

Nur noch ein Stück entfernt vom Glück
Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch
Charkow/Danzig - Zwei Spiele, sechs Punkte, Platz eins in der "Todesgruppe".
Es war ein fast perfekter Abend für die deutschen Nationalmannschaft in Charkow.(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
"Jetzt haben wir Portugal und die Niederlande geschlagen und natürlich eine gute Ausgangsposition, das Tor zum Viertelfinale weit aufgestoßen", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem 2:1 (2.0) gegen die Niederlande ( Spielbericht):
"In der sogenannten Todesgruppe sechs Punkte zu haben, das ist eine gute Leistung", erklärte Löw.
Ein Punkt fehlt noch
Eine gute Leistung ja, aber trotz der zwei Tore von Mario Gomez (24., 38. Minute) noch nicht sicher das Ticket für das Viertelfinale.
Um die K.o.-Runde zu erreichen, benötigt Löws Mannschaft am Sonntag im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark noch einen Punkt. (SERVICE: Der EM-Rechner)
Doch darüber wollte sich unmittelbar nach dem zwar verdienten, aber hart erkämpften Sieg gegen den Erzrivalen niemand den Kopf zerbrechen. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
Starke Abwehrleistung
"Ich fand absolut klasse, wie gut unsere Mannschaft defensiv gearbeitet hat", lobte Löw die Abwehrleistung seines Teams.
"Wir haben die starke Offensive der Holländer mit den vier, fünf Topleuten weitgehend aus dem Spiel genommen. Denen ist wenig eingefallen."
Im Gegensatz zum Auftaktspiel präsentierte sich nicht nur die Defensive, sondern auch die Kreativabteilung in guter Verfassung.
"Es hat nicht alles geklappt, aber es war viel besser als gegen Portugal", analysierte Kapitän Philipp Lahm.
Gomez wehrt sich gegen Kritiker
Vor allem Gomez gab die richtige Antwort auf die Kritik der vergangenen Tage, bewegte sich besser als im ersten Spiel und erzielte zwei wunderschöne Tore. Für das DFB-Team ein Segen, für den Torschützen eine Bestätigung und Genugtuung.
"Wenn du das entscheidende Tor schießt und kriegst dann drei Tage nur auf die Fresse, dann ist das nicht schön", gestand Gomez offen ein: "Das war Druck ohne Ende, ich habe mich gefühlt, als hätte ich 100 Kilo auf den Schultern." ( Bericht: Gomez kontert Kritiker)
Sein ausbleibender Torjubel hatte damit angeblich aber nichts zu tun. Vielmehr habe er seine Treffer eben vor der Kurve der holländischen Fans geschossen.
"Ich bin losgelaufen auf die Kurve, aber da war alles orange. Deshalb bin ich umgedreht und in Ruhe zu meinen Kollegen gelaufen", erinnerte sich der "Man of the Match".
Der Bundestrainer, der Gomez erneut den Vorzug vor Miroslav Klose und damit einen Vertrauensbeweis gab, lobte den Bayern-Stürmer.
"Man muss ihn nicht lange aufrichten, er findet seinen Weg immer selbst", sagte Löw: "Wieder hat er aus zwei Chancen zwei Tore gemacht. Das ist schon klasse, wie er die Tore macht."
Schweinsteiger steigert sich
Auch Bastian Schweinsteiger widerlegte die Kritiker der vergangenen Tage eindrucksvoll und bereitete beide Treffer mit punktgenauen Pässen vor. "Wir sind froh, dass wir gewonnen haben", sagte Schweinsteiger:
"Es war nicht einfach. Wir mussten viel dafür arbeiten, das haben wir getan."
Ebenso sehenswert wie Gomez' Tore, waren die beiden herrliche Zuspiele des Münchner Mittelfeldspielers.
Löw beeindruckt
"Schweinsteiger hat ein absolutes Klassespiel gemacht", lobte Löw seinen Strategen.
Anders als gegen Portugal, als er phasenweise wie ein Hemmschuh für das Offensivspiel gewirkt hatte, war Schweinsteiger gegen die Niederlande die bestimmende Figur im deutschen Spiel.
Im Spiel nach hinten setzte der 27-Jährige ebenfalls wichtige Akzente.
"Er und Khedira haben weitestgehend den spielerisch überragenden Sneijder aus dem Spiel genommen. Ich bin mit beiden sehr zufrieden", meinte Löw.
Verschlafene Anfangsphase
Dabei hatte es zu Beginn des Spiels sogar etwas geholpert. Deutschland überließ den Niederländern den Ballbesitz und hatte Glück, dass Robin van Persie seine ersten beiden Chancen nicht nutzte.
Das DFB-Team verzeichnete zunächst nur einen Weitschuss an den Pfosten durch Mesut Özil und kam erst nach 20 Minuten besser in die Partie, um dann nach der Führung die Partie bis in die Schlussphase hinein klar zu kontrollieren.
Einzig Lukas Podolski fiel etwas ab, bekam aber Lob für seine Abwehrleistung auf der linken Seite.
"Man muss sagen, dass Lukas sehr, sehr gut in der Defensive gearbeitet hat", lobte Lahm seinen Vordermann auf der linken Seite.
Deutschland verpasst nachzulegen
Trotzdem machte es die deutsche Mannschaft nochmal unnötig spannend. Nachdem der gute Mats Hummels in der zweiten Halbzeit die Möglichkeit zum 3:0 vergeben hatte und Gomez eine Konterchance vertändelte, lief plötzlich nicht mehr viel zusammen.
"Wir haben es uns im Verlauf des Spiels dann noch mal selbst schwer gemacht", erklärte Löw und ergänzte:
"Eigentlich waren die Holländer in der 60. Minute so gut wie tot, da hätten wir das dritte Tor machen müssen."
Doch der Treffer fiel auf der anderen Seite durch van Persie (73.), und Löws Mannschaft musste wieder zittern.
Die Niederländer drängten auf den Ausgleich, aber dann verließen sie die Kräfte.
Niederlande hoffen auf Schützenhilfe
"Die Deutschen hatten zwei oder drei Chancen in der ersten Hälfte. und sie haben zwei Tore gemach", fasste Torwart Marten Stekelenburg die Partie im Gespräch mit SPORT1 zusammen:
"Wir hatten drei Chancen und haben keins gemacht. Das ist die Geschichte des Spiels."
"Wir sind sehr enttäuscht, keine Punkte zu haben", meinte Dirk Kuyt, "aber wir müssen nach vorne schauen, unser letztes Spiel gewinnen und hoffen, dass uns die Deutschen einen Gefallen tun."
Mit einem Sieg gegen Portugal und einem Erfolg der DFB-Auswahl gegen Dänemark könnten die Niederländer, die momentan Gruppenletzte sind, doch noch weiterkommen.
"Gruppensieg wäre wichtig"
Die deutsche Mannschaft muss gegen Dänemark einen Punkt holen, um als Gruppenerster sicher im Viertelfinale zu stehen.
"Ich denke, der Gruppensieg wäre wichtig, weil wir dann in Danzig bleiben und mal keine Reise haben. Das wäre sicher ein Vorteil", meinte Löw, der mit der Mannschaft in der Nacht zwei Stunden zurück nach Polen flog.
"Wir müssen gegen Dänemark wieder hart arbeiten", sagte Lahm: "Wenn wir das machen, gehe ich davon aus, dass wir ins Viertelfinale einziehen."