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Mesut Özil (M.) feierte im August 2006 sein Bundesligadebüt für den FC Schalke 04 © getty

Nach der DFB-Gala gegen die Niederlande muss sogar Bondscoach Bert van Marwijk einen Klassenunterschied zugeben.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Thorsten Mesch

Hamburg - Bert van Marwijks Auftritt vor den Journalisten nach dem Spiel war kurz 483094(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Der niederländische Bondscoach hatte in wenigen Sätzen alles gesagt zu der zuvor erlebten Demütigung erster Klasse.

"0:3 gegen den großen Nachbarn verloren, das tut weh", erklärte der ehemalige Dortmunder Trainer nach der zweithöchsten Niederlage gegen eine DFB-Auswahl (Spielbericht) in der Geschichte der "Elftal".

"Jetzt können sie auch noch Fußball spielen"

"Deutschland ist unglaublich stark im umschalten. Das konnten sie früher schon, aber jetzt können sie auch noch Fußball spielen."

Es waren Worte, die besonders beim Gastgeber nachhallten. Denn in den 15 Jahren seit dem letzten deutschen Sieg im April 1996 hatten die Niederländer die Überzeugung ihrer fußballerischen Überlegenheit förmlich kultiviert.

Von daher war es aus deutscher Sicht ein beinahe historischer Abend, denn die vor rund zehn Jahren noch so bestaunten Gäste wurden von der Löw-Elf nach allen Regeln der Kunst auseinander genommen.

Offensiv-Trio spielt Katz und Maus

Allen drei Toren durch das überragende Offensiv-Trio Thomas Müller (15.), Miroslav Klose (26.) und Mesut Özil (66.) gingen glänzende Spielzüge voraus, die an das Spiel von Hase und Igel oder auch Katz und Maus erinnerten.

"Der ganzen Mannschaft hat das Spiel viel Spaß gemacht. Die Niederländer hatten keine Chance", erklärte Mittelfeldregisseur Özil 483095(DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik).

"Wir haben gezeigt, dass diese junge Mannschaft viel Potential hat und um den EM-Titel mitspielen kann."

So sah es auch van Marwijk. "Die Deutschen haben ein sehr starkes Team, viel stärker als wir", sagte er, verwies allerdings auch zu Recht auf die Ausfälle wichtiger Stammkräfte wie Arjen Robben, Rafael van der Vaart und Robin van Persie.

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EM-Favoritenrolle untermauert

Doch da die Defensiv-Formation des Vize-Weltmeisters und Weltranglisten-Zweiten komplett war und auch bei der DFB-Elf die beiden Anführer Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm fehlten, war die Gala vor den begeisterten Hamburger Fans ein echtes Ausrufezeichen.

"Deutschland hat im Moment so viele gute Spieler und gehört sicherlich mit Spanien zu den Top-Favoriten", musste van Marwijk zugeben.

Löw bleibt zurückhaltend

Joachim Löw wollte diese Einschätzung erwartungsgemäß nicht teilen. "Das sind Testspiele, da sind die Ergebnisse zweitrangig. Das 3:0 ist schön, aber bei einem 2:2 wäre ich auch nicht nervös geworden?, sagte der Bundestrainer nach seinem 75. Länderspiel:

"Wenn morgen die EM anfangen würde, wäre ich froh, da wir in einer hervorragenden Verfassung sind. Aber bis dahin kann sich noch viel verändern."

Dennoch: Die Basis für den ersten Titel seit dem EM-Triumph 1996 ist gelegt, das machte die Vorstellung überdeutlich.

Luxus-Probleme in der Offensive

In der Offensive hat Löw gleich mehrere Luxus-Probleme, das zeigt exemplarisch das Duell um den Platz im Angriff zwischen Bundesliga-Tormaschine Gomez und Routinier Klose.

Der 33-Jährige, von dessen Knieproblemen überhaupt nichts mehr zu merken hat, sprühte in seinem 113. Länderspiel vor Energie und robbte sich mit seinem 63. Tor im DFB-Trikot weiter an die "ewige" Bestmarke von Gerd Müller (68) heran.

[kaltura id="0_pf9b3lju" class="full_size" title="Die Stimmen nach dem Spiel"]

Dahinter zauberten Müller, Özil und Toni Kroos, während der starke Sami Khedira die gegenüber dem Abwehrchaos beim 3:3 in der Ukraine wesentlich stabilere Defensive zusammenhielt.

"Holländer waren offenbar überfordert"

"Die Basis war eine sehr gute Organisation und eine sehr gute Disziplin in der Defensive", meinte Löw. "Wir haben mit viel Spielfreude und Leichtigkeit gespielt und kombiniert, womit die Holländer offenbar überfordert waren."

Entsprechend breit war die Brust seiner Spieler nach dem Spielende. "Die Leistung gibt uns natürlich Sicherheit und ist ein weiterer Schritt in Richtung EM-Titel. Bis dahin müssen wir trotzdem noch gewisse Dinge abstimmen und verfeinern", sagte Khedira zu SPORT1.

Großes Lob fürs Kollektiv

Auch Löw sieht noch individuelle Steigerungsmöglichkeiten, machte dem Kollektiv nach dem besten Länderspiel des Jahres aber ein großes Lob: "Wir spielen Fußball mit einer extrem guten Spielkultur."

Nach dem ersten Sieg zum Jahresabschluss seit 2004 (5:1 in Thailand) und angesichts von zehn Siegen in zehn EM-Qualifikationsspielen und nur einer Niederlage 2011 im Test gegen Australien im März (1:2) fiel das Fazit des DFB-Chefcoachs erwartungsgemäß positiv aus.

"Die Entwicklung seit der WM 2010 war sehr gut. Ich bin besonders mit der Konstanz zufrieden. Wir haben kontinuierlich unsere Leistung abgerufen und sind auf einem guten Weg, das ist für mich befriedigend."

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