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Marko Rehmer (l. mit Shevchenko) trug 35 Mal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft © getty

Vor dem DFB-Test spricht Marko Rehmer über die Relegationsspiele 2001 gegen die Ukraine und vergleicht das Team mit dem heutigen.

Von Christian Stüwe

München - Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Freitagabend gegen die Ukraine (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) antritt, erinnert das Testspiel auch an ein kleines Jubiläum.

Am 10. November 2001, vor fast exakt zehn Jahren also, trat die deutsche Mannschaft ebenfalls in Kiew an. Es war das Hinspiel der Relegationsspiele zur WM 2002.

Das DFB-Team erkämpfte sich nach Rückstand ein 1:1, um dann im Rückspiel in Dortmund mit 4:1 zu gewinnen.

Wenige Monate später marschierte das deutsche Team dann bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea bis ins Finale, verlor aber gegen Brasilien.

SPORT1-Experte Marko Rehmer stand damals in beiden Playoff-Spielen in der Startelf 446046(DIASHOW: Der Kader für die Tests).

Der frühere Verteidiger erinnert sich im SPORT1-Interview an den großen Druck während der Playoffs und die Stimmung in den Stadien. Der 39-Jährige spricht auch über die Chancen des DFB-Teams bei der EM und Michael Ballack.

SPORT1: Herr Rehmer, am Donnerstagabend jährte sich das Hinspiel der Playoff-Spiele zwischen Deutschland und der Ukraine zum zehnten Mal. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Marko Rehmer: Da wir die Relegation positiv abgeschlossen haben, sind die Erinnerungen auch durchaus positiv. Die Anspannung vor dem Spiel, die Stimmung im Stadion - da erinnert man sich gerne dran.

SPORT1: Ihnen wurde ein Tor geklaut?

Rehmer: Ja. Mein Treffer im Hinspiel wurde nicht anerkannt, obwohl er ganz klar drin war. Mit einem 2:1 ins Rückspiel zu gehen, wäre natürlich komfortabler gewesen. Aber letztlich war es nicht so wichtig.

SPORT1: Wie war die Stimmung im Stadion?

Rehmer: In Kiew war es einfach nur laut. Die Fans hatten so Tröten, wie russische Vuvuzelas, das war grausig. Aber die Stimmung in Dortmund beim Rückspiel, die war einfach nur gigantisch. Das gibt einem einen riesigen Schub.

SPORT1: Wie groß war der Druck vor den Spielen?

Rehmer: Wenn man sich überlegt, dass wir die erste deutsche Mannschaft gewesen wären, die es nicht zur WM geschafft hätte, war der Druck schon enorm. Das hat man vor dem Hinspiel in Kiew gespürt, aber noch extremer war es vor dem Rückspiel. Auch in den Tagen zwischen den Spielen war die Anspannung im Hotel zu spüren.

[kaltura id="0_w1jryg0n" class="full_size" title="Echte Generalprobe f rs DFB Team"]

SPORT1: Keine sonderlich angenehme Situation?

Rehmer: Wir hätten gerne darauf verzichtet. Aber vielleicht haben die Spiele eine entscheidende Rolle für die darauffolgende WM gespielt.

SPORT1: Waren die Relegationsspiele also ein Grundstein für die spätere Vize-Weltmeisterschaft?

Rehmer: Ich denke schon. Eine solche Extremsituation schweißt zusammen. Wir haben die Ukraine letztlich überzeugend geschlagen, das hat uns einen Schub für die WM gegeben. Es war ausschlaggebend dafür, wie wir dann als Mannschaft bei der WM aufgetreten sind.

SPORT1: Haben Sie die Ukraine damals als Gegner auf Augenhöhe gesehen?

Rehmer: Die Ukrainer waren gut besetzt und hatten mit Andriy Shevchenko einen Weltklassespieler, der damals in sehr guter Verfassung war. Aber ich würde sagen, dass wir letztlich schon besser waren, wie es sich auch im Ergebnis widergespiegelt hat.

SPORT1: Mittlerweile haben sich die Kräfteverhältnisse noch mehr zu Gunsten des DFB-Teams verschoben.

Rehmer: Ja. Unsere Mannschaft von damals kann man nicht mit der von heute vergleichen. Diese Einzelkönner, die die Mannschaft heute hat, hatten wir damals nicht. Wir mussten eher über die geschlossene Mannschaftsleistung kommen. Heute gibt es vier, fünf Spieler, die alleine ein Spiel entscheiden können. Die Zeiten haben sich geändert, Deutschland ist natürlich Favorit - jetzt gegen die Ukraine aber auch bei der EM.

SPORT1: Also ist die deutsche Mannschaft auch für Sie der große EM-Favorit?

Rehmer: Sollte es zum Aufeinandertreffen mit Spanien kommen, denke ich schon, dass es klappen könnte. Allein der Wille, die jetzt unbedingt mal weghauen zu wollen, spricht dafür. Aber man sollte auch die Niederländer nicht vergessen, die eine starke Mannschaft haben. So eine EM ist kein Selbstläufer, aber Deutschland gehört natürlich zu den Top-Favoriten.

SPORT1: 2001 erzielte Michael Ballack gegen die Ukraine im Hinspiel einen Treffer, im Rückspiel dann zwei. Er ist der einzige noch aktive Spieler von damals. Finden Sie es schade, dass er nicht dabei ist?

SPORT1: Michael Ballack hat so viel für den deutschen Fußball getan. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass jüngere Spieler dazukommen. Der Trainer entscheidet und Joachim Löw hat nun mal so entschieden. Natürlich ist es schade, ich hätte ihm seinen 100. Länderspieleinsatz gegönnt. Aber aufgrund seiner Verletzung unmittelbar vor der WM ist es anders gekommen.

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