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Dennis Aogo begann gegen die Ukraine im linken deutschen Mittelfeld © getty

Im Testspiel in der Ukraine offenbart die deutsche Elf vor allem in der Defensive große Schwächen. Müller rettet das Remis.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Kiew - Die deutsche Nationalmannschaft ist im vorletzten Spiel des Jahres mit viel Glück und Mühe an ihrer zweiten Niederlage vorbeigeschrammt.

Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw, die in der EM-Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Spielen überzeugt hatte, kam im EM-Endspielstadion von Kiew gegen die Ukraine nur zu einem schmeichelhaften 3:3 (1:3).

Toni Kroos (39.), Simon Rolfes (65.) und Thomas Müller (77.) erzielten die Tore für das DFB-Team, Andriy Iarmolenko (28.), Yevhen Konoplyanka (36.) und Sergiy Nazarenko (45.) hatten die EM-Gastgeber in Führung gebracht.

"Ich nehme viel Positives mit. Die Mannschaft hat große Moral bewiesen. Wir hatten außerdem eine unheimliche Dominanz. Ich bin nicht unzufrieden. Sicherlich kann man einige Dinge besser machen, aber heute wollte ich einfach ein paar Dinge sehen. Gegen Holland wollen wir nun einen guten Saisonabschluss", sagte Bundestrainer Löw im Anschluss.

Ukraine vergibt Sieg

Die Ukrainer vergaben zahlreiche hochkarätige Chancen und verpassten den ersten Sieg gegen eine deutsche Mannschaft, die sich am Dienstag gegen die Niederlande vor allem in der Rückwärtsbewegung steigern muss.

Dass Löw die Partie zum Experimentieren nutzen und Mesut Özil zusammen mit Mario Götze aufbieten würde, hatte er schon im Vorfeld angekündigt. 481409(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Dass aber in Thomas Müller und Lukas Podolski beide etatmäßigen Außenspieler auf der Bank saßen, war doch etwas überraschend.

Überraschende Dreierkette hinten

Christian Träsch bekam seine Chance auf dem rechten Flügel, die linke Seite bearbeitete Dennis Aogo, die Abwehr spielte mit Jerome Boateng, Holger Badstuber und Mats Hummels überraschend als Dreierkette.

In der Zentrale gab Toni Kroos den etwas defensiveren Part als Sami Khedira, der viel lief, Bälle forderte und verteilte.

Mario Gomez führte die Mannschaft in seinem 50. Länderspiel als Kapitän auf den Platz.

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Eine schöne Geste Löws angesichts der Nationalmannschaftsgeschichte des Bundesliga-Torschützenkönigs, der lange einen schweren Stand bei den Zuschauern hatte.

Bitterer Einstand für Zieler

Im Tor feierte Ron-Robert Zieler seinen ersten Länderspieleinsatz - der Hannoveraner debütierte als 50. Spieler unter Löw.

Bei der Ukraine stand der Bayern-Profi Anatoliy Tymoshchuk und auch der fragliche Andrej Shevchenko in der Startelf.

Zieler hatte sich seinen Einstand allerdings wohl anders vorgestellt, denn er hatte kaum Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Von den ersten fünf Torschüssen landeten drei im Tor, zwei flogen knapp vorbei.

Die deutsche Mannschaft begann ungeordnet und hatte Glück, dass sie nicht schon nach drei Minuten zurücklag.

Nach einem Fehler von Boateng lief Shevchenko auf der linken Angriffsseite in den Strafraum, doch der Schuss des ehemaligen Milan-Stars landete am Außennetz.

Gomez vergibt Führung

In der 12. Minute der nächste Warnschuss auf Zielers Tor. Doch der knallharte Weitschuss von Iarmolenko flog knapp rechts am Pfosten vorbei.

Drei Minuten später hatte die DFB-Auswahl durch Gomez die große Chance zur Führung.

Khedira eroberte den Ball im offensiven Mittelfeld, gab ab auf Kroos, der Münchner passte perfekt nach links in den Lauf seines Vereinskollegen, doch dessen Flachschuss parierte Rybka per Fuß.

