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Matthias Sammer ist seit April 2006 Sportdirektor des DFB © getty

Der DFB-Sportdirektor kritisiert die Medien scharf und hält Silvia Neid vor, die wisse gar nicht, warum sie in der Kritik stehe.

Von Christian Akber-Sade

München - DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ist der Kragen geplatzt.

Der frühere Dortmunder Meistertrainer hat den öffentlichen Umgang mit dem erfolgreichen Auftritt der U-17-Nationalelf bei der WM in Mexiko kritisiert und auch vor Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid nicht halt gemacht. (431869DIASHOW: Tops und Flops der Frauen-WM))

In Bezug auf die im Halbfinale gegen den Gastgeber ausgeschiedene Juniorenauswahl sieht Sammer vor allem die Ausbildung durch den DFB von den Medien zu wenig gewürdigt.

"Da habe ich einen Wutanfall bekommen"

"Nach dem U17-Sieg gegen England schreiben viele von Ihnen: 'Sie jubeln wie die "Bruchweg-Boys"'. Da habe ich einen Wutanfall bekommen", sagte Sammer in einem forschen Tonfall bei einer Pressekonferenz zum Trainer-Lehrgang in der Hennes-Weisweiler-Akademie:

"Erstens sind die Bruchwegboys nur Fünfter geworden. Und sollten wir nicht darüber reden, wie diese Spieler dort hingekommen sind, was sie dafür gemacht haben, wie sie gearbeitet haben?"

Sammer stört sich daran, dass sich die Öffentlichkeit aus seiner Sicht dem Blick für das Elementare im Fußball verschließt.

Sammer fehlt Ernsthaftigkeit

Es würde nur noch von den "modernen Methoden" gesprochen, statt sich auf das wesentlichen Tugenden zu besinnen. Auch die Trainerausbildung würde nicht mehr richtig ernst genommen.

"Das ist ja so wie mit den Sportdirektoren im Moment. Wenn du 200 Bundesligaspiele hast, wirst du Sportdirektor", kritisiert der Europameister von 1996 die Entwicklungen im Profi-Fußball.

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"Neid steht in der Kritik und weiß nicht, warum"

Dann knüpfte sich Sammer die im Viertelfinale der Heim-WM ausgeschiedenen DFB-Damen vor und nahm insbesondere Silvia Neid ins Visier (Bericht: Prinz rechnet mit Neid ab).

"Ich habe sie immer bewundert für ihre Stringenz und Geradlinigkeit. Da war Fußball und nur Fußball. Dann haben sie sich irgendwann beschwert, dass da zu wenig Öffentlichkeit ist", sagte Sammer über die deutschen Fußball-Frauen:

"Jetzt haben sie nur noch Öffentlichkeit gehabt und merken plötzlich, dass sie alle Mechanismen der Öffentlichkeit beantworten müssen. Und da ist eine Bundestrainerin, die in der Kritik steht, und sie weiß gar nicht, warum."

Zwanziger steht hinter Neid

Die deutschen Titelverteidigerinnen und Neid waren nach der enttäuschenden 0:1-Niederlage nach Verlängerung gegen den späteren Weltmeister Japan in die Schusslinie geraten.

Neid hatte kurzzeitig einen Rücktritt nicht ausgeschlossen, sich dann aber doch für einen Verbleib in ihrem Amt und damit für den Start in die Europameisterschaftsqualifikation mit dem Team entschieden.

DFB-Präsident Theo Zwanziger, der sich zuletzt demonstrativ hinter Neid stellte, wollte am Donnerstag Sammers Aussagen nicht kommentieren.

Scharfe Kritik an Schröder

Zuvor hatte Zwanziger Neids Kritiker attackiert, vor allem Trainer Bernd Schröder von Meister Turbine Potsdam und Manager Siegfried Dietrich von Pokalsieger 1. FFC Frankfurt (Schröder-Kolumne: "Japan ist ein verdienter Weltmeister").

"Was gemacht wurde, ist kontraproduktiv. Und es ist respektlos gegenüber einer Trainerin, die so erfolgreich war. Das gehört sich einfach nicht", sagte der DFB-Boss, der mit den beiden in Kürze ein klärendes Gespräch führen will.

SPORT1-WM-Kolumnist Schröder will von einer Entschuldigung, wie sie von Zwanziger gefordert wird, aber nichts wissen und warf ihm "schlechten Stil" vor.

"Sie hat mich lächerlich gemacht"

"Ich sehe derzeit keinen Anlass dafür. Silvia Neid muss selbst die Frage nach Ursache und Wirkung beantworten. Sie hat mich vor Wochen lächerlich gemacht", sagte der Coach:

"Ich bin aber gerne bereit, unter vier Augen mit ihr zu reden - ohne dass davon etwas an die Öffentlichkeit kommt."

Ob Neid mit Schröder sprechen will, ist allerdings mehr als fraglich. Schließlich griff der Trainer die 47-Jährige in der Zwischenzeit erneut an und warf ihr vor, den deutschen Frauenfußball "beschädigt" zu haben:

"Wir sind bei der WM ausgeschieden, wir haben Olympia in den Sand gesetzt. Aber wir haben alles richtig gemacht und nur ein Spiel verloren? Wenn ich so etwas höre, dann muss ich ganz ehrlich sagen: Armes Deutschland!"

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