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Toni Kroos (l.), Simon Rolfes (M.) und Thomas Müller (r.) trafen gegen die Ukraine © getty

Nach dem 3:3 in der Ukraine ärgern sich die Spieler über dumme Gegentore, verteidigen aber die Experimente. Einer ist happy.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Kiew - Holger Badstuber war eigentlich sauer, aber er rettete sich in Galgenhumor.

"Wir haben das Spiel sehr offen gestaltet", kommentierte der Innenverteidiger die Leistung der deutschen Nationalmannschaft beim 3:3 (1:3) in der Ukraine mit einem Schmunzeln (Spielbericht).

"Wenn man so dumme Tore kassiert, ist es natürlich deprimierend, denn ich will jedes Spiel gewinnen", ärgerte sich der Bayern-Profi über die in einigen Szenen katastrophale Defensivarbeit in der DFB-Auswahl. 481415(DIASHOW: Die Einzelkritik)

Sein bayrischer Kollege auf ukrainischer Seite haderte lediglich mit der Chancenverwertung.

"Es war ein gutes Spiel von uns. Deutschland hatte mehr Ballbesitz, aber wir hatten klare Chancen und hätten noch zwei oder drei Tore machen müssen. Es war ein super Spektakel in einem neuen Stadion für unsere Fans", zeigte sich Bayerns ukrainischer Nationalspieler Anatoliy Tymoshchuk zufrieden.

Gomez: "Spiel wird mir in Erinnerung bleiben"

Auch auf deutscher Seite war einer trotz der bescheidenen Vorstellung der Mannschaft rundum happy.

"Ich habe mein 50. Länderspiel gemacht und die Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt und das am 11. 11. - das Spiel wird mir in Erinnerung bleiben", sagte Mario Gomez.

"Ich hätte gerne noch gewonnen und ein Tor gemacht, aber trotzdem bin ich zufrieden und glücklich", erklärte der Stürmer, der in der 15. Minute die Chance zum 1:0 vergab. 481409(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Ich hätte ihn gerne versenkt", sagte Gomez zu SPORT1. "Es war klar, dass irgendwann wieder ein Spiel kommt, in dem ich nicht treffen würde. Aber das wirft mich nicht zurück."

DFB-Elf noch nicht titelreif

Die Rahmenbedingungen in Kiew waren 233 Tage vor dem EM-Finale an gleicher Stätte titelreif, die Leistung der deutschen Mannschaft war noch weit davon entfernt.

Mit leichtsinnigen Fehlern hatte die von Bundestrainer Joachim Löw mit einer Dreier-Abwehrkette aufs Feld geschickte Mannschaft die Gastgeber zu zwei Toren förmlich eingeladen.

Weil aber beide Gegentore nach eigenen Ecken fielen und der dritte Treffer durch einen unhaltbaren Weitschuss, hielt sich die Kritik an der höchst ungewohnten Formation in Grenzen.

[image id="5465142a-6466-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Ich war sehr zufrieden, auch wenn ich einer der wenigen bin", meinte Löw auf der Pressekonferenz nach der Partie.

Löw verteidigt System-Experiment

"Wir wollen unberechenbar sein", begründete der Bundestrainer seine taktischen Experimente und ergänzte. "Es ist schon gut, wenn man mehrere Systeme beherrscht."

Seine Mannschaft habe "in der zweiten Halbzeit sehr viel Dominanz ausgeübt", meinte Löw und lobte die Moral seines Teams, das nur knapp die zweite Niederlage des Jahres verhindert hatte.

Die Umstellungen im Team seien für ihn "nicht einfach" gewesen, meinte Gomez. "Nach vorne haben wir uns manchmal gut durchgespielt, nach hinten hatten wir die Balance nicht. Wir haben insgesamt nicht gut umgeschaltet."

[kaltura id="0_o2nlfvh7" class="full_size" title="Die Stimmen der DFB Elf"]

Weit weniger glücklich als Gomez sah Ron-Robert Zieler aus. Der Torwart von Hannover 96 feierte als 50. Debütant unter Löw seinen Einstand, kassierte aber dabei so viele Gegentore in einer Halbzeit wie lange kein deutscher Schlussmann.

Das letzte Mal drei Gegentreffer in einer Halbzeit gab es am 1. März 2006 beim 1:4 in Italien. Damals im DFB-Tor: Jens Lehmann

Unterschiedliche Halbzeiten für Zieler

"Ich hatte mir das anders vorgestellt", gab Zieler zu. "In der ersten Halbzeit konnte ich mich nicht auszeichnen. Zum Glück habe ich die Chance dazu in der zweiten Halbzeit bekommen", sagte der 22-Jährige.

Während Zieler im ersten Durchgang dreimal chancenlos war, parierte er nach der Pause bravourös einen Schuss des ukrainischen Superstars Andriy Shevchenko und rettete in der Schlussminute per Fußabwehr das Unentschieden.

"Die Ukrainer waren erstaunlich oft vor meinem Tor. Das Spiel hätte auch 5:5 ausgehen können", sagte Zieler, der trotz der drei Gegentore nicht unzufrieden war: "Im Fußball kann nicht immer alles glatt laufen. Es war eine gute Erfahrung für mich."

Abstimmungsprobleme bei "Götzil"

Eine neue Erfahrung war auch das Zusammenspiel von Mesut Özil und Mario Götze im deutschen Mittelfeld. Beide schienen sich allerdings im eher rechtslastigen Spiel der DFB-Auswahl mehr im Weg zu stehen als miteinander zu harmonieren.

"Wenn wir jetzt nicht experimentieren, wann denn dann?", verteidigte Götze die taktischen Varianten des Bundestrainers. "Wir haben uns ungeschickt angestellt, blöde Gegentore gefressen und bei den Standards die Absicherungen falsch gestellt. Darum waren wir hinten offen", analysierte der Dortmunder.

"Wir haben etwas experimentiert und einiges schlecht gemacht in der Defensive", gab Dennis Aogo zu.

Aogo und Träsch ohne Empfehlung

Der Hamburger spielte im linken Mittelfeld, konnte sich aber ebenso wenig für höhere Aufgaben empfehlen wie der Wolfsburger Christian Träsch auf rechts.

"Für mich war die Position gar nicht so ungewohnt, weil wir in Hamburg ähnlich spielen", sagte Aogo zu SPORT1.

Für die meisten seiner Teamkollegen sei das System aber neu gewesen, "weil wir es überhaupt nicht trainiert haben", erklärte Aogo.

"Klar war das System nicht eingeübt, aber ganz so schlimm war es auch nicht", sagte Thomas Müller, der nach seiner Einwechslung mit seinem Tor das Unentschieden gesichert hatte: "Mit dem 3:3 können wir im Großen und Ganzen zufrieden sein", fand Müller.

"Unter normalen Umständen hätten wir das Spiel gewonnen", behauptete Aogo.

Doch normal war nichts, an diesem verrückten 11.11..

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