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Joachim Löw (r.) übernahm 2006 das Amt des Bundestrainers von Jürgen Klinsmann © getty

Joachim Löw spricht bei SPORT1 über die Karriereplanung der DFB-Talente und die Suche nach dem zweiten Philipp Lahm.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Als "hervorragend" stuft Jogi Löw das Länderspieljahr 2011 ein.

Die DFB-Elf hat die EM-Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Spielen glänzend gemeistert, zudem Rekordweltmeister Brasilien in einem Testspiel geschlagen.

Im SPORT1-Interview spricht der Bundestrainer über den Fahrplan zur Europameisterschaft, die Suche nach der Idealbesetzung für die rechte Abwehrseite und die Karriereplanung von Mario Götze und Co.

SPORT1: Herr Löw, können Sie bei der EM angesichts der Qualität über zwei fast gleich starke Mannschaften verfügen?

Joachim Löw: Zwei gleichwertige Mannschaften haben wir noch nicht. Aber wir haben Positionen, wo wir Ausfälle adäquat ersetzen können. Die Auswahl ist viel besser geworden. Bei der WM war es schon gut, doch jetzt sind etwa Toni Kroos und Mario Gomez viel stärker. Und Spieler mit hoher Qualität wie Mario Götze, Mats Hummels oder Andre Schürrle sind nachgerückt.

SPORT1: Stimmt der Eindruck, dass aktuell 18 oder 19 der 23 Plätze im EM-Kader vergeben wären, wenn Sie jetzt entscheiden müssten?

Löw: Ja, der Eindruck stimmt. Es sind nach dem aktuellen Stand nicht mehr so viele Plätze frei im Kader. Bei normalem Verlauf glaube ich nicht, dass noch vier oder fünf Spieler da reinrücken. Wir kennen ja auch alle Kandidaten. Da gibt es bei der U 21 noch Holtby, den ich gut finde, oder Gündogan oder auch Mlapa und Leitner. Aber eine Überraschungs-Nominierung wie 2006 mit David Odonkor ist unwahrscheinlich.

SPORT1: Nur das Problem auf den Außenbahnen der Viererkette haben Sie nicht gelöst, sollte Philipp Lahm ausfallen.

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Löw: Auf links sind Dennis Aogo und Marcel Schmelzer sicherlich ein bisschen in ihrer Entwicklung blockiert, weil Philipp Lahm gesetzt ist. Rechts haben wir Benedikt Höwedes, Christian Träsch und Jerome Boateng, der auf allen Positionen in der Abwehr sehr stark ist.

SPORT1: Aber Sie haben keinen echten Rechtsverteidiger.

Löw: Wir suchen seit Jahren einen Typ wie Philipp Lahm für die rechte Seite. Aber vielleicht müssen wir in Deutschland ein bisschen von dem Gedanken wegkommen, dass solche Spieler wie Pilze aus dem Boden schießen. Zumal Philipp Lahm auch ein Ausnahmekönner auf seiner Position ist.

SPORT1: Der Fußball der deutschen Mannschaft gilt mittlerweile weltweit als Vorbild. Vor zehn bis 15 Jahren galt das für den niederländischen Fußball. Kann Deutschland von Holland auch heute noch etwas lernen?

Löw: Es ist gut, dass wir international wieder eine enorm positive Resonanz haben, weil unser Fußball nicht mehr nur auf Kampf ausgerichtet ist. Aber man kann von Top-Nationen immer etwas lernen. Wenn ich nach Spanien oder England reise, bringe ich immer wichtige Erkenntnisse mit. Bei den Niederländern finde ich beeindruckend, dass das Land trotz seiner geringen Einwohnerzahl seit Jahren konstant zur Weltspitze gehört und 20 bis 30 absolute Topspieler hat. In der individuellen Ausbildung sind die Niederlande ganz weit vorne.

SPORT1: Alle niederländischen Stars spielen im Ausland. Würden Sie Ihren Spielern auch zu diesem Schritt raten?

Löw: Das muss man von Fall zu Fall entscheiden. In der Bundesliga wird auch sehr professionell gearbeitet und Bayern München ist ein europäischer Spitzenklub. Da kann man keinem raten, dort weg zu gehen. Auch Dortmund hat eine gute Entwicklung gemacht. Warum sollte Mario Götze da im Moment weggehen? Er spielt in der Champions League und bei einem Top-Team mit einem Trainer, der die jungen Spieler fördert. Aber Sami Khedira und Mesut Özil hat der Schritt zu Real Madrid einen wahnsinnigen Schub gegeben.

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