SPORT1-Experte Thomas Strunz lobt Löws Experimente, nennt aber Grenzen. Zieler sieht er im Tor noch nicht als Alternative.

Hallo Fußball-Freunde,

das 3:3 der deutschen Elf in der Ukraine hat für viel Gesprächsstoff gesorgt. Ich teile aber die Meinung von Jogi Löw, dass man die Mannschaft an neue Grenzen heranführen muss, um bei der Europameisterschaft auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Deshalb fand ich das Experiment sehr passend.

Bitter war es natürlich für Ron-Robert Zieler. Der hat in der ersten Halbzeit drei Bälle aufs Tor bekommen - und die waren alle drin. Er ist sicherlich ein talentierter Torwart, aber noch nicht so reif, dass er in diesen Kreis gehört.

Von der gesamten Körpersprache hat Marc-Andre ter Stegen von Borussia Mönchengladbach einen Vorteil. Zieler ist sicherleich ein großes Torwart-Talent, aber aus meiner Sicht noch nicht soweit, dass er eine Alternative zu Tim Wiese oder Manuel Neuer sein könnte.

Auch in anderen Mannschaftsteilen hat das Spiel in Kiew einige Erkenntnisse gebracht. Trotz der Kritik bin ich der Meinung, dass Mario Götze und Mesut Özil sehr wohl zusammenspielen können. In Dortmund funktioniert es mit Götze und Shinji Kagawa ja auch, die würde ich als ähnliche Spielertypen sehen.

Götze spielt rechts, rotiert viel, spielt ganz selten mal auf der Özil-Postion. Das ist etwas ganz Anderes als früher bei Wolfgang Overath und Günter Netzer, die beide auf der Spielmacher-Position zuhause waren.

Mario ist da nicht so festgelegt, er kann vieles spielen. Auf rechts duelliert er sich mit Thomas Müller, auf links mit Lukas Podolski oder Andre Schürrle. Das ist kein Ausschlussverfahren, sondern das sind Spieler, die absolutes Top-Niveau haben und ich würde sagen, das funktioniert.

Das gilt aber nicht für Gedankenspiele mit einer Doppelspitze aus Mario Gomez und Miroslav Klose. Sie sind zu ähnliche Spielertypen.

Wenn ich Bundestrainer wäre, würde ich immer mit Gomez anfangen, weil Klose auch von der Bank was bewegen kann. Gomez ist für mich kein Einwechselspieler, das hat er in vielen Länderspielen gezeigt. Er ist einer, der von Anfang an spielen muss.

Insgesamt ist die Frage, welchen Stürmer er von Beginn an auflaufen lässt für Joachim Löw - wie so vieles andere - aber ein Luxusproblem.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Kia Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

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