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Theo Zwanziger ist seit 2004 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes © getty

DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht bei SPORT1 über die WM-Vergabe an Katar. Zudem geht er auf mögliche Abwerbeversuche ein.

Aus Frankfurt berichtet Mathias Frohnapfel

Frankfurt/Main - Bei der WM in Katar die Partien im Modus dreimal 30 Minuten auszutragen, diese Idee hält Theo Zwanziger schlicht für "Quatsch".

Aus Sicht des DFB-Präsidenten dürfte das in etwa so sein, als ob jemand vorschlagen würde, die Tore doch um einen Meter zu erhöhen.

Weit ernster ist dem 66-Jährigen indes die Frage, ob bei der WM-Vergabe an den Wüstenstaat alles korrekt verlaufen ist.

Im SPORT1-Interview spricht Zwanziger darüber und den jüngsten Erfolg des DFB-Nachwuchses.

Die U 17 hat sich bei der WM in Mexiko Platz drei geschnappt und wurde von Zwanziger prompt zu "Weltmeister der Herzen" erkoren (BERICHT: "Ihr seid Weltmeister der Herzen").

SPORT1: Herr Zwanziger, Sie dürften als DFB-Präsident mit der Leistung der U 17 in Mexiko trotz der WM-Halbfinalniederlage sehr zufrieden sein, oder?

Theo Zwanziger: Absolut. Die unglückliche Halbfinal-Niederlage gegen Mexiko ist zwar sehr schade, aber zum Sport gehören nun mal auch Niederlagen. Was aber viel wichtiger ist: Das sympathische Gesamtbild der Mannschaft, welches sie bei diesem Turnier auf- und neben dem Platz abgegeben hat, ist großartig. Das Team ist WM-Dritter geworden und besteht nicht nur aus starken Individualisten, sondern hat auch einen tollen Mannschaftsgeist. Das ist für so junge Spieler ungewöhnlich. Ich kann daher nur allen ein großes Kompliment machen, die die Talente in ihren Klubs und beim DFB so ausgebildet haben.

SPORT1: Von den Junioren-Nationalspielern gab es extrem viel Lob für Steffen Freund. Was zeichnet ihn als Trainer aus?

Zwanziger: Er hatte schon als Spieler einen guten Ruf und hat auf dem Platz stets die richtige Einstellung, Leidenschaft und Biss verkörpert. Als Trainer hat sich das das nicht geändert, er lebt diese Einstellung seinen Spielern vor. Typen wie ihn brauchst du einfach. Pädagogik ist gefragt und es ist natürlich auch wichtig, den Spielern Persönlichkeitsbildung mit auf den Weg zu geben. Das hat Steffen Freund großartig geschafft.

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SPORT1: Wie schwer wird jetzt der Aufstieg der Jugendspieler in Richtung Bundesliga?

Zwanziger: Der Weg in die Bundesliga geht über die Vereine, dort müssen sie sich durchsetzen. Die Spieler dürfen nicht glauben, dass sie schon am Ende ihrer Entwicklung stehen. Sie müssen stattdessen noch weiter viel arbeiten. Jeder muss auch ans Team denken und Geduld mitbringen. Da muss man später auch bereit sein, sich mal im Profi-Team auf die Bank zu setzen.

SPORT1: Was ist für diese Talente überhaupt möglich?

Zwanziger: Es sind so viele gute Spieler dabei. Wenn sie in ihren Familien den richtigen Rückhalt haben, gute und ehrliche Berater finden und mit beiden Beinen am Boden bleiben, dann werden wir einige von ihnen sicher in ein paar Jahren in unserer A-Nationalmannschaft wiedersehen.

SPORT1: Andere Verbände schielen schon auf die deutschen Spieler mit Migrationshintergrund. Wie zuversichtlich sind Sie, dass der DFB Emre Can und Co halten kann?

Zwanziger: Erstmal möchte ich betonen, dass das alles deutsche Staatsbürger sind. Wenn der DFB ihnen Respekt entgegenbringt, dann werden sie sich immer mehr dem Land zuwenden, indem sie leben und ihre Freunde haben. Ich will aber auch, dass keiner der Jungs seine Tradition vergisst. Wir dürfen niemanden überfordern und akzeptieren die Wurzeln jedes Einzelnen. Und wir akzeptieren auch, wenn ein Spieler sich schlussendlich anders entscheidet.

SPORT1: Ein Themenwechsel: Zur WM 2022 in Katar gab es jetzt eine waghalsige Spekulation. Es könnte im Rhythmus 3 x 30 Minuten gespielt werden, damit man die Stadien besser kühlen kann. Ist eine solche Regeländerung für Sie denn vorstellbar?

Zwanziger: Nein, ganz und gar nicht. Es wird ehrlich gesagt im Sommerloch viel Quatsch verbreitet. Man sollte Fußball so spielen, wie die Regeln sind: zweimal 45 Minuten und nichts anderes.

SPORT1: Über die WM-Vergabe gab es auch in FIFA-Kreisen Diskussionen. Denken Sie, dass die WM in Katar endgültig fix ist?

Zwanziger: Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe mit FIFA-Präsident Sepp Blatter zu diesem Thema bereits gute Gespräche gehabt. Ich habe ihm gesagt, dass wir verpflichtet sind, den fußballbegeisterten Menschen auf der ganzen Welt klar zu machen, dass eine WM-Vergabe sauber sein muss.

SPORT1: Was heißt das konkret?

Zwanziger: Man kann jede Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie dem persönlichen Geschmack nicht entspricht. Wichtig ist, dass man weiß, dass die Entscheidungsträger nach ihrem Gewissen und ohne Ansätze von Korruption entschieden haben. Die Fußball-Weltmeisterschaft braucht diese Legitimation.

SPORT1: Und wie sieht das weitere Vorgehen aus?

Zwanziger: Es gibt eine klare Zeitplanung. Erstens muss abgewartet werden, wie die Ethik-Kommission der FIFA entscheidet. Dann wird man sehen, welche Schritte gegebenenfalls noch eingeleitet werden müssen. Mein Eindruck ist: Sepp Blatter achtet stark darauf, dass eine solche Entscheidung von allen Makeln befreit werden muss.

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