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Mesut Özil erzielte in elf Spielen für die deutsche U21 vier Tore © getty

Der Bremer spielt als Vertreter von Diego groß auf und ist sich seiner Nationalmannschaftszukunft plötzlich nicht mehr sicher.

Von Martin van de Flierdt

München - Das Thema schien längst erledigt.

Schon als Mesut Özil im September beim Bremer 5:2-Erfolg in München groß aufspielte, stellte sich die Frage, für welche Nationalmannschaft der beschlagene Techniker im Fall der Fälle künftig aufzulaufen gedenkt.

Denn der türkische Auswahlcoach Fatih Terim hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er Özil gerne in seiner Mannschaft sähe.

"Ich fühle mich beim DFB bestens aufgehoben", gab der Deutsch-Türke Terim damals einen Korb.

"Ein anderer Verband als Deutschland kommt für mich momentan nicht in Frage."

Das Wörtchen "momentan" fiel in der Nachbetrachtung häufig unter den Tisch, gewinnt aber nun an Bedeutung.

Denn dass sich Özil (Spielerporträt) inzwischen der Vorliebe für sein Geburtsland Deutschland gar nicht mehr so sicher ist, wurde am vergangenen Wochenende deutlich.

"Spontane" Entscheidung

"Noch ist alles offen", sagte Özil nach seiner erneut überzeugenden Vorstellung als Vertreter des gesperrten Spielmachers Diego beim 2:1 gegen Wolfsburg Nachbericht auf die erneute Frage nach seiner Nationalmannschaftszukunft.

"Wenn die Angebote kommen, werde ich mich spontan entscheiden."

Zwar hat der gebürtige Gelsenkirchener schon als 17-Jähriger in der U-19-Auswahl des DFB debütiert und zählt zu den Hoffnungsträgern der U21, die im kommenden Sommer bei der EM in Schweden für Furore sorgen soll.

Doch bis zu seinem 21. Geburtstag am 15. Oktober kann sich Özil immer noch entscheiden, ob er nicht doch lieber für die Vertretung des Heimatlandes seiner Eltern spielen möchte.

Löw hat schon angerufen

"Ich bin Türke, lebe aber in Deutschland und fühle mich hier sehr wohl", meint Özil, der derzeit keinen türkischen Pass besitzt. "Am liebsten würde ich für beide Länder spielen."

Bundestrainer Joachim Löw hat den Bremer nach dem deutschen WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (2:1) Mitte Oktober bereits angerufen.

"Mesut sagte mir, dass er sich als Deutscher fühle", berichtete Löw in der "Bild" von dem Telefonat.

"Er habe stets das Gefühl gehabt, mit dem Adler auf der Brust zu spielen."

Umso mehr verwundert nun Özils Aussage, seine Entscheidung werde wesentlich vom Zeitfaktor beeinflusst: "Der Verband, der sich zuerst bei mir meldet, hat die besseren Chancen."

Bundestrainer hat die Wahl

"Er spielt für uns intern in den Planungen eine Rolle, aber das ist seine Entscheidung. Die muss er für sich treffen, die kann ihm keiner abnehmen", sagte Löw nun der "dpa". Der Bundestrainer steht nun vor der Wahl, entweder sofort Nägel mit Köpfen zu machen und Özil mit einem Pflichtspieleinsatz für die deutsche Auswahl zu "sichern", oder dem 20-Jährigen zu verstehen zu geben, dass er sich nicht unter Druck setzen lässt.

Dann allerdings ist die Gefahr gegeben, dass dem DFB nach den Altintop-Zwillingen oder Nuri Sahin ? um nur die prominenteren der jüngeren Vergangenheit zu nennen ? ein weiteres hochkarätiges Talent (Vorspielen für die Hauptrolle) von der Fahne geht. Das wäre bei Özils Spielmacher-Qualitäten allerdings ein herber Verlust.

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