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Neymar (r.) gab vor fast genau einem Jahr sein Nationalmannschafts-Debüt unter Menezes © getty

Brasilien will sich für die Blamage bei der Copa America rehabilitieren. Der Trainer steht unter Druck, sein Star wird gejagt.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Stuttgart - Die Mannschaft hat ihre Fans enttäuscht, ihr Trainer steht nach einer total verkorksten Copa America unter Druck, und ihr Superstar wird gejagt.

Drei Jahre vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land befindet sich Brasiliens Nationalmannschaft im Umbruch.

Das Spiel gegen die deutsche Auswahl (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist für die "Selecao" eine wichtige Standortbestimmung.

Für ihren Coach Mano Menezes, dessen Dienstantritt am Mittwoch genau ein Jahr zurückliegt und der in dieser Zeit 60 Spieler testete, geht es vielleicht sogar schon um seinen Job.

"Mit Druck muss jeder umgehen"

"Ich hoffe, dass wir aus dem Spiel einen positiven Eindruck mitnehmen und anschließend einen Schritt weiter sind", sagte Menezes am Dienstag nach dem Abschlusstraining in der Mercedes-Benz-Arena.

Er sei sich des auf ihm lastenden Drucks bewusst, "damit muss aber jeder Trainer umgehen", meinte der 49-Jährige, der eher einem Hollywood-Schauspieler aus einem Polit-Thriller ähnelt als einem Fußballlehrer.

Hoffnungsträger Neymar

Sein momentan wohl prominentester Spieler sieht aus wie ein Popstar oder Rapper: gefärbter und hochfrisierter Irokesenschnitt, Ohrring, Kette.

Neymar ist ein Hingucker, auch auf dem Platz. Unberechenbar, dribbelstark und torgefährlich.

Beim Gewinn der Copa Libertadores mit dem FC Santos deutete der 19-Jährige im Juni an, dass er ein Nachfolger der Santos- und Brasilien-Legende Pele werden könnte.

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Doch nur einen Monat später legte er mit der Nationalmannschaft eine der größten Pleiten der vergangenen Jahre hin. Bei der Copa America in Argentinien blamierte sich Brasilien bis auf die Knochen.

Blamage in Argentinien

Beim Viertelfinal-Aus gegen Paraguay scheiterten vier brasilianische Spieler im Elfmeterschießen.

"Wir haben gegen Paraguay neun glasklare Torchancen herausgespielt. Hätten wir eine davon verwandelt, würden wir heute über unsere großartige Leistung und nicht über vier verschossene Elfmeter sprechen", spielt Menezes die Schwächen seiner Mannschaft herunter.

[kaltura id="0_mo6ymaso" class="full_size" title="Zwischen Messi und Hotel Mama"]

Desolate Torausbeute

Die schlechte Chancenverwertung ist aber momentan ein riesiges Problem der "Selecao", die früher große Torjäger wie Pele, Romario oder Ronaldo in ihren Reihen hatte.

Neymar traf in 139 Spielen für Santos schon 70 Mal, Brasiliens U 20 schoss er Anfang des Jahres mit neun Toren zum Sieg bei der Südamerika-Meisterschaft, doch in Menezes' Team konnte der schmächtige Techniker die Erwartungen bisher nicht erfüllen.

Pele hofft auf Steigerung

"Es war seine erste wirklich harte Feuertaufe. Hier in der 'Selecao' ist er noch nicht der König", sagte Menezez.

"Er ist ein exzellenter Spieler. Ich hoffe, dass er sein Leistungsvermögen ausschöpft", lautet Peles Meinung über seinen potenziellen Nachfolger, den es wie viele seiner Landsleute in eine europäische Liga zieht.

Wechsel nach Madrid nur eine Zeitfrage

Neymar wird seit Monaten von mehreren Spitzenklubs gejagt, sein Wechsel zu Real Madrid für kolportierte 45 Millionen Euro ist wohl nur noch nur eine Frage des Zeitpunkts.

Sein Vereins- und Nationalmannschaftskollege Ganso (21) wird vom AC Mailand umgarnt, was Brasiliens Trainer durchaus positiv sieht.

"Für einen Spieler ist es ein normaler Weg und eine Chance, sich sportlich und finanziell zu entwickeln. Die Fans verlieren ihre Stars, aber für mich als Trainer ist es positiv", findet Menezes.

Respekt vor Deutschland

Brasiliens Nationalmannschaft will gegen Deutschland die Blamage der Copa America vergessen machen und in eine erfolgreiche Zukunft starten.

"Wir müssen das Gute aus der Copa mitnehmen", betonte Neymar. Was das genau sei, verriet er nicht, wohl aber, dass er "großen Respekt vor der deutschen Mannschaft" habe.

"Sieg muss Brasiliens Anspruch sein"

Mit einem Sieg könnte die "Selecao" die Fans in der Heimat zunächst einmal versöhnen.

"Wir wollen gewinnen", kündigte Menezes an. "Das muss der Anspruch einer brasilianischen Mannschaft sein.

Brasiliens voraussichtliche Aufstellung:

Julio Cesar/Inter Mailand (31/60) - Maicon/Inter Mailand (30/66), Lucio/Inter Mailand (33/103), Thiago Silva/AC Mailand (26/18), Andre Santos/Fenerbahce Istanbul (28/21) - Elias/Atletico Madrid (26/8) - Ramires/FC Chelsea (24/26) - Ganso/FC Santos (21/5) - Neymar/FC Santos (19/9), Pato/AC Mailand (21/16), Robinho/AC Mailand (27/89).

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