vergrößernverkleinern
Premiere gegen die Niederlande: Thomas Müller (l.) absolvierte bisher 24 Länderspiele © imago

Das verrückte 3:3 in der Ukraine ist abgehakt, der Blick der DFB-Elf ist auf das Prestigeduell gegen die Niederlande gerichtet.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein sorgten trotz winterlichen Temperaturen bei Oliver Bierhoff für beste Laune.

Das verrückte 3:3 in der Ukraine (Nachbericht) wirkte am Sonntag in Hamburg bereits so weit weg wie der Spielort Kiew 481409(DIASHOW: Die Bilder des Spiels), der Blick ging nach vorne aufs Prestigeduell mit den Niederlanden am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

"Das ist ein ernsthaftes Spiel, mit dem wir ein Zeichen setzen wollen, dass wir jeden schlagen können", sagte der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft.

"Das letzte Spiel im Jahr will man gewinnen - und gegen die Holländer macht es doppelte Freude."

Sportlich ist die Bedeutung gegen den Weltranglisten-Zweiten und WM-Finalisten enorm hoch, doch die Brisanz ist nicht mehr mit den legendären Spielen wie 1974 oder 1988 zu vergleichen.

"In den 80er-Jahren fast wie Krieg"

"In den 80er-Jahren war das Duell ja fast wie Krieg. Bei den Fans, aber auch innerhalb der Mannschaften wurden Feindbilder aufgebaut", erklärte Bierhoff.

"Jetzt ist es ein sportlich interessanter Wettbewerb. Die Rivalität hat abgenommen."

[image id="3fb7afd2-6466-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Jerome Boateng, der mit Nigel de Jong sowohl beim Hamburger SV als auch bei Manchester City zusammenspielte und seitdem befreundet ist, stimmte dem zu:

"Das ist kein Krieg. Ich habe eher Freunde in der holländischen Mannschaft, aber deshalb wollen wir trotzdem gewinnen."

Seit 2004 ohne Sieg im letzten Länderspiel des Jahres

Ein Erfolg wäre gut fürs Renommee und nach der EM-Qualifikation ohne Punktverlust ein perfekter Ausklang des starken Länderspiel-Jahres ? zumal die DFB-Auswahl seit 2004 (5:1 gegen Fußball-Zwerg Thailand) nicht mehr im letzten Spiel des Jahres gewonnen hat.

"Zuletzt haben wir das ein-, zweimal verbockt", gab Bierhoff zu. "Daher haben wir uns fest vorgenommen, das Jahr positiv abzuschließen."

Aus diesem Grund werde es gegen die "Elftal" auch "nicht so ein Testspiel wie gegen die Ukraine, wo man Dinge probiert", meinte er.

[kaltura id="0_o2nlfvh7" class="full_size" title="Die Stimmen der DFB Elf"]

Keine Dreierkette mehr

Joachim Löw hatte schon nach dem defensiv äußerst wackeligen Auftritt am Freitagabend erklärt, dass es gegen die Niederländer nicht erneut eine Dreierkette geben werde.

Zudem werden einige in Kiew geschonte Akteure in die Startelf zurückkehren, allen voran der erst am Samstag zur Mannschaft gestoßene Stammkeeper Manuel Neuer sowie Per Mertesacker und Thomas Müller.

Experimentieren will der Bundestrainer aber dennoch und zwar mit der Rückkehr zum Spiel mit zwei Spitzen, sofern Miroslav Klose fit ist.

"Joachim Löw hat ja bereits angekündigt, dass er wieder einmal zwei Stürmer bringen will", berichtete Bierhoff.

Klose wieder im Training

Klose, der zuletzt an einer hartnäckigen Sehnenreizung im linken Knie litt, bestritt am Sonntag die komplette Trainingseinheit auf einem Nebenplatz des HSV-Stadions (News). Der Torjäger von Lazio Rom vermied dabei allerdings Pässe und Schüsse mit links.

Zudem sind auch der nach seiner Magen-Darm-Grippe ebenfalls nachgereiste Marco Reus und Lars Bender einsatzbereit, obwohl Reus dem Leverkusener in seinem ersten Training am Samstag ein blaues Auge verpasst hatte.

Fehlen wird hingegen Marcel Schmelzer, der aufgrund einer Wadenzerrung bereits die Heimreise angetreten hat. Somit wird Dennis Aogo als einziger Hamburger Profi erneut zum Einsatz kommen.

Dabei war der Linksverteidiger in der Ukraine einer der Schwachpunkte der DFB-Elf, die sich bei den Gegentoren zweimal nach Ecken und einmal nach Ballverlust auskontern ließ und in der zweiten Halbzeit von Debütant Ron-Robert Zieler vor einer Pleite bewahrt wurde.

Kroos: ?Noch nicht da, wo wir hinwollen?

"Das Spiel hat gezeigt, dass wir noch nicht da sind, wo wir hinwollen", bilanzierte der beste deutsche Feldspieler Toni Kroos 481415(DIASHOW: Die Einzelkritik) .

Trotzdem zeigte sich Löw demonstrativ zufrieden mit dem Auftritt seines Teams und verwies auf die klare Dominanz vor allem in der zweiten Halbzeit.

Seine unerwarteten Umstellungen, die er auch der Mannschaft erst kurz vor dem Anpfiff mitgeteilt hatte, rechtfertigte er mit Blick auf die EM-Endrunde:

"Wir wollten den Ernstfall vor dem Ernstfall proben. Wir wollen variantenreicher werden - und unberechenbar."

Bierhoff: ?Wollen nicht das neue Holland sein?

Zumindest die eigene Unberechenbarkeit in der Defensive soll aber am Dienstag wieder der Vergangenheit angehören.

Der Respekt vor dem Nachbarn ist groß. Doch die als Kompliment gedachte Frage eines niederländischen Journalisten, ob die Deutschen nun ?das neue Holland? seien, wollte Bierhoff so nicht stehen lassen:

"Das wollen wir nicht. Dann wären wir immer nur Zweiter bei Turnieren."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel