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Ron-Robert Zieler musste bei seinem DFB- Debüt drei Mal hinter sich greifen © getty

Trotz dreier Gegentore in der Ukraine feiert der 96-Keeper ein gelungenes Debüt. Vom DFB-Torwarttrainer gibt es bei SPORT1 Lob.

Von Thorsten Mesch

Kiew/Hamburg - Ron-Robert Zieler ist keiner, der gern im Mittelpunkt steht.

Er macht auch kein großes Aufheben um seine Leistung.

Er macht einfach seinen Job.

"Ich bin ja da, um die Bälle zu halten", sagte Zieler nach seinem Länderspieldebüt in der Ukraine über seine Glanzparaden in der zweiten Halbzeit, mit denen er der DFB-Auswahl das 3:3 rettete (Nachbericht).

In der ersten Halbzeit hatte es noch ganz anders ausgesehen. Drei Gegentore musste Zieler einstecken, jedes Mal war er chancenlos. 481415(DIASHOW: Die Einzelkritik)

"Gab noch die zweiten 45 Minuten"

Nach dem 1:3 trat er kurz wütend gegen den Pfosten. Aber Zieler ist keiner, der aufgibt.

"Man ärgert sich, wenn man in einer Halbzeit drei Gegentore bekommt", meinte er im Gespräch mit SPORT1. "Aber das Spiel war ja noch nicht vorbei, es gab ja noch die zweiten 45 Minuten."

Nach der Pause lenkte er zuerst einen Schuss des ukrainischen Superstars Andriy Shevchenko um den Pfosten, in der Schlussphase wehrte er gegen den frei vor seinem Tor auftauchenden Marko Devic per Fuß ab. 481409(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Torwartrainer Köpke lobt

Bundestorwarttrainer Andreas Köpke war beeindruckt von der Leistung des 22-Jährigen.

"Das sind eigentlich die schwersten Spiele für einen Torwart. So etwas wegzustecken und Nervenstärke zu zeigen", meinte Köpke zu SPORT1.

"Ich habe versucht, ihm in der Pause Mut zuzusprechen und gesagt: 'Es geht weiter. Kopf hoch, Brust raus, du konntest an den Toren nichts machen'", erzählte der ehemalige Weltklassetorhüter.

[kaltura id="0_o2nlfvh7" class="full_size" title="Die Stimmen der DFB Elf"]

DFB-Debüt nach nur 27 Einsätzen

"Ich bin trotzdem mit breiter Brust raus gegangen", sagte Zieler.

"Die Zuschauer denken, dass ich erst nach der ersten Parade nach der Pause richtig im Spiel war. Aber ich war von der ersten Minute an drin", erklärte der Keeper von Hannover 96, der nach nur 27 Bundesligaspielen sein Debüt im DFB-Team feiern durfte.

"Es war mein erstes Länderspiel und deshalb etwas Besonderes. Ein 3:3 ist nicht das Wunschergebnis eines Torhüters, aber im Fußball kann nicht immer alles glatt laufen, sagte Zieler und ergänzte: "Es war eine wichtige Erfahrung für mich."

Eine ähnliche Erfahrung wie Zieler in Kiew haben im DFB-Trikot nur wenige Torhüter gemacht.

Auf den Spuren von Lehmann und Kwiatkowski

Seit Heinrich Kwiatkowski beim 3:8 gegen Ungarn bei der WM 1954 hatte kein Neuling im Tor der deutschen Nationalmannschaft mehr drei Gegentreffer hinnehmen müssen.

Drei Tore in einer Halbzeit hatte zuletzt Jens Lehmann beim 1:4 in Italien am 1. März 2006 kassiert.

Was er in den ersten 45 Minuten gedacht habe, fand Zieler "schwer zu beschreiben. Man hat gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken", sagte der Schlussmann und ergänzte wie ein Routinier: "Mund abwischen und weiter geht es. So ist es im Fußball."

Trotz der überschaubaren Erfahrung wirkt Zieler abgeklärt wie ein alter Hase:

Neuer kehrt ins Tor zurück

"Auch wenn es in der ersten Halbzeit gegen ihn lief, hat er nicht nervös gewirkt", meinte Köpke, und Bundestrainer Joachim Löw lobte: "Er hat klasse gespielt. Ich war absolut zufrieden mit ihm."

Dennoch wird Zieler beim Spiel gegen die Niederlande am Dienstag (Themenabend Deutschland - Holland: Mo., ab 20.15 Uhr im TV auf SPORT1) in Hamburg wieder auf der Bank Platz nehmen müssen: "Manuel Neuer kommt jetzt zurück und ich gehe davon aus, dass er spielt."

Köpke: "Hat gezeigt, dass man auf ihn bauen kann"

Sein Ziel sei weiter die Teilnahme an der Europameisterschaft. "Ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft und kann mir gut vorstellen zu bleiben", meinte Zieler.

Seine Chancen, als Nummer drei hinter Neuer und Tim Wiese in die Ukraine zurückzukehren, stehen zumindest nicht schlecht.

"Er hat sein erstes Länderspiel gemacht. Man muss mal abwarten, wie das alles weitergeht", sagte Köpke. "Er hat auf jeden Fall gezeigt, dass man auf ihn bauen kann."

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