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Joachim Löw steht vor seiner zweiten EM-Endrunde als Bundestrainer © getty

Joachim Löw tankt Kraft für ein anstrengendes Jahr. Nach zwei bitteren Pleiten soll Spanien bei der EM endlich gestürzt werden.

München - Ein paar Tage in der Sonne, Handy abschalten, Akkus aufladen.

Joachim Löw entspannt zu Jahresbeginn im Urlaub mit seiner Ehefrau Daniela - aber die Gedanken des Bundestrainers werden ab und an abschweifen zum 11. Mai, dem Tag, an dem spätestens wieder der Stress sein Leben bestimmen wird.

Es ist ein Freitag, an dem die "wichtigsten Wochen des Jahres" beginnen:

Löw wird mit seinem Kader an diesem Tag zur EM-Vorbereitung nach Sardinien fliegen, er wird beweisen müssen, dass er mit der deutschen Nationalmannschaft nicht nur schön spielen, sondern auch Pokale gewinnen kann.

Deutsches Team unter Druck

"Die Sehnsucht nach einem Titel ist bei uns allen so groß wie noch nie", sagte Löw der "Welt am Sonntag" mit Blick auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli).

Denn er weiß: Die Erfolge in der EM-Qualifikation und die neue Spielkultur im deutschen Fußball werden nicht viel wert sein, wenn es beim Turnier schiefgeht.

"Das ist das Problem eines Trainers", sagte Löw in der "Bild am Sonntag":

"Du hast ein Spiel gewonnen, die Mannschaft hat geglänzt. Ein Trainer kann sich darüber nur kurz freuen, weil dann sofort die nächste Aufgabe ansteht. Es fehlt die Zeit, alles zu genießen."

2012 soll Löws Jahr werden

Leicht irritiert hat der Bundestrainer zuletzt zur Kenntnis genommen, dass er vom Fachmagazin "kicker" zum Mann des Jahres erhoben wurde. In einem Jahr ohne Turnier, also auch ohne Titel.

2012 soll das Jahr werden, in dem sich Joachim Löw endlich für seine jahrelange Akribie belohnt.

"Wir sind einige Male knapp gescheitert", sagte er und dachte dabei wohl an die Niederlagen gegen Spanien im EM-Finale 2008 und WM-Halbfinale 2010.

"Es waren Kleinigkeiten und Fehler, die uns um die Titelchance gebracht haben."

Titel fast schon Pflicht

2012 soll es klappen, fast muss es klappen.

Als großer Nationaltrainer wird nur der in Erinnerung bleiben, der Titel nach Hause bringt.

"Ich freue mich auf die EM", sagt Löw trotz des täglich steigenden Drucks, "ein Turnier kostet zwar viel Kraft und Energie, aber über allem steht die Herausforderung".

Löw denkt über EM hinaus

Joachim Löw ist es aber zu kurz gedacht, den Fokus allein auf die EM zu legen.

"Wir machen einen Fehler, wenn wir alles nur auf die EM ausrichten. Wir können nicht alles an der EM festmachen. Klar ist es wichtig, dass wir den Titel anstreben. Aber wir dürfen die Zukunft nicht aus den Augen lassen."

"Können jeden Gegner schlagen"

Der Blick in die Vergangenheit bringt Erfreuliches - Löw bewertet die Entwicklung seiner Mannschaft fast uneingeschränkt positiv.

"Wir sind jetzt fußballerisch auf einem Niveau, auf dem wir jeden Gegner der Welt schlagen können", sagte der 51-Jährige. Also auch Spanien.

Und zwar "nicht durch Einsatz und Laufen, sondern durch spielerische Qualität".

Defensive muss besser werden

Doch es ist noch nicht alles Gold, was glänzt.

"Unser Spielstil ist zwar extrem gut geworden. Aber die Automatismen greifen lange nicht so gut, wie das bei anderen Nationen der Fall ist. Zudem brauchen wir eine viel bessere Defensivleistung als gesamte Mannschaft", sagte Löw.

Der Bundestrainer liegt deshalb aber nicht unruhig in der Sonne: "Ich habe eine große Auswahl an großartigen Spielern."

Gelingt es, sie perfekt abzustimmen, könnte 2012 das Jahr des Joachim Löw werden.

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