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Samed "Gerd" Yesil spielt seit 2006 beim Bundesligisten Bayer Leverkusen © getty

Die U-17-Junioren dürfen weiter vom WM-Titel träumen. Der Viertelfinal-Erfolg gegen England kostet nicht nur den Trainer Nerven.

Morelia - Als der Zittersieg gegen den Erzrivalen nach 94 Minuten endlich feststand, fehlte den deutschen U-17-Junioren zum Jubeln schlicht die Kraft.

Kapitän Emre Can sank nach dem 3:2 (2:0) im Viertelfinale gegen England (Spielbericht) an der Mittellinie zu Boden und starrte ins Leere, Matchwinner Samed Yesil rief sofort seine Eltern an.

Nur an der Außenlinie wurde der große Erfolg sichtbar. DFB-Trainer Steffen Freund, wenige Augenblicke zuvor noch wie Rumpelstilzchen herum hüpfend, riss erst die Arme hoch und umarmte dann jeden, der in Reichweite war.

Die deutsche U-17-Auswahl sorgt bei der WM in Mexiko weiter für Furore und kämpfen in der Nacht auf Freitag in Torreon gegen Gastgeber und Turnierfavorit Mexiko um den ersten Finaleinzug seit 26 Jahren.

Überragende erste Stunde

"Es ist etwas ganz Besonderes, im Halbfinale gegen den Gastgeber vor ausverkauftem Haus zu spielen. Das wird ein Fußballfest", sagte Freund.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, verdanken die Deutschen einer überragenden ersten Stunde gegen England und einer Portion Glück in der Schlussphase.

Nach 53 Minuten schien das Spiel vor 16.020 Zuschauern in Morelia gegen die bis dato ungeschlagenen Engländer entschieden.

"Gerd" trifft zum 1:0

Der Leverkusener Samed Yesil verwertete eine traumhafte Hackenvorlage des Kölners Mitchell Weiser zum 3:0 und sorgte mit seinem fünften Turniertreffer für den Glanzpunkt in dem bis dahin ohnehin fulminanten Spiel der deutschen Mannschaft.

Unter den Augen des eingeflogenen DFB-Sportdirektors Matthias Sammer hatte Yesil schon nach sieben Minuten gezeigt, warum er in Anlehnung an Gerd Müller nur "Gerd" genannt wird, und traf zum 1:0.

Mit dem 2:0 belohnte der Schalker Kaan Ayhan (24.) die überragende Offensivleistung der DFB-Elf 418786(DIASHOW: Das ist die U17).

"Mittelfeld ist das Herz der Mannschaft"

"Das Mittelfeld ist das Herz unserer Mannschaft. Wir hatten das Spiel ziemlich gut im Griff", sagte Freund über sein Team, das sich auf der Busanreise mit der legendären Al-Pacino-Ansprache aus dem Film "An jedem verdammten Sonntag" heiß gemacht hatte.

Auf der Rückfahrt sangen sie für ihren Trainer lautstark "Ein Freund, ein guter Freund...".

Bruch nach klarer Führung

Nach dem 3:0 war es zum Bruch im deutschen Spiel gekommen.

Ohne den wegen Magen-Darm-Problemen ausgefallenen Abwehrmann Koray Günther (Borussia Dortmund) und mit einigen gesundheitlich angeschlagenen Spielern ging die Stabilität verloren

Vlachodimos sichert Sieg

Die Engländer bekamen durch einen verwandelten Foulelfmeter von Samuel Magri (67. ) Oberwasser und waren nach dem 2:3 von Hallam Hope (83.) endgültig zurück im Spiel.

Freund hielt es nicht mehr auf seinem Stuhl, am Ende konnte er sich nach vier Minuten Nachspielzeit bei Keeper Odisseas Vlachodimos (VfB Stuttgart) bedanken.

"Das Spiel war eine wertvolle Erfahrung. Jetzt sind wir unter den besten vier Mannschaften der Welt", sagte Freund.

Spiel im Azteken-Stadion sicher

Sein Team hat mit dem Halbfinaleinzug ein Spiel im legendären Azteken-Stadion von Mexiko-Stadt sicher.

Und das Spiel um Platz drei soll es laut Trainer Freund nicht sein: "Das große Finale zu erreichen, wäre die Krönung für eine überragende Leistung bei dieser WM."

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