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Mats Hummels (r.) absolvierte bisher 11 Länderspiele für Deutschland © imago

Nach den drei Gegentreffern in der Ukraine soll gegen die Niederlande wieder die Null stehen. Jogi Löw ist zuversichtlich.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Thorsten Mesch

Hamburg/Kiew - Immerhin eins macht Hoffnung: Die Holländer haben das Tor nicht getroffen.

Die vor allem offensiv mit Stars gespickte "Elftal" musste sich nach dem müden 0:0 gegen die Schweiz am Freitagabend in Amsterdam ein Pfeifkonzert gefallen lassen (Bericht).

Ungefähr zur gleichen Zeit gab es in Kiew ein Spektakel der denkwürdigen Art: Deutschland, Gegner der Niederländer am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) und EM-Gastgeber Ukraine trennten sich 3:3 (Bericht).

Zuletzt 2006 drei Gegentore in einer Halbzeit

Dabei stand vor allem die deutsche Defensive im Blickpunkt, die zuletzt beim 1:4-Debakel in Italien vor der WM 2006 drei Gegentreffer in einer Halbzeit kassiert hatte und ähnlich orientierungslos wie damals in Florenz wirkte.

Das erstmals seit 2002 unter Rudi Völler wieder mit einer Dreierkette aufgelaufene DFB-Team präsentierte sich phasenweise wie ein Hühnerhaufen und hätte auch fünf oder sechs Gegentreffer kassieren können.

Sogar Löw platzte der Kragen

Sogar dem Initiator des Experiments platzte am Ende der Kragen. "Seid ihr denn bescheuert", schrie Joachim Löw in der Schlussminute aufs Spielfeld, als Ron-Robert Zieler nach einem erneuten Aussetzer in der Hintermannschaft gerade noch das 3:4 verhindert hatte (BERICHT: Zieler ist gekommen, um zu bleiben).

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Doch wenig später zeigte sich der Bundestrainer wieder guter Dinge. Er sei zufrieden, erklärte er, bezog das aber vor allem auf die Dominanz in der Offensive nach dem 1:3-Pausenrückstand. 481409(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

In der Defensive hingegen räumte er "Fehler in der Zuordnung" ein. "Das darf uns natürlich nicht passieren", meinte Löw.

"Fehler sind passiert, aber nicht in der Dreierkette"

Mit der ungewohnten Abwehrformation, über die er die Mannschaft zudem erst kurz vor dem Anpfiff informiert hatte, habe das aber nichts zu tun:

"Hummels, Badstuber und Boateng haben das in vielen Situationen sehr gut gemacht. Fehler sind passiert, aber nicht in der Dreierkette." 481415(DIASHOW: Die Einzelkritik)

Das kann man allerdings auch anders sehen. Schließlich rückten alle drei Verteidiger bei den beiden Ecken vor dem ersten Tor mit nach vorne, so dass beim anschließenden Konter hinten alles offen war.

Boateng selbstkritisch

Doch das sei bei Standardsituationen normal, erklärte Jerome Boateng. "Wir gehen auch nach vorne, wenn wir nur mit zwei Innenverteidigern spielen. Wir standen in diesen Situationen als Mannschaft einfach insgesamt schlecht."

Auf Nachfrage von SPORT1 gab der Bayern-Verteidiger aber zu: "Wir dürfen nach Standards nicht so offen stehen und so grün hinter den Ohren sein. Das geht nicht. Aber auf dem Rest kann man aufbauen, auch mit der Dreierkette."

[kaltura id="0_o2nlfvh7" class="full_size" title="Die Stimmen der DFB Elf"]

Mertesacker kommt für Hummels

Doch gegen die Niederlande wird Löw dieses Risiko nicht erneut eingehen, vielmehr soll dann Arsenal-Profi Per Mertesacker anstelle des gegenüber seinen Leistungen in Dortmund erneut schwachen Mats Hummels die gewohnte Viererkette ordnen.

Benedikt Höwedes dürfte der Problemzone rechts hinten zusätzliche defensive Stabilität geben, Boateng aufgrund seiner Bundesliga-Sperre in der Innenverteidigung den Vorzug vor FCB-Teamkollege Holger Badstuber erhalten.

Erneute Chance für Aogo

Und bei Dennis Aogo, der nach der Pause für Kapitän Philipp Lahm und dem verletzungsbedingten Ausfall von Marcel Schmelzer einziger Linksverteidiger im Kader ist, setzt Löw wohl vor eigenem Publikum auf den "Hallo wach"-Effekt.

Gegen die Ukraine jedenfalls konnte der HSV-Profi ebenso wenig wie Christian Träsch auf der Gegenseite Werbung für einen Platz im EM-Aufgebot machen, eher im Gegenteil

"Ich spiele nicht, um irgendwelchen Leuten zu gefallen. Ich spiele das, was der Trainer vorgibt", sagte Aogo SPORT1:

"Ich glaube, dass ich es ganz gut gemacht habe. Gegen Holland wird es ein ganz anderes Spiel werden."

Vorbild Barca

Dennoch sieht Löw die Dreierkette auch in Zukunft als Alternative. Nach dem Vorbild des FC Barcelona soll damit gegen die seit dem starken Auftritt bei der WM immer defensiver stehenden Gegner Überzahl und mehr Druck erzeugt werden.

Den Nachteil konnte man in Kiew aber auch sehr schön beobachten: Bei Kontern des Gegners herrscht dann schnell Unterzahl in der eigenen Defensive, wenn die Mittelfeldspieler die Räume nicht zustellen.

2011 nur einmal ohne Gegentor

So bleibt die Abwehr die große Baustelle in Löws offensiv ausgerichtetem Spiel. Nur einmal, beim 4:0 im Frühjahr gegen Kasachstan, blieb die DFB-Auswahl in diesem Jahr ohne Gegentor.

Doch die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit lässt den Bundestrainer gelassen mit dem Problem umgehen, wie er SPORT1 am Sonntag verriet.

"Wir haben bei den großen Turnieren immer zu den Teams mit den meisten Toren und den wenigsten Gegentoren gehört", sagte Löw. "Deshalb macht mir die Abwehr überhaupt keine Sorgen."

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