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Mario Götze (r.) im Zweikampf mit den Brasilianern Dani Alves (l.) und Thiago Silva © dpa Picture Alliance

Mario Götze erntet nach seiner Gala gegen Brasilien viel Lob. Bundestrainer Löw freut sich über den Druck im Mittelfeld.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch und Martin Volkmar

Stuttgart - Als in der 88. Minute die Auswechsel-Tafel hochgehalten wurde, erhoben sich die meisten der mehr als 54.000 Zuschauer von ihren Sitzen und klatschten.

Sie klatschten, weil VfB-Profi und Stuttgarts Publikumsliebling Cacau gegen sein Heimatland noch ein paar Minuten spielen durfte.

Und sie klatschten für Mario Götze, den Spieler des Abends. (REAKTIONEN: Die Stimmen zum Spiel)

Götze verließ den Rasen, bedankte sich bei den Fans und bei Joachim Löw. (440144DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Der Bundestrainer hatte ihm den großen Abgang verschafft, den sich der 19-Jährige zuvor auf dem Rasen mit einem grandiosen Spiel verdient hatte.

"Die Mannschaft hat mir sehr geholfen"

"Es war ein großartiges Erlebnis für mich", sagte Götze, nach dem 3:2 gegen Brasilien (Spielbericht) und blieb trotz des Hypes um seine Person gewohnt sachlich und bescheiden.

"Die Mannschaft hat gut gespielt und mir auch sehr geholfen. Es lief reibungslos, ich freue mich einfach." (Alles zur Gala des DFB-Teams auch ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Startelf-Debüt und erstes Länderspiel-Tor

Freuen durfte sich der Dortmunder am Mittwochabend mehrere Male. Zum ersten Mal stand er in der deutschen Startelf, zum ersten Mal führte er Regie im offensiven Mittelfeld, zum ersten Mal erzielte er ein Tor.

"Ich habe heute jeden Moment genossen", meinte der BVB-Überflieger, der seine starke Leistung beim 3:1 gegen den Hamburger SV noch getoppt hatte.

Voll fokussiert

"Nach dem Freitagsspiel habe ich sehr viel über mich gelesen", erklärte der gebürtige Memminger, der seit 2001 bei Borussia Dortmund spielt.

"Da habe ich versucht, mich auf mein Spiel zu fokussieren. Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen." (440145DIASHOW: DFB-Elf in der Einzelkritik)

In der Tat: Götze drückte der Partie von Beginn an seinen Stempel auf, hatte nach sechs Minute die erste Torchance, war überall auf dem Platz zu finden und setzte seine Mitspieler mit intelligenten Pässen in Szene.

[image id="24541fd3-6367-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Abgesehen von der Nationalhymne war das eigentlich wie im Verein", meinte Götze.

Viel Lob vom Bundestrainer

"Er hat eine außergewöhnliche Technik und eine außergewöhnliche Orientierungsfähigkeit", lobte Löw seinen Schützling, dem er im November beim 0:0 in Schweden zu seinem Debüt verholfen hatte.

"Er spielt klare Pässe und findet immer Lösungen. Es sind die einfachen Dinge, die ihn so stark machen", meinte der Bundestrainer.

"Ein geiler Kicker"

"Ein geiler Kicker, dieser Götze. Sensationell, was er hier gespielt hat", schwärmte der ehemalige Bundesliga- und brasilianische Nationalspieler Giovane Elber, der extra für die Partie aus seiner Heimat angereist war.

[kaltura id="0_bagf35u2" class="full_size" title=""Sind im Grunde besser als Brasilien""]

Götze selbst erklärte auf der Pressekonferenz nüchtern: "Ich konzentriere mich nur auf mein eigenes Spiel und versuche, möglichst schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Dies gelang ihm am Mittwoch, am Freitag und in der vergangenen Meister-Saison mit Borussia Dortmund.

"Götzinho existiert nicht"

Franz Beckenbauer hatte nach dem 3:1 gegen den HSV, als Götze ebenfalls überragt und ein Tor erzielt hatte, geschwärmt, Götze habe "die Anlagen wie Lionel Messi, dessen Spielverständnis und die Technik".

Doch die Lobeshymnen der vergangenen Tage, der Vergleich mit Messi oder die Behauptung, er spiele brasilianischer als die Brasilianer, scheinen dem Shootingstar eher unangenehm zu sein.

"Der Spitzname 'Götzinho' existiert eigentlich nicht. Ich weiß nicht, woher das stammt. Beim BVB und auch hier werde ich Mario gerufen", stellte er klar.

Zusammenspiel mit Özil denkbar

"Er hat eine große Zukunft vor sich", lobte Brasiliens Coach Mano Menezes. Die Frage ist nur: Wo setzt ihn der deutsche Bundestrainer ein, wenn Mesut Özil zurückkehrt?

Özil, der gegen Brasilien nicht berufen wurde, weil er mit Real Madrid um die Welt gereist war und sich auf den spanischen Supercup am Sonntag (ab 21.55 Uhr und Mi., ab 22.55 Uhr LIVE im TVauf SPORT1) vorbereitet, galt als in der Schaltzentrale gesetzt.

"Mesut spielt auf einem Weltklasse-Niveau, und es ist auch denkbar, dass beide zusammenspielen", erklärte Löw.

Links statt Podolski eine Option

Götze könnte dann auf der rechten Seite wirbeln, wie er es in Dortmund meistens macht. Er könnte aber auch über links kommen, wo Lukas Podolski weit von seiner Bestform entfernt ist.

"Ich bin froh, dass ich im Moment so viele Möglichkeiten habe und dass wir so viele nachrückende Spieler haben, die Druck machen", sagte Löw.

Taten statt Kampfansagen

Auf eine Kampfansage wird man von Mario Götze vergeblich warten. Er lässt Taten sprechen. Und wenn er weiter so spielt wie gegen Brasilien, wird Götze schon bald eine Institution im deutschen Team sein.

Ob er sich auch weiter gegen den Namen "Götzinho" wehren kann, bleibt abzuwarten.

Guido Buchwald, Weltmeister von 1990 und einstiger Bewacher von Argentiniens Superstar Maradona wird schließlich auch heute noch "Diego" genannt. Auch ihm haben die Fans einst in Stuttgart applaudiert.

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