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Marco Reus (l.) hat bisher zwei Länderspiele für Löws Team bestritten © getty

Jogi Löw muss gegen die Ukraine auf Marco Reus verzichten. Auch Miroslav Klose fällt aus. Das Taktik-Experiment wird verschoben.

München - Wo ist eigentlich Marco Reus? Der Gladbacher Jungstar wird im Kreis der deutschen Nationalmannschaft immer mehr zur tragischen Figur.

Als sich die DFB-Auswahl am Dienstag in Hamburg traf, fehlte der 22-Jährige erneut - diesmal wegen einer fiebrigen Magen-Darm-Grippe.

Reus fällt deshalb definitiv für das Länderspiel gegen EM-Co-Gastgeber Ukraine in Kiew am Freitag aus. Ob der Offensivspieler gegen Vize-Weltmeister Niederlande vier Tage später in Hamburg dabei sein kann, ist derzeit offen.

Auch Klose in Kiew nicht dabei

Reus, dem Bundestrainer Joachim Löw sogar einen Einsatz von Beginn an in Aussicht gestellt hatte, muss damit bei seiner siebten Nominierung für die Nationalelf bereits zum fünften Mal passen.

Aber es ist nicht nur die erneute Absage von Reus, die die Planungen von Löw gehörig durcheinander wirbelt.

Noch viel schwerer wiegt der Ausfall von Miroslav Klose in Kiew. Der Italien-Legionär von Lazio Rom laboriert an einer Sehnenreizung im linken Knie.

Taktik-Experiment verschoben

Dabei hatte der Bundestrainer eigentlich vor, den Torjäger erstmals zusammen mit Mario Gomez von Bayern München in einem 4-4-2-System stürmen zu lassen.

Viele Gelegenheiten für personelle oder taktische Experimente hat Löw nämlich nicht mehr, bis er im Mai 2012 seinen 23-köpfigen EM-Kader nominieren muss und anschließend mit der Vorbereitung bereits die heiße EM-Phase beginnt.

Neben dem anstehenden Länderspiel-Doppelpack in der Ukraine und gegen den Erzrivalen aus den Niederlanden bleibt dem 51-Jährigen nur noch die Partie am 29. Februar 2012 in Bremen gegen Frankreich.

Einsatz gegen Niederlande möglich

"Die Zeitspanne bis zum Beginn der direkten EM-Vorbereitung ist noch relativ lang. Wir haben aber nur noch drei Spiele", sagt Löw, der um die Problematik weiß.

Deshalb hofft er auch, dass der 112-malige Nationalspieler Klose nach einigen Tagen Trainingspause wie geplant am Samstag in Hamburg zur Mannschaft stoßen und am Dienstag spielen kann.

Auch Reus hat seine Magen-Darm-Probleme bis dahin möglicherweise auskuriert.

Dilemma in der Nationalelf

Bis jetzt ist seine Beziehung zur Nationalmannschaft alles andere als harmonisch verlaufen, auch wenn er zuletzt in den EM-Qualifikationsspielen gegen die Türkei und Belgien zu seinen ersten Kurzeinsätzen im A-Team gekommen war.

Noch am Sonntag hatte Löw deshalb gedacht, dass Reus sein Dilemma in der Nationalmannschaft hinter sich gelassen und "diese Blockade gelöst hat".

Der Gladbacher habe unter den ständigen Absagen "sehr gelitten. Er war auch sehr verzweifelt", sagte Löw.

Fünfte Absage von Reus

Doch nun geht das Trauma weiter. Begonnen hatte es im Mai 2010, als Reus für die Partie gegen Malta verletzungsbedingt absagen musste.

Vier Monate später fehlte er wegen eines grippalen Infekts beim Länderspiel in Dänemark.

Im Mai/Juni 2011 setzte ihn ein Muskelfaserrisses bei den Spielen gegen Uruguay, Österreich und Aserbaidschan außer Gefecht, ehe er im September wegen erneuter Adduktorenprobleme für den Doppelpack gegen Österreich und in Polen passen musste (DATENCENTER: EM-Quali).

"Für mich ist es bei der Nationalmannschaft bislang etwas unglücklich verlaufen", hatte er deshalb zuletzt bereits erklärt.

Keine Nachnominierung

Löw verzichtet trotz der Absagen von Reus und Klose auf eine Nachnominierung. 21 Spieler treten somit am Donnerstag die Reise zum EM-Endspielort nach Kiew an.

Torwart Manuel Neuer wird ebenfalls erst am Samstag in Hamburg erwartet, wo die DFB-Auswahl am Dienstag im noblem Side-Hotel ihr Quartier bezog.

Am Abend stand im Stadion "Hoheluft" des SC Victoria Hamburg die erste Trainingseinheit an.

Zieler vor Debüt

Bereits festgelegt hat sich der Bundestrainer, dem auch seine beiden Kapitäne Philipp Lahm (schöpferische Pause) und Bastian Schweinsteiger (Schlüsselbein-OP) nicht zur Verfügung stehen, auf das 45-minütige Debüt von Ron-Robert Zieler.

Ob der Keeper von Hannover 96 in der Ukraine in der Startformation steht oder für den Bremer Tim Wiese eingewechselt wird, ließ er allerdings noch offen.

Auch die beiden Spielmacher Mesut Özil und Mario Götze sollen in einem der beiden Spiele gemeinsam zaubern.

Bierhoff fordert positiven Jahresabschluss

Ungeachtet aller Planspiele und Probleme wünscht sich Teammanager Oliver Bierhoff "im Gegensatz zu den vergangenen Jahren einen guten Jahresabschluss. Wir wollen mit einem guten Auftritt Sympathien gewinnen und wie in Polen erste Eindrücke sammeln."

Zudem sei es für einige junge Spieler noch einmal eine gute Gelegenheit, "sich in den Vordergrund zu spielen", führte Bierhoff am Dienstag weiter aus.

"Wir wollen uns mit zwei Siegen weiteres Selbstvertrauen für die EM holen", ergänzte der Dortmunder Mats Hummels. Natürlich würden in Schweinsteiger und Lahm "zwei wichtige Säulen" fehlen, "aber ich denke, dass es trotzdem funktionieren wird".

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