

Drei Siege, zwei Helden, ein paar Probleme
Aus der Ukraine berichtet Thorsten Mesch
Lwiw - "Oh wie ist das schön!", sangen über 20.000 deutsche Fans im Stadion, die Spieler winkten Richtung Tribünen und bedankten sich.
Es war ein Abend von historischer Dimension.
Noch nie zuvor ist eine deutsche Nationalmannschaft mit drei Siegen in eine Europameisterschaft gestartet.
Und die Tore zum 2:1 (1:1) gegen Dänemark ( Bericht) erzielten ein Routinier bei seinem Jubiläum und ein Youngster in seinem ersten Länderspiel von Beginn an. (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
Jubiläum und Ehre für Podolski
"Es ist für mich ein super Moment", sagte Lukas Podolski, der in seinem 100. Länderspiel in der 19. Minute die Führung erzielt hatte und zum "Man oft he Match" gekürt wurde.
"Aber nicht wegen des Tors oder des Awards, den ich bekommen habe, sondern weil ich die 100 Spiele habe, wir gewonnen haben und im Viertelfinale stehen", erklärte der 27-Jährige.
"Es war für mich ein besonderes Tor", gab der Linksfuß zu, der mit seinem 44. Länderspieltreffer in der ewigen DFB-Torschützenliste an Uwe Seeler vorbeizog und jetzt alleiniger Siebter ist:
"Dann mache ich es auch noch mit rechts, das ist auch etwas Besonderes."
Bender trifft bei Premiere
Mindestens genau so glücklich wie Podolski war Lars Bender, der zum ersten Mal in der Startelf stand und mit seinem 2:1 in der 80. Minute das Zitterspiel für das DFB-Team mit seinem ersten Länderspieltor beendete.
"Unabhängig vom Tor war es mein erstes Spiel von Anfang an, deshalb war es etwas Besonderes. Das war ein schönes Geschenk", sagte Bender, der für den gesperrten Jerome Boateng in die Anfangsformation gerückt war.
Mit ihren Toren schossen Podolski und Bender die DFB-Auswahl ins Viertelfinale, indem die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw am Freitag auf Griechenland trifft. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
"Das Viertelfinale wird ein ganz anderes Spiel. Auch wenn die Griechen von der Spielweise ähnlich sein werden", erklärte der Coach.
Podolski und Lahm machen dicht
Dänemark agierte mit einer kompakten Defensive, überließ der DFB-Auswahl nahezu komplett die Initiative und lauerte auf Konter.
"Es war ein hart umkämpftes Spiel gegen einen guten Gegner", fand Podolski, der auf seiner linken Seite zusammen mit Philipp Lahm in der Rückwärtsbewegung nichts anbrennen ließ.
Schwächen zeigte die deutsche Mannschaft aber vor allem in der Chancenverwertung, vergab bereits vor dem 1:0 mehrere gute Einschussmöglichkeiten.
"In der ersten Halbzeit hat uns bei drei, vier Situationen der Killerinstinkt gefehlt, um mit 3:0 oder 4:0 in Führung zu gehen", sagte Löw
Gomez moniert Chancenverwertung
Auch Mario Gomez, der in den ersten beiden Spielen gegen Portugal und die Niederlande bisher für alle drei deutschen Tore gesorgt hatte, fehlte die Konsequenz.
"Wir haben uns drei, vier hundertprozentige Chancen herausgespielt, die hätten wir auch machen müssen, dann hätten wir Ruhe gehabt. So wurde es noch eng", sagte Gomez im Gespräch mit SPORT1.
"Dafür, dass Dänemark so defensiv gespielt hat, haben wir es aber ganz gut gemacht", fand der Mittelstürmer, blickt aber optimistisch aufs Viertelfinale: "Wenn wir so spielen wie die ersten drei Spiele, werden wir auch gegen die Griechen weiterkommen".
Mittelfeld-Dominanz lässt nach
Gegen Dänemark wurde die Partie in der zweiten Halbzeit zum Zitterspiel, weil das DFB-Team im Mittelfeld mit Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger nicht mehr die Dominanz der ersten Hälfte oder aus dem Sieg gegen die Niederlande hatte.
Und die Abwehr hatte bei den gefährlichen Standards der Dänen immer wieder Probleme.
Wie bei der Ecke, die in der 24. Minute zum 1:1 durch Michael Krohn-Deli geführt hatte und bei der sowohl Bender als auch Schweinsteiger und Gomez zu weit von den Gegenspielern entfernt waren.
Bender-Tor bringt Erlösung
Auch im zweiten Durchgang blieb Dänemark gefährlich und hatten beim Pfostenschuss von Simon Poulsen in der 51. Minute die Führung auf dem Fuß.
Die Erleichterung über Benders Treffer war daher enorm, denn ein einziges Tor der Dänen hätte aufgrund des Spielstands zwischen Portugal und Holland das Vorrunden-Aus bedeutet.
"Gott sei Dank hat Lars getroffen", meinte Schweinsteiger, der nicht die Akzente wie gegen die Niederlande setzen konnte. "Ich bin müde, weil ich viel laufen musste", erklärte der Münchner.
Keine Reisestrapazen mehr
Mit dem Gruppensieg haben sich Schweinsteiger und seine Teamkollegen selbst belohnt, können sich nun im Gegensatz zu den drei Gruppenspielen ohne Stress auf den nächsten Gegner vorbereiten.
Das Viertelfinale findet in Danzig statt, wo die DFB-Elf ihr Quartier aufgeschlagen hat - und ein mögliches Halbfinale am 28. Juni in Warschau.
"Wir müssen nicht mehr reisen. Nun können wir uns etwas gezielter vorbereiten", erklärte Löw und betonte:
"Die Griechen sind ein gefährlicher Gegner. Wir müssen In der Offensive einen Tick besser sein."
Podolski heiß auf's "Heimspiel"
Ob Bender gegen den Europameister von 2004 wieder in der Startelf stehen wird, verriet der Bundestrainer noch nicht.
Podolski kann es kaum erwarten, endlich in seinem Geburtsland zu spielen.
Auf die Frage, ob er die polnische Mannschaft, die in der Gruppe der Griechen Letzte wurde, rächen wolle, meinte er:
"Ein bisschen vielleicht schon. Wir wollen ins Finale und die nächsten Aufgabe ist Griechenland."