess gewinne".

Negativ bewertet Zwanziger auch den Streit in der Nationalmannschaft. Seine distanzierte Haltung im Konflikt zwischen Bundestrainer Joachim Löw, Manager Oliver Bierhoff und Kapitän Michael Ballack (Spielerporträt) verteidigte der DFB-Boss er aber mit deutlichen Worten.

"Bin nicht Schulmeister der Nationalspieler"

"Ich bin nicht der Schulmeister oder das Aufsichtsorgan für die Nationalspieler. Ich habe vor allem einen starken Bundestrainer, der klare Verhaltensregeln vorgibt", erklärte Zwanziger.

Auf der Bilanz-Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main machte er weiterhin deutlich: "Ich gebe gerne Ratschläge, aber in die sportliche Hierarchie werde ich öffentlich nicht eingreifen. Das ist nicht meine Art."

Zwanziger geht auch im nächsten Jahr nicht von einem völlig reibungslosen Umgang aus. "Konflikte wird es immer geben, und wenn sie dann genüsslich ausgeleuchtet werden, muss man damit leben", sagte der DFB-Boss (Chronik des Konflikts).

Gleichzeitig stärkte er Löw den Rücken:

"Seine Kompetenz und seinen Charakter schätze ich sehr. Mit seinem Team ist er für die WM 2010 in Südafrika auf einem guten Weg - auch wenn wir wissen, dass die Qualifikation für die WM-Endrunde weiter keine leichte Aufgabe ist."

Sportlich "überaus erfolgreich"

Sportlich sprach Zwanziger von einem "überaus erfolgreichen" Jahr 2008 und führte dabei vor allem Platz zwei des A-Teams bei der EM, Bronze für die Frauen-Nationalmannschaft bei Olympia in Peking sowie den Titel der U19-Junioren bei der EM in Tschechien an.

"Wir sind sehr stolz auf unsere Aushängeschilder und die Dichte an glänzenden Ergebnissen", sagte der 63-Jährige: "Ich glaube nicht, dass es einen anderen Verband in der Welt gibt, der ähnliches vorzuweisen hat." (Die DFB-Saisonanalyse)

"Stolz" macht Zwanziger auch der Durchbruch der Marke von 6,5 Millionen Mitgliedern. Zugleich will der Präsident keine Selbstzufriedenheit aufkommen lassen.

Er betonte den weiteren Einsatz beim Thema Integration:

"Es gibt zwei klare Bekenntnisse: Kein Doping und keine Diskriminierung. Der Fußball ist für jeden da, und es darf niemand ausgegrenzt werden. Einwände, der Verband dürfe nicht politisieren, lähmen mich nicht. Ich bin immer für Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit und Menschenwürde."

Neue Herausforderung

Ein weiteres Spannungsfeld sieht Zwanziger in Zukunft in Form der Finanzkrise auf den DFB zukommen. "Der Verband ist zwar stabil und verfügt über wirtschaftlich exzellente Grundlagen, aber die zu erwartende Rezession wird auch uns vor neue Aufgaben stellen", sagte Zwanziger (Alle DFB-News).

"Die Kluft zwischen reich und arm wird auch bei den Mitgliedern des DFB weiter auseinander gehen. In diesem Umfeld wird es eine schwere Aufgabe, trotzdem ein Zusammengehörigkeitsgefühl für alle zu schaffen."

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