Jämmerliche Tradition Die deutschen Schwimmer gehen bei den Olympischen Spielen in Peking unter. Doch es ist nicht die offensichtliche Distanz zu den Besten, die nervt.

Von Marc Ellerich

Es ist Olympia, und die deutschen Schwimmer gehen unter. Neu ist diese Nachricht leider nicht.

Es ist alle vier Jahre dasselbe: Schon in Athen 2004 soff das Schwimmer-Kollektiv ab, und man erinnert sich noch an den schönen Satz von Antje Buschschulte, das Wasser sei nicht zu greifen.

Nun wiederholt sich dieses Schauspiel in Peking - das zeichnet sich bereits jetzt ab.

Gerade einmal zwei Wettkampftage sind vorüber, und im Team des DSV herrscht bereits Heulen und Zähneklappern.

Aber was dem TV-Publikum zuhause den letzten Nerv tötet, ist nicht die augenfällige Distanz zur Weltspitze.

Über die Gründe dafür lässt sich nämlich trefflich spekulieren: Doping, neue "Wunderanzüge", das Vollprofitum, das die Bestleistungen der Schwimm-Großmächte USA und Australien möglich macht.

Ein weiterer Grund dürfte auch die größere Wettkampfhärte sein, die DSV-Chefcoach Örjan Madsen seinem Team seit Jahren vergeblich beizubiegen versucht hat.

Über all das ist ausführlich berichtet worden, und es sollte beim Urteil auch berücksichtigt werden.

Nur, was einem wirklich auf den Geist geht, ist etwas ganz anderes: Es ist die weinerliche Art, mit der die besten deutschen Schwimmer ihren Olympia-Auftritt verloren geben, ehe er wirklich begonnen hat.

Was soll man davon halten, wenn Vorzeige-Schwimmerin Britta Steffen nach Staffel-Platz fünf jammert, sie sei traurig und leer?

Warum denn? Ihr Vorzeige-Wettbewerb, die 100-Meter-Freistil-Strecke, kommt doch noch und der Europa-Rekordlerin aus Berlin bleiben noch alle Möglichkeiten zu glänzen.

Ein anderer deutscher Star, Thomas Rupprath, entschuldigt sich nach seiner ersten schlechten Leistung sofort öffentlich mit dem Hinweis, die eigenen Darbietungen hätten mit Leistungssport nichts zu tun.

Wobei Rupprath mit diesem Satz den Nagel voll auf den Kopf trifft - wenn auch in einem anderen Sinne: Nervlich sind die DSV-Athleten meilenweit weg von den Weltbesten.

Beim Mentaltraining könnten sie von Australiern und US-Schwimmern jede Menge lernen: Locker und gleichzeitig zu allem entschlossen springen diese in den Pool.

Aber eigentlich, so dachte man, waren die vier Jahre seit Olympia 2004 Zeit genug, um mit einer jämmerlichen Tradition zu brechen.

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