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Philipp Lahm übernahm die Kapitänsbinde von Michael Ballack © imago

Nach seiner Buchveröffentlichung wird der DFB-Kapitän getadelt und gibt sich reumütig. Jogi Löw muss einen Ausfall verkraften.

Von Thorsten Mesch

München/Düsseldorf - Es hätte schlimmer kommen können für Philipp Lahm.

Aber auch auf den öffentlichen Tadel von Joachim Löw inklusive vorheriger interner Zurechtweisung hätte der 27-Jährige wohl gerne verzichtet.

Lahms Kritik an ehemaligen Trainern in seinem Buch "Der feine Unterschied" wird für den Kapitän der DFB-Auswahl aber ohne disziplinarische Folgen bleiben.

"Ich persönlich habe ihm gesagt, dass ich es nicht glücklich finde, dass er als aktueller Spieler über Trainer in der Öffentlichkeit urteilt", sagte Löw am Dienstag während der Pressekonferenz der Nationalmannschaft in Düsseldorf.

"Das steht niemandem zu."

"Keine Interna aus der Mannschaft gegeben"

Er finde es "nicht glücklich", Dinge zu sagen, die "auf der anderen Seite demensprechend ankommen", so der Bundestrainer.

Er sei aber der Meinung, dass "keine Interna aus der Mannschaft gegeben worden sind".

Sicherlich kann man das angesichts so manchem Blick durchs Schlüsselloch in Lahms Buch auch anders bewerten.

Doch der Trainerstab zeigte sich laut Löw überzeugt, "dass Philipp das nie tun würde. Von daher gab es "keine Diskussion, ob man ihn als Kapitän absetzt".

Lahm selbst räumte ein, die zum Teil heftigen Reaktionen auf die vorab veröffentlichten Buchpassagen in dieser Form nicht erwartet habe.

Kleinlauter Kapitän räumt Fehler ein

"So habe ich damit nicht gerechnet", sagte Lahm auf SPORT1-Nachfrage.

Die letzten Tage seien für ihn "nicht so angenehm" gewesen, gab der Bayern-Spielführer etwas kleinlaut zu.

Er habe nicht gewollt, dass seine ehemaligen Trainer Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Louis van Gaal schlecht dargestellt werden, erklärte der Außenverteidiger weiter.

"Ich werde nicht mehr über Trainer urteilen. Wenn der Bundestrainer das so will, werde ich mich daran halten", beteuerte Lahm und bezeichnete die Trainer-Kritik als Fehler.

Zur Veröffentlichung seines Werks steht er aber weiterhin:

"Das ist von Seite 1 bis 272 ein leises Buch, eine Erklärung. Ich wollte keinen Trainer in die Pfanne hauen. Das ist eine Darstellung, die so nicht gewollt war", stellte Lahm klar.

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Gespräch mit Spielerrat steht aus

Am Montagabend hatten sich das DFB-Trainerteam, Teammanager Oliver Bierhoff und Lahm im Düsseldorfer Mannschaftshotel zusammengesetzt, "um uns darüber zu unterhalten, wieso, weshalb und warum einige Dinge geschrieben worden sind", berichtete Löw.

Nachdem am Dienstagmorgen bereits die gesamte Mannschaft in einer Sitzung einvernommen worden war, ist nun noch ein Gespräch mit dem Spielerrat geplant.

Konzentration auf Österreich

Am Verhältnis zu seinem Kapitän ändere sich durch dessen Buchveröffentlichung nichts.

"Ich wünsche mir, dass das Thema ad acta gelegt wird", sagte Löw und richtete die Konzentration auf das EM-Qualifikationsspiel am Freitag gegen Österreich.

"Wir brauchen noch einen Sieg, um für die EM planen zu können", meinte der Coach.

"Wir wollen so schnell wie möglich die Qualifikation perfekt machen und haben am Freitag eine große Chance", ergänzte Lahm: "Wir wollen alle Spiele gewinnen. Das ist unser Anspruch."

Dortmunds Bender fällt aus

Sven Bender wird gegen Österreich und vier Tage später in Danzig gegen Polen allerdings nicht dabei sein 446046(DIASHOW: Der DFB-Kader für Österreich).

Der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund laboriert nach einem Schlag auf den Knöchel bekommen an einem Bluterguss und muss laut Löw einige Tage pausieren.

Nach den Absagen von Mario Gomez und Marco Reus ist Bender der dritte verletzungsbedingte Ausfall.

Eine Nachnominierung - nach der Berufung von Cacau für Gomez - werde es aber nicht geben, erklärte Löw, der beim Training am Dienstag auch auf Per Mertesacker verzichten musste.

Mertesacker regelt seine Zukunft

Der Innenverteidiger reiste nach London, um seinen Wechsel zum FC Arsenal unter Dach und Fach zu bringen.

Am Mittwoch kann Mertesacker dann wieder ins Training einsteigen. Was Löw freuen dürfte.

Für den Bundestrainer ist nach den Turbulenzen der letzten Tage vor allem eins wichtig: "Dass wir uns wieder auf den Fußball fokussieren."

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