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Bastian Schweinsteiger (M.) erzielte in seinem 88. Länderspiel seinen 22. Treffer © getty

Brasiliens Coach Menezes nennt das deutsche Team als Vorbild. Joachim Löw freut der Konkurrenzkampf. Für "Poldi" wird es eng.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Thorsten Mesch

Stuttgart - Einen Moment lang lag staunender Unglauben über den Köpfen der Zuhörer.

Mano Menezes, Nationalcoach des fünfmaligen Weltmeisters Brasilien, hatte gerade die Gründe für die 2:3-Niederlage gegen Deutschland referiert. (Spielbericht)

"Die deutsche Mannschaft war klar besser und in allen Belangen überlegen", gab er offen zu und ergänzte:

"Die Qualität der deutschen Mannschaft ist über Jahre gewachsen. So weit sind wir leider noch nicht." (alles zur Gala des DFB-Teams auch ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Deutschland als Vorbild

Das hat es wohl noch nie zuvor gegeben: Dass ein brasilianischer Nationaltrainer davon spricht, dass die ruhmreiche "Selecao" gerne so Fußball spielen würde wie die DFB-Auswahl.

Entsprechend zufrieden war man beim Gastgeber über den ersten Sieg nach 18 Jahren über den WM-Gastgeber von 2014 und vor allem die phasenweise berauschende Vorstellung in der umgebauten Mercedes-Benz-Arena. 440144 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Der begeisterte DFB-Präsident Theo Zwanziger gratulierte dem Team zu später Stunde im Mannschaftshotel mit einer launigen Rede. "Das war ein Spiel, das man so selten sieht", freute sich der Verbandsboss.

Löw zufrieden, aber zurückhaltend

Auch Joachim Löw war die gute Laune an seiner ehemaligen Wirkungsstätte deutlich anzusehen, von Stolz wollte er aber auf SPORT1-Nachfrage nicht sprechen und versuchte auch sonst möglich sachlich zu bleiben.

Gleichwohl konnte der Bundestrainer nach der Gala nicht viele Kritikpunkte finden. "Es war ein Freundschaftsspiel auf hohem Niveau, gegen einen Gegner, der eine hohe Klasse hat. Es war taktisch eine gute Leistung", analysierte er:

"Unsere Mannschaft viel Lust und Freude, Engagement und Dynamik gezeigt hat. In vielen Aktionen wurde das Tempo hochgefahren, und es wurden schöne Tore erzielt."

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Gala von Götze

Sogar mit Lobeshymnen für den überragenden Mario Götze ("Ich habe jeden Moment genossen und bin einfach glücklich"), der nicht nur wegen seines Treffers zum 2:0 ein glänzendes Startelf-Debüt feierte und die Fans in Stuttgart zu Begeisterungsstürmen hinriss, hielt sich Löw zurück. (REAKTIONEN: Die Stimmen zum Spiel)

"Mario Götze hat eine außergewöhnliche Technik und eine außergewöhnliche Orientierungsfähigkeit. Er findet immer Lösungen. Es sind die einfachen Dinge, die ihn so stark machen", erklärte er zwar noch vor der TV-Kamera.

Doch in der anschließenden Pressekonferenz ging er fast gar nicht mehr auf den Dortmunder Shootingstar ein, sondern richtete den Blick vor allem auf das Kollektiv.

"Alle müssen sich beweisen"

"Ich bin froh, wenn ich 20 Topleute habe. Es ist gut, wenn schon die noch Jüngeren die Jungen unter Druck setzen. Alle müssen sich beweisen", sagte der DFB-Chefcoach.

"Es war mein Ziel, dass der Kader in der Breite an Qualität gewinnt. Ich bin froh, dass wir einen gesunden, guten Konkurrenzkampf haben. Das ist ein gutes Gefühl."

[kaltura id="0_bagf35u2" class="full_size" title=""Sind im Grunde besser als Brasilien""]

Das gilt nicht nur fürs Mittelfeld, wo dank Götze und dem in der Zentrale neben dem starken Torschützen Bastian Schweinsteiger ebenfalls überzeugenden Toni Kroos die Abwesenheit der Real-Stars Mesut Özil und Sami Khedira gar nicht ins Gewicht fiel. 440145 (DIASHOW: DFB-Elf in der Einzelkritik)

Auch in der Innenverteidigung spielten Mats Hummels und Holger Badstuber gegen Brasiliens Asse Neymar, Pato und Robinho fast fehlerlos, beide Gegentreffer entstanden aus individuellen Fehlern.

Träsch wohl keine Ideallösung

Lediglich der Platz auf der rechten Abwehrseite bleibt offen, nachdem Kapitän Philipp Lahm wieder nach links gerückt ist.

Am Mittwoch bot der Ex-Stuttgarter Christian Träsch, der lieber im defensiven Mittelfeld spielt, dort eine ordentlich Vorstellung. Die Ideallösung ist er aber wohl eher nicht.

Vorne dagegen hat der Bundestrainer ein Luxusproblem, vor allem im offensiven Mittelfeld herrscht ein Überangebot wie lange nicht. Nach jetzigem Stand spricht vieles für die Prognose von Matthias Sammer, dass bei der EM dort Özil, Götze und Thomas Müller spielen werden.

Podolski droht bei EM die Ersatzbank

Was im Umkehrschluss die Verbannung von Lukas Podolski auf die Ersatzbank bedeuten würde. Der abgesetzte Kölner Spielführer gehörte ausgerechnet in seinem 90. Länderspiel zu den schlechtesten deutschen Akteuren und wurde zur Halbzeit ausgewechselt.

Ersatzmann Andre Schürrle dagegen machte wie schon zuletzt mit einer engagierten Vorstellung Werbung in eigener Sache und traf zum 3:1.

"So ein Spiel gegen einen Top-Gegner auf höchstem Niveau tut jedem Spieler gut", sagte der 20-Jährige nach seinem dritten Tor im sechsten Länderspiel, vermied aber jede Kampfansage an Podolski: "Natürlich will man immer spielen, aber letztlich entscheidet der Trainer."

Doch da hinter Schürrle auch noch Marco Reus und Kevin Großkreutz auf ihre Chance lauern, könnte es für "Poldi" bis zur Endrunde in seinem Geburtsland Polen und der Ukraine eng werden.

Lahms Kampfansage an Spanien

Gut möglich, dass vom Sommermärchen 2006 bei der EM 2012 nur noch Lahm und Schweinsteiger in der Stammelf übrig bleiben. Dafür stehen die Chancen gut, dass es dann mit Löws Überfliegern ein echtes Sommermärchen gibt.

Lahm gab daher die eindeutige Devise vor: "Die Euphorie im Moment ist irgendwie auch berechtigt. Aber wir wollen endlich Spanien stürzen, wir sind zweimal an ihnen gescheitert."

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