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Mathieu Debuchy (r.) und Mesut Özil tragen in Zukunft dasselbe Trikot
Mesut Özil von Real Madrid (l.) hat das Nachsehen gegen Frankreichs Debuchy © getty

Misslungener Aufgalopp der Nationalmannschaft ins EM-Jahr: Die Löw-Elf von bissigen Franzosen zwei Mal kalt ausgekontert.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar und Thorsten Mesch

Bremen - Ernüchternder Auftakt ins EM-Jahr für den selbst ernannten Turnierfavoriten:

Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen Frankreich einen Fehlstart hingelegt und ihre schwarze Serie gegen die "Equipe Tricolore" nicht beenden können.(525009DIASHOW: Bilder des Spiels)

Im einzigen Länderspiel vor der unmittelbaren Vorbereitung auf die Endrunde in Polen und der Ukraine im Sommer unterlag der Vize-Europameister von 2008 verdient mit 1:2 (0:1).

"Wenn man ein Spiel verliert, ärgert man sich. Ich ärgere mich aber auch ein bisschen darüber, wie wir es verloren haben", sagte der sichtlich unzufriedene Bundestrainer Joachim Löw:

"Im Laufe des Spiels war uns Frankreich spielerisch überlegen. Im zweiten Durchgang haben wir nicht mehr zu unserem Spiel gefunden. Deshalb war es verdient, dass Frankreich gewonnen hat."

Auch Thomas Müller ärgerte sich: "Über so ein Spiel kann man noch viel sprechen. Es war ein bisschen undiszipliniert. In der zweiten Halbzeit hatten wir eine bisschen eine zweigeteilte Mannschaft. Wir haben die Verteidigung schön alleine gelassen."

Seit 1987 ohne Sieg gegen Frankreich

Damit wartet die DFB-Auswahl seit August 1987 auf einen Sieg gegen die Franzosen, die vor 37.800 meist enttäuschten Zuschauern im ausverkauften Bremer Weser-Stadion durch Olivier Giroud (21.) und Florent Malouda (69.) zum insgesamt elften Sieg im 24. Duell mit Deutschland kamen.

Der Anschlusstreffer durch den eingewechselten Cacau in der Nachspielzeit nach Flanke von Müller kam zu spät.

Insgesamt machten sich bei der Löw-Elf die Ausfälle mehrerer Stammkräfte wie Spielführer Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski deutlich bemerkbar.

Immerhin standen in der Startformation , die in den neuen DFB-Auswärtstrikots wie Werder Bremen in grün auflief, ein aktueller und zwei ehemalige Werder-Profis: Neben Tim Wiese im Tor der jetzige Real-Profi Mesut Özil und Ersatz-Kapitän Miro Klose.

Temporeicher Beginn

Bei nahezu optimalen äußeren Bedingungen legten beide Teams mit dem Anpfiff den Vorwärtsgang ein.

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Doch bei den Gastgebern kam trotz Feldüberlegenheit und einiger schöner Kombinationen der letzte Pass zunächst nicht an.

Dagegen besaßen die Franzosen nach Eckstößen die ersten guten Chancen: Erst köpfte Philippe Mexes freistehend vorbei (10.), dann parierte Wiese mit einem starken Reflex den Kopfstoß von Yohan Cabaye (16.).

Aogo beim Gegentor ausgespielt

Fünf Minuten später dann sogar die nicht mal unverdiente Führung der Gäste: Dennis Aogo ließ sich von Mathieu Debuchy vernaschen, dessen Hereingabe verwandelte Giroud sicher.

Es war die Konsequenz auf den Unsicherheiten und Abstimmungsfehlern in der deutschen Defensive.

Dagegen stand die französische Mannschaft, die sich teilweise sehr weit fallen ließ, trotz der deutschen Dominanz meist sicher.

Lloris und der Pfosten retten Frankreich

Erst in der 32. Minute kamen die Platzherren wieder zum Torabschluss, doch Klose rutschte nach schönem Pass von Reus beim Schuss weg und Gästekeeper Hugo Lloris konnte klären.

Keine zwei Minuten später rettete der starke Kapitän im französischen Kasten erneut vor dem frei stehenden Klose, und kurz darauf köpfte Holger Badstuber aus spitzem Winkel an den Pfosten.

Und in der 41. Minute scheiterte Klose nach herrlichem Gegenstoß über Özil und Khedira wieder aus bester Position an Lloris, weil Cabaye ihn im letzten Moment störte.

Schürrle an der Nase verletzt

Kurz vor dem Pausenpfiff kam Müller ins Spiel, nachdem Andre Schürrle nach einem Ellbogenschlag von Debuchy mit einer Abscherung am Nasenknorpel ausgewechselt werden musste.

Ein Einsatz des Leverkuseners am Samstag gegen Bayern München soll aber laut DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit einer Gesichtsmaske möglich sein.

Dann schoss Özil in der Nachspielzeit aus 20 Metern nach Pass von Kroos knapp vorbei. Der Ausgleich lag in der Luft - aber bis zur Halbzeit fiel er nicht mehr.

Auch Ribery und Klose zur Pause raus

Zur zweiten Hälfte brachte Löw Benedikt Höwedes für Badstuber und Mario Gomez für den glücklosen Klose, bei den Franzosen wurde der offenbar angeschlagene Ribery von Jeremy Menez ersetzt.

Dem deutschen Spielfluss taten die Wechsel nicht gut, stattdessen übernahmen die "Bleues" mehr und mehr das Kommando. Bei einem 18-Meter-Schuss von Giroud musste der gute Wiese sich ganz lang machen (58.).

Auf der Gegenseite war spätestens beim starken Lloris Endstation, so bei Distanzschüssen von Marco Reus (57.) und Özil (60.).

Vielmehr hatte Valbuena sogar das 0:2 nach grobem Patzer von Müller und Flanke von Mexes auf dem Fuß, schoss aber knapp vorbei (64.).

Entscheidung durch Malouda

Fünf Minuten später war es dann aber so weit: Wieder sah Aogo auf links gegen Debuchy ganz alt aus und dessen Hereingabe staubte der eingewechselte Malouda im Nachsetzen zum 2:0 ab.

Wiese kam noch an den Ball, konnte ihn aber nicht mehr übers Tor lenken.

Der Nackenschlag saß, den Deutschen fiel in der verbleibenden Spielzeit trotz stetigem Bemühen kaum mehr etwas ein.

Auf der Gegenseite traf sogar der ebenfalls eingewechselte Louis Saha, das Abseits verhinderte aber ein Debakel für die DFB-Elf (82.).

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