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In der Bundesliga feierten Jürgen Klinsmann (l.) und Markus Babbel kürzlich ein Wiedersehen © imago

Ob Bayern-Coach oder DFB-Sportdirektor - die Europameister von 1996 blieben dem Fußball in zentralen Positionen erhalten.

München - Vor zwölfeinhalb Jahren waren Jürgen Klinsmann, Matthias Sammer und Oliver Bierhoff die Garanten für den deutschen EM-Triumph 1996 in Wembley, inzwischen agiert das Trio als Weichensteller im deutschen Fußball.

Niemand aus dem 23-köpfigen EM-Kader des damaligen Bundestrainers Berti Vogts hat auch nur annähernd so Karriere gemacht wie diese Troika. Dabei lautete das Vogts'sche Credo damals: "Der Star ist die Mannschaft!"

Rückblickend stimmt das nur bedingt, denn Klinsmann, Sammer und Bierhoff waren die Garanten für den 2:1-Erfolg in der Verlängerung im Endspiel der EURO gegen Tschechien.

So machte der eingewechselte Oliver Bierhoff mit seinem legendären Golden Goal und seinem Doppelpack im Wembley-Stadion den Triumph perfekt.

Kapitän Klinsmann nahm damals aus den Händen von Königin Elizabeth II. die EM-Trophäe in Empfang, während Sammer den Takt angab und am Jahresende auch völlig zu Recht als letzter Deutscher zu Europas Fußballer des Jahres gekürt wurde.

Babbel: Kein Zufall

Alle EM-Titelträger von 1996 sind dem Fußball auf die eine oder andere Weise bis heute verbunden geblieben.

Ein Chefrolle hat erst vor kurzem Markus Babbel übernommen. Er fungiert ohne Fußballlehrer-Lizenz als Teamchef des Bundesligisten VfB Stuttgart und trat die Nachfolge von Armin Veh an.

"Ich weiß nicht, ob es Zufall ist. Als Spieler zumindest waren wir alle sehr gut, deshalb wundert es mich nicht, dass alle an verantwortlichen Stellen mitmischen", sagte Babbel in den "Stuttgarter Nachrichten" über den EM-Kader von 1996.

Vom Verletzungspech gebeutelt

Der Triumph von Wembley war der krönende Abschluss für eine Energieleistung der deutschen Auswahl, die durch Verletzungspech gehandicapt am Ende sogar den Freiburger Jens Todt (heute Nachwuchsleiter beim Hamburger SV) zum Finale nachnominieren durfte.

Es gab sogar den Notplan, dass die Ersatztorhüter Oliver Kahn (heute ZDF-Experte) und Oliver Reck (heute Torwarttrainer bei Schalke 04) als Feldspieler aushelfen sollten. 48590(DIASHOW: Was die EM-Helden heute machen)

So entstand eine verschworene Gemeinschaft, die allen Widerständen zum Trotz im Fußball-Mutterland triumphierte und im Halbfinale auch Gastgeber England im Elfmeterschießen bezwang.

Klinsmann sorgt für neue Strukturen

Und die Beharrlichkeit und das Durchsetzungsvermögen, die Klinsmann, Bierhoff und Sammer damals auf dem Platz auszeichneten, kommt ihnen auch heute noch zugute.

Klinsmann entschied sich nach seinem zweijährigen Intermezzo als Bundestrainer bei der Sommermärchen-WM 2006 bei seinem ersten Engagement im Vereinsfußball für die beste Adresse, Bayern München.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten greift nun das System Klinsmann, der wie schon zvor beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch den Bayern neue Strukturen und neue Inhalte vermittelt.

Überschwängliches Lob für Sammer

Interessanterweise wollte Klinsmann als Bundestrainer den DFB-Sportdirektor Sammer verhindern, stattdessen sollte der ehemalige Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters für frischen Wind im Verband sorgen.

Stattdessen schenkte der Verband aber dem ehemaligen Dortmunder Meistertrainer Sammer als Sportdirektor das Vertrauen und verlängerte inzwischen bis 2013 mit dem einstigen "Feuerkopf".

"Wir setzen ganz große Hoffnungen auf Matthias Sammer. Er ist ein tolles Gesicht für uns. Er hat Mut, es ist ein völlig anderer Zug drin", lobte DFB-Boss Theo Zwanziger fast überschwänglich.

Bierhoff zofft sich mir Ballack

Und auch Bierhoff leistet als Nationalmannschaftsmanager seit 2004 allseits anerkannte Arbeit im Umfeld des dreimaligen Welt- und Europameisters.

Viel Profil erwarb sich der EM-Held ausgerechnet durch seine Auseinandersetzung mit Kapitän Michael Ballack bei der EURO 2008, mit dem er nach dem mit 0:1 verlorenen Finale gegen Spanien aneinandergeraten war und nicht klein beigab. (Dauer-Fehde zwischen Bierhoff und Ballack)

"In sich gefestigte Charaktere"

In DFB-Diensten steht als Bundestorwarttrainer auch Andreas Köpke. Beim Verband amtierte auch lange Zeit Dieter Eilts als U21-Coach, ehe der Vertrag Anfang November 2008 gelöst wurde.

Der "Ostfriesen-Alemao" ist nun Chefcoach des Zweitligisten Hansa Rostock. Eilts lobt die Europameister von 1996 als "ungewöhnlich reife Mannschaft" mit "in sich gefestigten Charakteren".

Sportdirektoren und TV-Moderatoren

So avancierte Stefan Kuntz zum Chef des Traditionsvereins 1. FC Kaiserslautern, während Andreas Möller (Kickers Ofenbach) und Jürgen Kohler (VfR Aalen) sowie Thomas Strunz (Rot-Weiß Essen) Sportdirektoren bei Drittligisten bzw. einem Viertligist sind.

Als TV-Experten verdingen sich hingegen Kahn, Mehmet Scholl, Fredi Bobic und Marco Bode, während sich Thomas Helmer sogar zum DSF-Moderator aufgeschwungen hat.

Vogts trainiert den Weltranglisten-134.

Arbeitslos ist seit Mitte Dezember Christian Ziege, nachdem er als Co-Trainer des Bundesliga-Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach seinen Rücktritt erklärte, zwischenzeitlich hatte auch er schon den Posten des Sportdirektors bei den "Fohlen" bekleidet.

Ach ja, der EM-Coach Vogts ist auch noch aktiv, er betreut die Nationalmannschaft Aserbaidschans, den 134. der FIFA-Weltrangliste.

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