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Bayerns Thomas Müller wurde bei der WM 2010 Torschützenkönig © getty

Deutsche und holländische Spieler können sich an frühere "Schlachten" nicht erinnern. Nur zwei Ex-Kollegen sorgen für Brisanz.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Manuel Neuer war zu Scherzen aufgelegt, doch sein lockerer Umgang mit der deutsch-niederländischen Rivalität sprach Bände über die veränderten Realitäten.

Kurz zuvor war Joachim Löw gefragt worden, wie er den legendären 2:1-Sieg der Holländer im EM-Halbfinale gegen Deutschland am 21. Juni 1988 in Hamburg erlebt habe.

"Wahrscheinlich habe ich das Spiel am Fernseher verfolgt und einen Espresso oder einen Rotwein getrunken", meinte der Bundestrainer. (INTERVIEW: Löw: "Es sind nicht mehr viele Plätze frei")

"Rotwein statt Espresso"

"Ich weiß nicht mehr, was ich damals gemacht habe. Ich war damals erst zwei Jahre alt", ergänzte Neuer. "Espresso habe ich jedenfalls nicht getrunken ? sondern Rotwein."

Und als das Lachen der Journalisten auf der letzten Pressekonferenz vor dem Prestigeduell am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) verklungen war, setzte der gebürtige Gelsenkirchener förmlich zu einer Eloge auf den Nachbarn an.

"Ich war öfter in den Niederlanden und habe dort viele tolle Erfahrungen gemacht. Generell habe ich zu Holländern ein gutes Verhältnis", erklärte Neuer auch mit Blick auf einstige und jetzige Mitspieler wie den Schalker Klaas Jan Huntelaar oder den Bayern-Star Arjen Robben.

Die teilweise von Hass auf den Tribünen und dem Platz geprägten Duelle der Vergangenheit wie das WM-Achtelfinale 1990 in Italien mit "Lama" Frank Rijkaard gehören offenbar endgültig der Vergangenheit an.

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Keine Erinnerungen mehr

Noch mehr: Die aktuelle Profi-Generation beider Teams kann sich aufgrund ihres Alters an diese Fußball-Schlachten nicht mal mehr erinnern.

Und so steht einzig und allein die sportliche Bedeutung des Aufeinandertreffens mit dem Vize-Weltmeister im Blickpunkt der deutschen Nationalspieler.

"Holland ist ein attraktiver Gegner und zählt neben Spanien zu den besten Mannschaften. Wir kennen ihre Stärken, es wird ein Kräftemessen auf höherem Niveau", sagte Mario Götze zu SPORT1.

Und Neuer meinte: "Es wird sicher ein brisantes Duell auf Augenhöhe. Zum Jahresabschluss wollen wir natürlich gewinnen. Bei der Nationalelf ist schließlich jedes Spiel wichtig."

[kaltura id="0_o2nlfvh7" class="full_size" title="Die Stimmen der DFB Elf"]

Nur Müller sorgt für Würze

Einzig Thomas Müller sorgte mit einigen flapsigen Bemerkungen für etwas Würze vor der Partie. Man brauche keinen einzigen der holländischen Asse, sagte der Bayern-Spieler der "Bild":

"Ihre größten Stars spielen in der Offensive, da sind wir selbst gut ausgestattet. Wir haben sogar die bessere Perspektive, weil wir jünger sind und schon auf sehr hohem Niveau spielen."

Zwar sei die Rivalität nicht mehr so wie vor 20 Jahren. "Aber auch heute weiß jeder in Deutschland, dass eine Partie gegen Holland mehr ist als ein Fußballspiel. Da ist es wichtig, dass wir gut aussehen. Ich erwarte ein enges und hitziges Spiel ? und das macht immer am meisten Spaß."

Van Bommel: "Kein Freundschaftsspiel"

Auch sein früherer Münchner Teamkollege Mark van Bommel freut sich auf einen echten Härtetest beim Wiedersehen mit den alten Kollegen.

"Freundschaftsspiele gibt es heute nicht mehr, schon gar nicht gegen Deutschland", erklärte der Ex-Kapitän des FC Bayern. "Das ist ein sehr spezielles Duell mit vielen Emotionen."

Doch so martialisch wie früher wird es so schnell nicht mehr werden, dazu haben vor allem van Bommel und seine Teamkollegen wie die verletzt fehlenden Robben und Rafael van der Vaart oder die Ex-Hamburger Nigel de Jong und Joris Mathijsen beigetragen.

Keine Ressentiments mehr

Einerseits, weil sie in der Bundesliga Werbung in eigener Sache machten. Und andererseits, weil sie in den Niederlanden ebenfalls maßgeblich zur Überwindung alter Klischees beitrugen.

"Für mich ist das Spiel gegen Deutschland nicht mehr beladen. Meine Generation denkt anders über die Deutschen als die ältere. Die WM 2006 hat den Ruf Deutschlands in den Niederlanden erheblich verbessert", sagte Mathijsen.

"Ich habe die echten Deutschen kennengelernt. Es sind sehr freundliche und höfliche Menschen."

Manuel Neuer hätte dem voll und ganz zugestimmt.

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