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Klaas-Jan Huntelaar wechselte 2010 vom AC Mailand zu Schalke 04 © getty

Vor dem Spiel gegen die DFB-Auswahl herrscht bei Oranje gute Laune. Der Schalke-Stürmer haut sich im Training voll rein.

Von Thorsten Mesch

Hamburg - Ausgesprochen gute Laune hatten die Niederländer beim Abschlusstraining vor dem Test gegen die deutsche Mannschaft am Dienstag in Hamburg (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) .

Beim Trainingsspiel ließen sie den Ball unter den Blicken von Bondscoach Bert van Marwijk mit schnellen Pässen zirkulieren, dann versenkte "Maskenmann" Klaas-Jan Huntelaar den Ball bei den Torschussübungen immer wieder im Tor.

Der Stürmer von Schalke 04 ging trotz seines Nasenbeinbruchs ohne Hemmungen zu Werke und jubelte nach einem seiner Tore zusammen mit seinem Teamkollegen Dirk Kuyt, als hätten sie gerade das EM-Finale gewonnen.

"Es ist wichtig, dass Huntelaar spielt", sagte van Marwijk auf der Pressekonferenz im Hamburger Stadion: "Es fehlen schon genug Leute."

Bayern-Ass Arjen Robben ist noch nicht fit, Barcelonas Ibrahim Affelay (Kreuzbandriss) fehlt schon lange, Rafael van der Vaart verletzte sich beim 0:0 gegen die Schweiz am Wochenende.

Arsenal-Torjäger Robin van Persie spielte gegen die Eidgenossen, wird aber in Absprache mit seinem Londoner Vereinscoach Arsene Wenger geschont.

Sneijder muss Training abbrechen

Am Montagabend trübte dann Wesley Sneijder die trotz der Ausfälle so gute Stimmung. Der Mittelfeldspieler fasste sich plötzlich an die Wade und musste das Training abbrechen.

Eine genaue Diagnose gab es zwar noch nicht, sein Einsatz ist aber stark gefährdet.

"Er hat etwas an der Wade, wir wollen seine Reaktion morgen abwarten", sagte van Marwijk. Sollte Sneijder ausfallen, könnte van Marwijk den 21 Jahre alten Luuk de Jong vom FC Twente testen.

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Egal mit welcher Formation van Marwijk sein Team auch aufs Feld schicken wird, der Vizeweltmeister und Weltranglistenzweite wird mit breiter Brust auflaufen.

"Die Deutschen haben eine starke Mannschaft. Sie fahren mit dem Gefühl zur EM, den Titel holen zu können?, hatte Sneijder im Vorfeld erklärt, "aber wir fahren mit dem gleichen Gefühl". (INTERVIEW: Löw: "Es sind nicht mehr viele Plätze frei")

"Deutschland als Vorbild nehmen"

Am Wochenende bekam die Euphorie jedoch einen leichten Dämpfer. Beim 0:0 gegen die Schweiz wurde das Team von Bondscoach Bert van Marwijk von den enttäuschten Zuschauern in Amsterdam ausgepfiffen.

"Unsere Landsleute wollen immer, dass wir schön spielen und 5:0 gewinnen", erklärte van Marwijk. "Wir müssen uns aber ab und zu Deutschland als Vorbild nehmen: Die können auch mal schlecht spielen und gewinnen."

[kaltura id="0_w019b8s1" class="full_size" title="L w Gegen Holland etwas Besonderes "]

Bei der WM setzte das Oranje-Team diese Vorgabe teilweise schon recht gut um. Die Leistungen von Sneijder und Co. waren in Südafrika keineswegs herausragend, dennoch gewannen sie Spiel um Spiel.

Besonders in der Vorrunde tat sich van Marwijks Mannschaft schwer, erst im Viertelfinale gegen Brasilien und im Halbfinale gegen Uruguay überzeugte die Elftal und zog ins Endspiel ein, während das DFB-Team nur das kleine Finale erreichte.

Mathijsen freut sich auf Rückkehr

In der EM-Qualifikation gewannen die Niederländer ihre Gruppe souverän.

Nur die Niederlage im letzten Spiel in Schweden verhinderte nach zuvor neun Erfolgen die weiße Weste, die allein die deutsche Auswahl behielt.

"Wir werden nach dem Spiel sehen, wer die beste von den beiden Mannschaften ist", meinte Joris Mathijsen.

Der Innenverteidiger, der im Sommer nach fünf Jahren beim Hamburger SV zum FC Malaga nach Spanien wechselte, freut sich auf die Rückkehr in seine alte Heimat, will der Partie aber keine allzu große Bedeutung beimessen.

"Für die EM sagt das wenig aus. Das Spiel ist nicht so wichtig. Wenn wir im Sommer dann irgendwann auf Deutschland treffen, kommt es zu den wichtigen Spielen - so wie 1988." 481780(DIASHOW: Deutschland - Niederlande: Die Duelle)

Der "Hunter" wird zu "Hannibal"

Der Sieg im EM-Halbfinale vor 23 Jahren im alten Hamburger Volksparkstadion und der anschließende Titel bis heute gleichbedeutend mit dem größten Erfolg der niederländischen Fußballer.

"Die Geschichte von 1988 kenne ich nur aus Erzählungen", meinte Huntelaar.

"Ich war damals fünf Jahre alt und konnte noch nicht ruhig vor dem Fernseher auf dem Sofa sitzen", erzählte der Torjäger von Schalke 04.

In Hamburg will der 28-Jährige unbedingt dabei sein.

Der "Hunter" wird mit einer schwarzen Gesichtsmaske spielen - was ihm von niederländischen Medien den Kampfnamen "Hannibal" in Anspielung auf den kannibalischen Mörder Hannibal Lecter aus dem Film "Das Schweigen der Lämmer" einbrachte.

Gefressen werden soll in Hamburg aber niemand, die Rivalität von einst ist längst einem respektvollen Umgang miteinander gewichen, dennoch bleibt die Partie ein Klassiker.

"Das Spiel ist etwas Besonderes. Das will ich mir nicht entgehen lassen", meinte Huntelaar.

Am Montag hat er sich schonmal für Deutschland warmgeschossen.

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