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2008 feiert Wiese sein Nationelf-Debüt im Klassiker gegen England. Für die DFB-Elf hütet Wiese sechs Mal das Tor - einen Sieg feiert er nie
Tim Wiese bestritt bislang fünf A-Länderspiele für Deutschland © getty

Wiese darf gegen Frankreich vor Bremens Fans ran. Seine Zukunft steht aber in den Sterne, Werder-Boss Allofs bleibt cool.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Bremen - Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Mittwochabend (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) im Weserstadion auf Frankreich trifft, geht für Tim Wiese ein Traum in Erfüllung.

Der Bremer Torhüter darf von Beginn an ran, das bestätigte Co-Trainer Hansi Flick bei der DFB-Pressekonferenz am Dienstag.

"Wir gehen davon aus, dass er 90 Minuten spielen wird, so sind unsere Planungen", sagte Flick:

"Für ihn ist es wichtig, sich noch einmal zu zeigen, gerade vor dem eigenen Publikum." (521749DIASHOW: Der Kader für das Frankreich-Spiel)

Für den Werder-Torhüter wird die Partie sicherlich einer der Höhepunkte seiner Nationalmannschafts-Karriere.

Hoffnungen erfüllen sich

Schon vor der Entscheidung hatte sich Wiese optimistisch geäußert. "Ich habe keine Garantien vom Bundestrainer bekommen, aber ich sehe dennoch Chancen auf dem Platz zu stehen", sagte er hoffnungsvoll:

"Hier im eigenen Stadion mein nächstes Länderspiel zu bestreiten, wäre natürlich großartig."

Letztlich bestätigte sich auch die Hoffnung von Werder-Boss Klaus Allofs, dass Wiese "nicht nur auf ein paar Einsatzminuten" komme, "sondern dass er 90 Minuten spielen wird".

Zukunft von Wiese noch offen

Der EM-Härtetest gegen den zweimaligen Europameister könnte jedoch auch der vorerst letzte Auftritt des gebürtigen Rheinländers auf der ganz großen internationalen Bühne sein.

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Für die EM-Endrunde ist Neuer bei Löw als Nummer eins gesetzt. Wiese wird mit großer Wahrscheinlichkeit als Nummer zwei dabei sein, doch wohin sein Weg nach dem Turnier führen wird, steht noch in den Sternen.

Sein Vertrag in Bremen, wo er 2005 nach Werders Double-Saison Nachfolger von Andreas Reinke wurde und seitdem zu den Leistungsträgern gehört, läuft Ende Juni aus. Er würde gerne bleiben, aber auch gerne mehr Geld bei Werder verdienen.

Allofs will bis April Klarheit schaffen

"Es ist so, dass er bis April Klarheit haben möchte. Bis April werden wir ganz sicher wissen, wo der Weg hingeht", erklärte Allofs am Wochenende bei "Sky".

"Tim Wiese hat hier tolle Jahre gehabt und er ist auch einer, der beim Publikum sehr beliebt ist. Ich glaube schon, dass wir eine Vertragsverlängerung anstreben sollten", signalisiert der Werder-Boss das Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit.

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Der Verein werde "alles versuchen", Wiese zu halten. "Das klare Ja" zur Vertragsverlängerung könne er jedoch nicht geben, "und so ehrlich bin ich dann auch", meinte Allofs, "weil ich nicht weiß, was wirtschaftlich möglich sein wird und weil ich nicht weiß, wie die Vorstellungen von Tim Wiese sein werden."

Mielitz als neue Nummer eins?

Welche Summe sich Wiese konkret vorstellt, hat er bisher nicht verraten. Doch eins ist klar: Der 30-Jährige steht vor seinem vermutlich letzten "großen Vertrag" und will sich finanziell für die Zukunft absichern.

Ob diese in Bremen liegt, ist trotz gegenseitiger Sympathiebekundungen völlig offen.

Bei Werder laufen neben Wieses noch zwölf weitere Verträge aus. Allofs und Schaaf basteln an einer Mannschaft mit vielen jungen Spielern und wähnen sich auf der Torwartposition mit Sebastian Mielitz gut besetzt.

Der 22-Jährige hat Wiese schon mehrmals gut vertreten und hat das Zeug, auf Dauer die Nummer eins zu werden.

Wechsel ins Ausland?

Sollte Wiese Bremen verlassen, bliebe die Frage nach seinem zukünftigen Verein. In der Bundesliga sind fast alle Klubs mit guten Keepern ausgestattet, vorstellbar wäre ein Wechsel zum VfL Wolfsburg - oder ins Ausland.

Gegen Frankreich kann sich Wiese auf der großen Bühne empfehlen, bei seinem letzten Länderspiel über 90 Minuten beim 2:2 in Polen hatte er jedoch kaum Gelegenheiten, sich auszuzeichnen.

Und mit Ron-Robert Zieler und den beiden in die U-21-Auswahl des DFB aufgestiegenen Marc-Andre ter Stegen und Bernd Leno sitzen dem Routinier gleich drei aufstrebende Torhüter im Nacken.

Ter Stegen und Leno drängen

"Die jungen Torhüter wie ter Stegen oder Leno haben eine etwas andere Spielweise, agieren weiter weg von der Torlinie und damit auch mit etwas mehr Risiko", erklärte Löw.

"Aber Tim ist schon viele Jahre sehr, sehr fest bei uns und dabei in unserer Bewertung auch sehr, sehr gut weggekommen. Er spielt seit Jahren sehr konstant mit großer Zuverlässigkeit", lobte der Bundestrainer Wieses Qualitäten.

Die Partie am Mittwoch im Weserstadion könnte dennoch nicht nur eins seiner letzten Heimspiele in Bremen, sondern vielleicht schon Wieses letzter großer Auftritt im Nationaltrikot sein.

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