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Van der Weel, Heitinga und Braafheid (v.l) konnten die Löw-Offensive nicht stoppen © getty

Nach der Demontage gegen Deutschland üben die niederländischen Medien beißende Kritik. Sneijder nennt den Auftritt "peinlich".

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Thorsten Mesch

Hamburg - Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: 483094(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Die 0:3-Pleite gegen Erzrivale Deutschland sorgte in den Niederlanden für ein verheerendes Echo (Nachbericht).

"Deutschland war ein harmonisches Orchester, die Niederlande eine angetrunkene Blaskapelle ohne Dirigenten", kommentierte die Zeitung "De Volkskrant".

Und weiter: "Oranje hat sein Ansehen in der Fußball-Welt mit einer so verpfuschten Partie besudelt, wie sie in den letzten Jahren nur selten gezeigt wurde."

Niederländische Medien sehen Klassenunterschied

"Oranje chancenlos", titelte "De Telegraaf" und schrieb von einem Klassenunterschied:

"In Hamburg haben unsere Nachbarn die Mannschaft von Bondscoach Bert van Marwijk mit einem äußerst bissigen und schnellen Spiel deklassiert."

So sahen es auch die einstigen Superstars. "Deutschland war in allen Situationen Herr und Meister", sagte Ex-Nationalcoach Marco van Basten, der im EM-Halbfinale 1988 an gleicher Stelle das 2:1-Siegtor gegen die DFB-Auswahl erzielt hatte.

Und der damalige Kapitän Ruud Gullit erklärte: "Die Niederlande sind heute weggespielt worden. Es ist schwer, das einzustehen."

Im Team des Vize-Weltmeisters machte man sich daher gar nicht erst die Mühe, die Demontage im Prestigeduell schönzureden.

Zwar verwies van Marwijk auf fehlende Stammkräfte wie Arjen Robben, Rafel van der Vaart und Robin van Persie.

"Das war peinlich"

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Aber er gab zu: "Das war ein peinliches Spiel von uns." Genauso bewertete Wesley Sneijder die Vorstellung des Weltranglisten-Zweiten. "Das war peinlich", meinte der Inter-Star.

Auch der in der Sturmspitze abgemeldete Klaas-Jan Huntelaar gab die Unterlegenheit der "Elftal" im Gespräch mit SPORT1 unumwunden zu.

"Wir haben nicht gut gespielt und das Spiel zu einfach verloren", sagte der Schalker (Spielbericht).

Der nach seinem Nasenbeinbruch mit Gesichtsmaske spielende Huntelaar versuchte die Niederlage aber als Dämpfer zur rechten Zeit zu sehen:

"Das ist ein Zeichen für uns, dass wir uns in den nächsten Monaten verbessern müssen und zu Beginn der EM weiter sein müssen, als wir es jetzt sind."

[kaltura id="0_pf9b3lju" class="full_size" title=" Holland in Grund und Boden gespielt "]

Van Bommel wortkarg

Wesentlich wortkarger gaben sich ausgerechnet die bis zur Vorsaison in der Bundesliga tätigen Joris Mathijsen und Mark van Bommel, der jeglichen Kommentar auf deutsch verweigerte.

Der 33 Jahre alte Ex-Bayern-Kapitän steht exemplarisch für das in die Jahre gekommene Team, bei dem vom exzellenten Nachwuchs früherer Zeiten derzeit nichts zu sehen ist.

Stattdessen muss van Bommel die anfällige Defensive zusammenhalten, was dem Milan-Profi immer seltener gelingt 483095(DIASHOW: Das DFB-Team in der Einzelkritik).

Die Viererkette mit dem Hoffenheimer Edson Braafheid genügt höchsten Ansprüchen nicht und wurde bei allen drei Gegentreffern von der deutschen Offensive schwindelig gespielt.

"Deutschland spielte so, wie die niederländische Elftal das gern tun möchte: dominant, kreativ und angriffslustig", schrieb das "Algemeen Dagblad".

Huntelaar sieht keinen Rückschritt

Hinten wackelig, nach vorne ohne Ideen: Die Gäste sind in der Form von Hamburg alles andere als ein EM-Favorit. Doch Huntelaar wollte trotz des dritten sieglosen Spiels in Folge nichts von einem Rückschritt wissen.

"Das war heute nur ein Spiel", sagte er SPORT1. "Das Schöne am Fußball ist, dass wir im nächsten Spiel schon wieder zeigen können, was wir drauf haben."

Das muss die Oranje-Elf wohl auch, sonst dürften die kritischen Stimmen in der Heimat wohl zu einem Orkan anschwellen.

Schon am vergangenen Freitag beim dürftigen 0:0 gegen die Schweiz war das Team in Amsterdam mit einem Pfeifkonzert verabschiedet worden.

Van Marwijk selbstkritisch

"Die letzten beiden Spielen sagen viel über die holländische Mannschaft", sagte van Marwijk selbstkritisch, versuchte aber das Positive in der Demontage zu erkennen:

"Es ist gut für uns für die EM, dass wir das jetzt wissen und nicht erst in einem halbe Jahr."

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