Maulwurf-Affäre: Familienmitglied unter Verdacht
Von Reinhard Franke
München - Eine kleine undichte Stelle.
Doch die Auswirkungen sind umso größer. Zum wiederholten Male bei dieser EM ist die deutsche Nationalmannschaft von einem "Geheimnisverrat" betroffen. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
Vor dem EM-Viertelfinale gegen Griechenland war bereits Stunden vor dem Spiel die Aufstellung in diversen Medien publik geworden.
Detailliert war berichtet worden, dass Mario Gomez, Lukas Podolski und Thomas Müller durch Miroslav Klose, Andre Schürrle und Marco Reus ersetzt werden.
Redseliges Familienmitglied
Direkt aus der Mannschaft sollen die eigentlich geheimen Informationen aber nicht kommen.
Nach SPORT1-Informationen soll es sich um den Bruder eines Nationalspielers handeln, der die geheimen Informationen ausplauderte.
Der griechische Trainer Fernando Santos hatte Freitagnacht betont, ihn hätten die Umstellungen in der DFB-Auswahl nicht überrascht:
"Wir haben so etwas schon erwartet. Wir wussten es seit dem Morgen schon, dass es Wechsel geben würde."
Calmund zeigt Verständnis
Reiner Calmund, früher Manager bei Bayer Leverkusen, zeigt bei SPORT1 Verständnis für den "Maulwurf":
"Man sollte ihn jetzt nicht zum großen Buhmann machen. Das war wohl ein Spieler, der aus großer Freude, dass er spielt oder aus Enttäuschung, dass er nicht spielt, sich einfach mitteilen wollte. Bei Eltern oder seinem Berater. Und das ist menschlich."
Und weiter: "Der DFB sollte das jetzt schnell klären, aber nicht zu hoch hängen."
Strunz: Auch früher schon so
SPORT1-Experte Thomas Strunz sieht es ähnlich unaufgeregt: "Die Aufstellung von Länderspielen war auch schon in der Vergangenheit früher bekannt", meinte er
"Man sagt, das kommt nicht aus der Mannschaft, das müssen irgendwelche Berater oder Familienangehörige gemacht haben. Natürlich kommt es aus der Mannschaft, denn das sind ja die, die es erfahren und die berichten es irgendwem."
Und er fügt hinzu: "Dann ist es sicherlich so, dass es im Umfeld Verbindungen gibt, die dann zu den Medien laufen. Das finde ich aber auch gar nicht so schlimm."
Löw ist sauer
Löw ist dennoch sauer. "Das ist nicht in meinem Sinne, wenn das passiert", sagte der Bundestrainer nach dem 4:2-Erfolg gegen die Griechen und klagte:
"Es müssen nicht schon frühzeitig die Karten auf dem Tisch liegen." (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
Aufgegangen war sein Plan dennoch, Klose und Reus gehörten sogar zu den Torschützen.
Dennoch meinte Löw zu der unangenehmen Geschichte: "Ich kann mir nicht genau erklären, woher das kommt. Die Spieler reden mit ihren Beratern, vielleicht gibt das da einer weiter."
Lahm: "Werden keinen Spion ansetzen"
Sein Kapitän gab ihm erwartungsgemäß Recht.
"Es ist natürlich schade, wenn Dinge herauskommen. Das ist nicht das Problem der Mannschaft. Eher hat der ein Problem, der etwas preisgibt", bemerkte Philipp Lahm.mit ernster Miene.
"Aber wir werden keinen Spion auf den Maulwurf ansetzen."
Löw nimmt zumindest sein Team in Schutz: "Von den Spielern kommt das aber nicht, diese Rückversicherung habe ich. Es sind andere Kanäle, aber letztendlich nicht nachzuvollziehen."
Nicht nur eine undichte Stelle
Nach Informationen von "Spiegel Online" handelt es sich aber nicht nur um eine undichte Stelle.
Demnach sei die Aufstellung vor den Gruppenspielen zu Turnierbeginn tatsächlich direkt aus dem Mannschaftskader an die Medien gegeben worden.
Der verdächtige Spieler wollte sich jedoch auf Anfrage dazu nicht äußern, auch vom DFB hieß es, solche Vorgänge kommentiere man nicht.
Vertrauensbruch thematisiert
Nachdem Löw das Thema Vertrauensbruch offen angesprochen hatte, wurde das erste Leck offenbar geschlossen.
"Der Bundestrainer hat uns vor dem Spiel gegen Dänemark auf dieses Problem angesprochen, er ist über diese Indiskretion natürlich nicht glücklich", sagte Schürrle.
Auch Marco Reus äußerte sich verblüfft und ratlos: "Ich weiß nicht, wer der Maulwurf ist."
Auch Spielerberater unter Verdacht
Ob der zweite "Maulwurf", der die Aufstellung vor dem Griechenland-Match ausplauderte, jedoch ebenfalls so einfach eingefangen werden kann, ist ungewiss.
Ein prominenter Manager aus der Bundesliga hat einen äußert einflussreichen Spielerberater unter Verdacht.
Der vermeintlich indiskrete Berater wollte auf Anfrage von "Spiegel Online" aber nichts zu den Vorgängen sagen.