Dänen hoffen auf Revanche mit "mehr Haaren auf der Brust"
Lwiw - Die Enttäuschung war schnell verflogen.
Das erwartete EM-Aus in der Ukraine soll für die Dänen nicht das Ende, sondern der Anfang sein.
"Wir sind auf einem guten Weg, aber viele Leute sind noch jung", sagte Bundesliga-Profi William Kvist nach dem 1:2 (1:1) in Lwiw ( Bericht) gegen die deutsche Nationalmannschaft.
Er blickte schon auf die WM 2014:
"Ich hoffe, wir treffen die Deutschen auch in Brasilien. Dann werden wir eine größere Entwicklung gemacht haben als sie." (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
So sah es auch die Tageszeitung "Jyllandsposten". "Next stop - Rio. Die Auftritte geben Hoffnung für die Zukunft", schrieb sie:
"Diese Generation ist auf einem guten Weg, die EM war noch nicht der Kulminationspunkt."
Kvist: Deutschland holt EM-Titel
Bei der EM war der große Nachbar noch mehrere Nummern zu groß.
"Ich habe schon vor dem Turnier gesagt, dass Deutschland Europameister wird", sagte der Stuttgarter Mittelfeldspieler. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
Nach der Rückkehr in die Heimat will er sich vor dem Fernseher überzeugen, ob seine Prognose richtig war:
"Ich möchte gerne ein Finale oder Semifinale gegen Spanien sehen. Ich denke, das ist die einzige Mannschaft, die ein richtiger Konkurrent für die Deutschen ist."
Zu große Ehrfurcht
Genauso ehrfürchtig, wie die Dänen über den Titelkandidaten redeten, hatten sie vorher auch lange gespielt.
Sie hätten sich "extrem zurückgezogen", klagte Bundestrainer Joachim Löw, "das Ergebnis scheint ihnen völlig egal gewesen zu sein".
Nein, entgegnete Kvist, "natürlich wollten wir ins Viertelfinale, aber wir waren ein bisschen müde, die Kraft hat gefehlt".
Nicht nur die Kraft, auch die internationale Erfahrung: Sieben Spieler in der Startelf haben weniger als 30 Länderspiele auf dem Buckel. Bei den Deutschen waren es nur vier.
Jetzt mehr Erfahrung
"Wir haben jetzt mehr Haare auf der Brust", sagte Kvist, der selbst seine 31. Partie in Rot-Weiß absolvierte.
"Viele junge Spieler sind erst vor eineinhalb, zwei Jahren reingekommen", sagte auch der Ex-Hamburger Lars Jacobsen, mit 32 Jahren der älteste Däne auf dem Feld:
"Da brauchen wir ein bisschen Zeit, um die Mannschaft weiter zu bauen."
Dass sie am Ende gegen die Deutschen chancenlos waren, wunderte sie nicht.
Portugal-Pleite schmerzt
"Das Schlimmste war, dass wir gegen Portugal verloren haben", sagte Spielmacher Christian Eriksen (20) und erinnerte an die unglückliche 2:3-Niederlage gegen Cristiano Ronaldo und Co., die letztlich für das Vorrunden-Aus verantwortlich war.
"Hätten wir da unentschieden gespielt, wären wir weiter", ist er sicher.
Das Beste soll noch kommen
So blieben unter dem Strich der überraschende 1:0-Sieg gegen die Niederlande, ein überzeugender Torjäger Nicklas Bendtner, der auch gegen die DFB-Elf Werbung in eigener Sache betrieb, und die Erkenntnis, dass das Beste noch kommt.
"Wir haben eine junge Mannschaft, die eine sehr große Zukunft hat", sagte Jacobsen.
Und Trainer Morten Olsen, der sein mittlerweile zwölfjähriges Engagement beim "Landshold" bis 2014 verlängert hat, ergänzte:
"Die Deutschen spielen das ganze Jahr in der Champions League. Es ist ein anderes Tempo, und unsere Spieler sind nicht daran gewöhnt."
Der Trainer erklärte: "Wir müssen unsere Spieler auch dahin bringen. Einige haben die dänische Flagge geschwenkt und gezeigt, dass sie sich mit den Besten messen können."
Bendtner und Krohn-Dehli stark
Neben dem zweifachen Torschützen Bendtner, der beim FC Arsenal zum Verkauf steht, beeindruckte in der Ukraine vor allem Mittelfeldspieler Michael Krohn-Dehli.
Nicht nur, weil er Bendtners Kopfballvorlage zu seinem zweiten Turniertreffer nutzte (24.).
Der 29-Jährige, der bei Ajax Amsterdam scheiterte und nun bei Bröndby IF unter Vertrag steht, kurbelte immer wieder das Spiel an, lief enorm viel und war torgefährlich.
Jungstar Eriksen dagegen blieb bei seinem ersten Turnier sehr viel schuldig. "Alle sind jung, es ist noch eine Menge drin", sagte der 20-Jährige.