"Ich bin ich, und das ist auch gut so"
Von Julian Buhl
München - Er ist erst 19 jahre jung und hält im Tor schon wie ein alter Hase.
Bei Borussia Mönchengladbach ist Marc-Andre ter Stegen die unumstrittene Nummer 1, und auch für die U 21 wurde der Blondschopf zum ersten Mal nominiert.
Dort muss er sich aber noch hinter Freiburgs Oliver Baumann anstellen
Und dennoch ist ter Stegen einfach glücklich dabei zu sein.
Im SPORT1-Interview spricht er über seinen rasanten Aufstieg, das Lob von Bundestrainer Joachim Löw und die neue Euphorie in seinem Klub Borussia Mönchengladbach.
SPORT1: Herr ter Stegen, Ihre Entwicklung ist ziemlich rasant. Müssen Sie sich da selbst ab und zu mal kneifen, weil sich das alles wie ein großer Traum anfühlt?
Ter Stegen: Nein, überhaupt nicht. Ich bin Realist und weiß, dass ich Woche für Woche meine Leistung bringen muss, um weiter auf hohem Niveau und in der Bundesliga bestehen zu können. Aber ich gebe immer mein Bestes - dann ist es umso erfreulicher, dass dabei auch Resultate herauskommen.
SPORT1: Sogar Joachim Löw hat vor kurzem in den höchsten Tönen von Ihnen geschwärmt. Der Bundestrainer meinte, dass Sie so spielen, als würden Sie schon jahrelang im Tor stehen.
Ter Stegen: Das ist natürlich ein schönes Lob vom Bundestrainer. Allerdings ist es so, dass ich meine Leistung in jedem Spiel wieder aufs Neue abrufen muss. Das versuche ich Woche für Woche zu machen.
SPORT1: Der Bundestrainer hat neben Strafraumbeherrschung und Selbstbewusstsein Ihre sehr abgeklärte Spieleröffnung gelobt.
Ter Stegen: Ich weiß nicht, wie das von Außen aussieht. Aber das ist nun mal mein Spiel. So bin ich als Torwart, so bin ich als Typ. Das gehört für mich einfach dazu.
SPORT1: Was sind Sie denn für ein Typ - eher der Typ Oliver Kahn oder der Typ Manuel Neuer?
Ter Stegen: Ich bin ich, und das ist auch ganz gut so. Natürlich bekomme ich mit, dass Vergleiche angestellt werden. Aber das ist für mich nicht relevant, sondern nur das, was auf dem Platz passiert.
SPORT1: Aber Vorbilder gibt es trotzdem?
Ter Stegen: Es gibt natürlich Wegweiser, an denen man sich orientieren kann - vor allem international spielen sehr gute Torhüter. Wenn ich zum Beispiel Iker Casillas oder Petr Cech sehe, dann muss ich sagen: Das ist schon große Klasse.
SPORT1: Lassen Sie uns über Gladbach sprechen: Die Mannschaft hat einen bemerkenswerten Lauf und steht nach acht Spieltagen auf Platz drei. Wie erklären Sie sich diesen Leistungssprung, nachdem es im vergangenen Jahr fast den Abstieg gegeben hätte?
Ter Stegen: Im Moment machen wir es insgesamt ganz gut. Nur in Freiburg haben wir es leider nicht hinbekommen, Punkte zu holen. Aber wenn man vorne die Chancen nicht macht, dann bekommt man ein Gegentor und verliert so ein Spiel. Wir müssen jetzt wieder nach vorne schauen und nach der Länderspielpause wieder punkten.
SPORT1: Was ist mit Gladbach in dieser Saison möglich?
Ter Stegen: Nach acht Spieltagen ist es schwer zu sagen wo es wirklich hingeht. Letzte Saison haben wir bei Frankfurt die Extrem-Situation gesehen: Nach einer guten Vorrunde sind die noch abgestiegen. Das wollen wir natürlich nicht. Wir sind aber auf einem guten Weg. Wenn wir weiter hart arbeiten, werden wir noch viele Punkte holen.
SPORT1: Inwieweit hat der Sieg gegen den FC Bayern im ersten Spiel der Mannschaft da noch mal einen zusätzlichen Schub gegeben?
Ter Stegen: So ein Sieg gibt natürlich Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben. Das haben wir genutzt und Punkte geholt. Das müssen wir jetzt aber weiter bestätigen.
SPORT1: Sie haben in keinem ihrer bisher 14 Bundesliga-Spiele mehr als einen Gegentreffer bekommen, in dieser Saison auch schon viermal zu Null gespielt. Wie erklären Sie sich das?
Ter Stegen: Es ist ja nicht meine eigene Bilanz. Es ist die Bilanz der ganzen Mannschaft, die nach hinten wirklich sehr gut arbeitet. Wir stehen sehr kompakt, und vorne haben wir immer die Qualität, etwas zu machen.
SPORT1: Welchen Anteil hat Trainer Lucien Favre an Ihrer Entwicklung?
Ter Stegen: Er hat mich zu meinem Bundesliga-Debüt gebracht und damals gegen den 1. FC Köln eingesetzt. Das war ein Riesenerlebnis für mich. Natürlich bin ich ihm dankbar, dass er mir in so einer Situation vertraut hat. Aber ich denke, ich habe es ihm auch zurückgezahlt. Favre ist ein Perfektionist, und das brauche ich als Spieler auch, genau wie jeder Andere auch in unserem Team. Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zu arbeiten.
SPORT1: In der Bundesliga kommt Leverkusen als nächster Gegner nach Mönchengladbach. Wie wichtig ist es, da jetzt wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden, um nicht von einem Positiv- in einen Negativ-Lauf zu geraten?
Ter Stegen: Das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns. Wir haben ja zuletzt unglücklich gegen Freiburg verloren. Wir müssen jetzt schauen, dass wir die drei Punkte bei uns behalten und daran anknüpfen, was wir zu Saisonbeginn gemacht haben.
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