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Michael Ballack bestritt 19 Spiele für die deutsche U-21-Nationalmannschaft © getty

Statt sich beim Test gegen Brasilien ein letztes Mal bejubeln zu lassen, schiebt Ballack Frust. Bayer dementiert einen Abschied.

Aus Stuttgart berichtet Martin Volkmar

Stuttgart - Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt.

Diese bittere Erfahrung muss auch Michael Ballack auf der Zielgeraden seiner Laufbahn machen.

Denn der lange Jahre einzige deutsche Weltklassespieler hätte wohl gerne auf die warmen Worte seines ehemaligen Mitspielers Bastian Schweinsteiger verzichtet.

Vor dem ersten Länderspiel der EM-Saison gegen Rekord-Weltmeister Brasilien (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) drückte der Bayern-Profi sein Bedauern über das unrühmliche Ende von Ballacks Länderspiel-Karriere aus.

"Es ist schade, dass das alles so gelaufen ist. Michael hat sehr viel für den DFB geleistet. Speziell bei der WM 2002", sagte Schweinsteiger.

Damit machte er aber auch unbeabsichtigt deutlich, dass Ballacks glorreiche Zeiten lange zurück liegen.

Auslaufmodell bei Bayer

Nach seiner schweren Verletzung vor der WM 2010 hat der bald 35-Jährige nie mehr zu alter Stärke zurückgefunden, mittlerweile ist er nicht nur in der Nationalelf, sondern anscheinend auch im Verein ein Auslaufmodell.

Beim 0:2 der Leverkusener in Mainz lief sich Ballack eine halbe Stunde warm, Trainer Robin Dutt verzichtete aber trotz Rückstands auf einen Einsatz des Routiniers.

Beckenbauer: "Heute wird ein anderer Fußball gespielt"

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Beinahe vernichtend fiel danach das Urteil von Franz Beckenbauer aus. "Es gilt, ein anständiges Ende zu finden", sagte er bei "Sky".

"Heute wird ein anderer Fußball gespielt. Er passt nicht mehr in das Kurzpass-Spiel, das heute forciert wird."

Bayer dementiert sofortigen Abschied

Die Leverkusener Bosse sehen sich inzwischen sogar gezwungen, einen sofortigen Abschied Ballacks zu dementieren.

"Er hat bei uns einen Vertrag bis 2012. Sowohl Michael als auch wir sind dafür bekannt, unsere Verträge zu erfüllen", erklärte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser der "Sport Bild".

"Außerdem ist er ein wichtiger Spieler für uns. Er wird die Saison bei Bayer zu Ende spielen."

[kaltura id="0_rvfrj06w" class="full_size" title="L w Brasilien kann jeden schlagen"]

Danach aber, das hat der Großverdiener (angeblich 7,5 Millionen Euro Jahresgehalt) kürzlich selber eingeräumt, wird seine Bundesliga-Zeit nach dem Vertragsende im kommenden Sommer beendet sein.

Vielleicht wird er dann noch ein kurzes Gastspiel in den Operettenligen der USA oder der Arabischen Emirate geben. Neben zusätzlichen Millionen hätte er dort vor allem wieder einen Stammplatz sicher.

In der Nationalmannschaft hingegen hat Joachim Löw offenbar schon seit längerem an einem Verzicht auf den einst so dominierenden "Capitano" gearbeitet.

"Prozess seit 2008 im Gange"

"Dass Michael jetzt raus ist, empfinde ich nicht als Zäsur. Der Prozess ist schon seit 2008 im Gange", sagte der Bundestrainer in Stuttgart:

"Da haben wir bereits gesagt, dass sich Strukturen und Hierarchien ändern, dass die Mannschaft insgesamt Verantwortung übernimmt. Und ohne Michael hat die Mannschaft eine hervorragende WM und eine überzeugende EM-Qualifikation gespielt."

Löw braucht Ballack schon länger nicht mehr, doch erst im Juni machte er das auch öffentlich.

Dennoch hätte man dem 98-fachen Nationalspieler beim DFB gerne gegen Brasilien eine würdigen Abschied aus der deutschen Mannschaft gewährt.

Harte Attacken gegen den Bundestrainer

Doch stattdessen warf Ballack dem Bundestrainer in zwei Presseerklärungen in scharfem Ton vor, die Unwahrheit zu sagen. Er empfinde Löws Aussagen daher als "Gipfel der Heuchelei".

Seitdem herrscht Funkstille, entsprechend genervt reagierte der DFB-Chefcoach auf die Nachfragen.

"Unser, mein Standpunkt ist klar. Es hat sich nichts geändert und es wird sich auch nichts ändern", sagte er. "Darum gibt es dazu von mir nichts mehr zu sagen."

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