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Es entwickelte sich ein schnelles und schön anzusehendes Spiel, das die deutsche Elf zwar bestimmte, aber den Gegner nicht zu Fehlern zwang.

Die machte die DFB-Auswahl selbst. Nach einer Ecke für Deutschland konterten die Ukrainer über Tymoshchuk, der vom eigenen Strafraum zu Shevchenko passte.

DFB-Elf pennt bei Kontern

Die deutschen Abwehrspieler waren weit aufgerückt, Shevchenko sah auf dem rechten Flügel Artem Milevskiy. Von der Grundline legte Yaroslav Rakitskiy zurück auf Iarmolenko, der den Ball über die Linie drückte.

Acht Minuten später, wieder eine Ecke für Deutschland, wieder ein Konter. Milevskyi auf Yevhen Konoplyanka, der aus der eigenen Hälfte einen Sprint über 70 Meter hinlegte, den herauslaufenden Zieler umspielte und zum 2:0 (36.) einschoss.

Der Jubel im mit 69.720 Zuschauern gefüllten Olympiastadion war kaum abgeebbt, da erzielte Kroos mit einem Weitschuss aus 23 Metern den Anschlusstreffer (39.).

Plötzlich wurde es still in der EM-Arena, und kurz vor der Pause fiel beinahe der Ausgleich, als Rybka den Ball nach einem Khedira-Kopfball an die Querlatte klatschen ließ.

Traumtor von Nazarenko

Wer dachte, dies sei es gewesen, wurde eines Besseren belehrt. Und zwar in Person des für den gelb-verwarnten Roman Bezus eingewechselten Sergiy Nazarenko.

Aus mehr als 30 Metern jagte er den Ball unhaltbar für Zieler zum 3:1-Pausenstand in den linken Torwinkel.

In der Pause reagierte Löw, nahm Träsch und Khedira aus dem Spiel und brachte Simon Rolfes und Andre Schürrle.

Da der Leverkusener aber auf der rechten Seite den Wolfsburger eins zu eins ersetzte, blieb die Rechtslastigkeit im deutschen Spiel bestehen.

Die galt auch für die Anfälligkeit in der Abwehr, die Shevchenko in der 50. Minute beinahe zum 4:1 genutzt hätte. Doch Zieler lenkte den Schuss des ukrainischen Kapitäns um den Pfosten.

Elf Minuten später hatte der Schlussmann Glück, dass Nazarenko nach einem Fehler von Hummels freistehend aus spitzem Winkel am Tor vorbeischoss.

Rolfes verkürzt

Die DFB-Elf wackelte weiter, aber statt 1:4 hieß es plötzlich 2:3. Nach einer Özil-Ecke von rechts verlängerte Hummels in die Mitte, und am langen Pfosten drückte Rolfes aus kurzer Distanz ein.

Für den Leverkusener war es das zweite Tor im 25. Länderspiel.

In der 65. Minute wechselte Löw Podolski und Müller für Özil und Götze ein, und die deutsche Mannschaft übernahm die Kontrolle über die Partie. Das mit Spannung erwartete "Götzil"-Experiment mit den beiden Hochbegabten in der Startelf funktionierte zumindest beim ersten Versuch noch nicht.

Müller erzielte zwölf Minuten nach seiner Einwechslung mit einem Flachschuss den Ausgleich.

In der Schlussphase kamen noch Cacau (für Gomez) und Lars Bender ins Spiel, das noch einmal Fahrt aufnahm.

Devic scheitert vor Zieler

Das 3:3 geriet noch einmal in Gefahr, als Schürrle in der Vorwärtsbewegung den Ball verlor und die Gastgeber den x-ten Konter starteten. Doch Schürrle sprintete zurück und machte seinen Fehler gut.

In der 90. Minute rettete Zieler mit einer Fußabwehr bravourös gegen den eingewechselten Marko Devic. So blieb es beim für die Deutschen glücklichen, für die Zuschauer aber sehr unterhaltsamen Unentschieden.

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