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Stürmende Brasilianer: Neymar (l., 19 Jahre) und Pato (21) © getty

Brasiliens Trainer Menezes setzt auf den Nachwuchs. Nur mit dem Toreschießen klappt es nicht. SPORT1 stellt die "Selecao" vor.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Stuttgart - Brasilien hat 195 Millionen Einwohner und unzählige Fußballer.

Und die erfolgreichste Nationalmannschaft hat das fünftgrößte Land der Erde ebenfalls.

Fünf Weltmeistertitel hat die "Selecao" gewonnen, von 1995 bis Januar 2007 stand sie - mit einjähriger Unterbrechung - an der Spitze der FIFA-Weltrangliste.

Aktuell befindet sich das Team jedoch im Umbruch. Bei der Copa America scheiterte Brasilien als Titelverteidiger im Viertelfinale. In der Weltrangliste steht man hinter Deutschland auf Platz vier.

Noch kein Sieg gegen einen Großen

Das Spiel gegen die DFB-Auswahl (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist für die Mannschaft von Trainer Mano Menezes ein Neustart und vielleicht schon so etwas wie die Weichenstellung für die Heim-WM in drei Jahren.

"Unsere Spieler brauchen die Erfahrung gegen Gegner dieses Niveaus", sagt Menezes, dem bisher noch keinen Sieg gegen eine große Fußballnation gelungen ist.

Gegen die Ex-Weltmeister Frankreich und Argentinien gab es ein 0:1, gegen Vize-Weltmeister Niederlande reichte es zu Hause nur zu einem 0:0.

60 Spieler getestet

60 Spieler, darunter 29 Debütanten, hat der Coach seit seinem Dienstantritt vor genau einem Jahr getestet. (BERICHT: Schauspieler auf der Bank, Popstar im Sturm)

Der Nachfolger des nach der enttäuschenden WM (Viertelfinal-Aus gegen die Niederlande) entlassenen Carlos Dunga gibt dem Nachwuchs eine Chance.

Gegen die DFB-Auswahl ist die "Selecao", die in 20 Länderspielen nur drei Mal gegen Deutschland verloren hat, dieses Mal eher Außenseiter.

Löw lobt individuelle Klasse

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Doch Bundestrainer Joachim Löw weiß um die Qualität der Südamerikaner.

Brasilien verfüge über so viele gute Fußballer wie kaum ein anderes Land, sagte Löw am Vortag des Spiels, die Mannschaft habe aber Defizite im taktischen Bereich.

"Sie haben 50 bis 60 individuell hervorragende Spieler. Dadurch machen sie Sachen wett, die sie als Mannschaft nicht so beherrschen", erklärte Löw und warnte davor, den Gegner zu unterschätzen: "Sie sind mit ihrer Klasse in der Lage, jede Mannschaft der Welt an einem guten Tag zu schlagen."

Jungstars müssen sich beweisen

Bei der Copa vertraute Trainer Menezes auf Jungstars wie Neymar (19), Ganso (21, beide FC Santos), die sein Vorgänger Dunga nicht mit zur WM genommen hatte und dafür von Fans und Medien scharf kritisiert wurde.

Trotz des Copa-Fiaskos in Argentinien hält Menezes an seinem Kurs fest und will mit einem guten Spiel in Deutschland in die Erfolgsspur finden.

SPORT1 stellt die "Selecao" nach Mannschaftsteilen vor.

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ANGRIFF:

Menezes setzt auf offensiven Fußball mit drei Stürmern. Das gefällt den Fans in der Heimat, war zuletzt aber nicht besonders erfolgreich.

Neymar, der ebenfalls noch sehr junge Alexandre Pato (21) vom AC Mailand und dessen Vereinskollege Robinho sollen für Tore sorgen. Das gelang ihnen zuletzt eher selten.

Unter Menezes erzielten die Brasilianer in 16 Spielen nur 12 Tore. Robinho, der in 89 Länderspielen 25 Tore erzielte, hat seit der WM überhaupt nicht mehr im Nationalteam getroffen.

"Der Torabschluss ist und war nie unser Problem", behauptete Menezes am Dienstag.

Als Alternativen im Sturm hat der 49-Jährige Fred (ehemals Lyon, jetzt Fluminense) und den unerfahrenen Jonas (Valencia).

MITTELFELD:

Hier sind die Brasilianer solide besetzt. Mehr aber auch nicht. In der Offensive soll der vom AC Mailand umgarnte Regisseur Ganso die Fäden ziehen, ansonsten ragt kaum jemand heraus.

Lucas (FC Sao Paulo, 18) ist ein weiteres Talent, das auch schon bei europäischen Vereinen auf dem Einkaufszettel steht, aber dem es naturgemäß an Erfahrung fehlt.

Für das Spiel gegen Deutschland nominierte Menezes erstmals Luiz Gustavo und lud zum zweiten Mal Leverkusens Renato Augusto ein.

Leiva gesperrt

Gustavo könnte den gesperrten Lucas Leiva (FC Liverpool) ersetzen, der bei der Copa gegen Paraguay Rot sah. Die Aufgabe des Bayern-Profis wäre es, den Ball nach vorn in Richtung Spitzen zu treiben und Ganso zu unterstützen.

Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass zunächst Elias (Atletico Madrid) und Ramires (Chelsea) die beiden Plätze hinter Ganso besetzen werden.

Renato Augusto will seine Chance nutzen und sich als Alternative hinter den Spitzen anbieten.

ABWEHR:

Abwehrchef und Kapitän Lucio ist die tragende Säule der Mannschaft. Der 33-Jährige hat fast alles gewonnen, was im Fußball zu erreichen ist und führt das junge Team an.

Neben Lucio dürfte gegen das DFB-Team Milan-Profi Thiago Silva zentral verteidigen.

David Luiz vom FC Chelsea laboriert an einer Sehnenentzündung im Knie und steht nicht im Kader.

Barcelonas rechte Seite

Auf den Außenbahnen verfügen die Brasilianer über mehrere Klassespieler.

Auf der linken Seite wird wohl Andre Santos von Fenerbahce Istanbul auflaufen.

Marcelo, der bei Real Madrid eine hervorragende Saison hinter sich hat, wird von Menezes nicht berücksichtigt. Er sei dem Coach zu offensiv, heißt es. Eine Argumentation, die angesichts der Besetzung auf der rechten Seite nicht ganz schlüssig ist.

Barcelonas Dani Alves und Maicon (Inter) machen auf rechts viel Druck nach vorn. Alves vergisst aber häufig seine Abwehraufgaben, Maicon ist außer Form.

TOR:

Im Kasten ist Inter Mailands Julio Cesar weiter die Nummer eins. Wahrscheinlich aber nur, weil ein anderer Klassekeeper momentan nicht in Sicht ist.

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