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Joachim Löw holte als Nationaltrainer 2008 die Vize-Europameisterschaft © getty

Der Bundstrainer ist nur zum Teil zufrieden mit dem EM-Jahr 2008. Der Konflikt mit Ballack ärgert ihn genauso wie das EM-Finale.

München - Bundestrainer Joachim Löw hat zum Ende des EM-Jahres 2008 eine überwiegend positive Bilanz gezogen.

Zugleicht hat er wegen der Turbulenzen um Michael Ballack und Torsten Frings in der DFB-Auswahl leise Selbstkritik geübt.

"Das Bild der Nationalmannschaft ist aus der Distanz in die falsche Richtung abgedriftet. Wir konnten nicht verhindern, dass sich die Geschichte Ballack/Frings in der Öffentlichkeit abgespielt hat", sagte Löw in einem Interview auf der DFB-Homepage.

"Das war zum ersten Mal in meiner Amtszeit seit 2006 so. Und das hat mir nicht gefallen."

Zurück zur Harmonie

Neben der erfolgreichen Quali für die WM 2010 in Südafrika ist deshalb auch die Rückkehr zur Sommermärchen-Harmonie eines der großen Ziele des Bundestrainers für das kommende Jahr.

Löw will mit aller Macht verhindern, dass Unstimmigkeiten innerhalb der Nationalmannschaft noch einmal über Wochen öffentlich ausgetragen werden.

So war seine Grundsatzrede vor dem letzten Länderspiel des Jahres gegen England (1:2) im November in Berlin möglicherweise keine einmalige Aktion.

"Wir haben gesehen, dass wir die Mannschaft oder den ein oder anderen Spieler an die Regeln erinnern müssen. Das ist ein nie endender Prozess", meinte Löw.

Ärger über EM-Finale

Bauchschmerzen bereitet dem 48-Jährigen zudem noch immer das verlorene EM-Finale gegen Spanien (0:1) Ende Juni in Wien.

"Auch wenn es eine große Freude war, dass wir nach dem emotionalen Halbfinale gegen die Türkei ins Finale eingezogen sind, war das Endspiel gegen Spanien doch eines der negativen Erlebnisse", sagte Löw.

"Das Finale gegen Spanien geht mir nicht aus dem Kopf. Denn wir sind zu keinem Zeitpunkt an unsere Leistungsgrenze herangekommen."

Auch insgesamt war er mit dem spielerischen Auftritt der DFB-Auswahl bei der EURO nicht zufrieden.

"Qualifikation hat oberste Priorität"

Positiv bewertet Löw dagegen den Start in die Qualifikation für die WM 2010.

Mit drei Siegen und einem Remis rangiert die deutsche Mannschaft souverän an der Tabellenspitze der Gruppe 4. Das 1:2 gegen England vor wenigen Wochen fällt dagegen für ihn kaum ins Gewicht.

"Wir haben Russland geschlagen und sind Gruppenerster. Die Qualifikation für die WM hat für uns oberste Priorität. Deshalb müssen wir auch in 2009 konstant hohes Niveau bringen", meinte Löw.

Trochowksi als Musterschüler

Ein Extra-Lob zollt der 48-Jährige Mittelfeldspieler Piotr Trochowski vom Hamburger SV, nachdem sich der 24-Jährige seit der EURO vom Bankdrücker zur Stammkraft aufgeschwungen hat.

"Er hat bei der EM noch eine kleine Rolle gespielt, jetzt spielt er schon eine ganz wichtige", sagte Löw, der den Konkurrenzkampf mit Blick auf das kommende Jahr weiter anheizt: "Ziel ist es, dass wir noch mehr Alternativen schaffen."

Liga-Niveau durchwachsen

Das Niveau in der Bundesliga war für Löw in der am Wochenende zu Ende gegangenen Hinrunde derweil eher durchwachsen.

"Wir haben in der Hinrunde sehr unterschiedliches Niveau gesehen. Die Tabellensituation in der Bundesliga spiegelt auch die Qualität wider", meinte Löw.

Sehr angetan war der Nationalcoach allerdings vom Auftreten von Aufsteiger 1899 Hoffenheim:

"Hoffenheim wird bis zum Schluss oben dabei bleiben. Dieses Team lebt nicht von der Euphorie eines Aufsteigers, es hat Substanz, Konstanz und wird noch dazulernen."

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